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Frauenfußball
Ein Projekt sorgt für geteiltes Echo

Der SV Göttelborn und die SV Elversberg werden im Frauenfußball gemeinsame Sache machen. Hier geben sich Göttelborns zweiter Vorsitzender Norbert Kelter (links) und SVE-Vorstand Marc Strauß die Hand.
Der SV Göttelborn und die SV Elversberg werden im Frauenfußball gemeinsame Sache machen. Hier geben sich Göttelborns zweiter Vorsitzender Norbert Kelter (links) und SVE-Vorstand Marc Strauß die Hand. FOTO: Andreas Schlichter
Göttelborn/Elversberg. Kontroverse Diskussionen um die angedachte Kooperation im Frauenfußball zwischen der SV Elversberg und dem SV Göttelborn. Von Heiko Lehmann

Der SV Göttelborn und die SV Elversberg wollen im Frauenfußball ein großangelegtes Projekt angehen (wir berichteten) – doch das sorgt nicht bei allen für Begeisterung. Der Hintergrund: Die SV Elversberg möchte die komplette Frauenfußball-Abteilung des SV Göttelborn übernehmen. Göttelborn ist mit großem Abstand Tabellenführer in der Landesliga und wird wohl in die Verbandsliga aufsteigen. Dort soll das Team ab der kommenden Saison unter dem Dach der SVE an den Start gehen – mit Spielerinnen wie der zweimaligen Champions-League-Siegerin Selina Wagner, aktuell noch beim SC Sand, oder den zwei saarländische Toptalenten Aliya Diagne (FC Homburg) und Celine Wagner (1. FFC Niederkirchen). Weitere Hochkaräter sollen folgen. Langfristiges Ziel ist die Frauen-Bundesliga. Eine zweite Mannschaft soll in der Bezirksliga spielen.


„Als Kapitän bin ich von der Kooperation überzeugt“, sagt Göttelborns Spielerin Sandra Brück, „gerade für unsere talentierten Spielerinnen ist dies der beste Weg. Dem SV Göttelborn fehlen die finanziellen Mittel, um eine Frauenmannschaft zu fördern.“ Ab der kommenden Saison wollen beide Vereine auch das Thema Nachwuchsabteilung im Frauenfußball angehen.

Göttelborn und die SVE brauchen für das gemeinsame Projekt die Zustimmung des Saarländischen Fußball-Verbandes, der diese aber noch nicht erteilt hat und an diesem Montag in seiner Präsidiumssitzung darüber befinden wird. Klar ist: Einig ist sich das Präsidium nicht. SVE-Geschäftsführer Swen Hoffmann sagt: „Unsere favorisierte Lösung sieht den Übergang der gesamten Frauenabteilung des SV Göttelborn auf die SVE vor. Hierbei ist es schwer nachvollziehbar, dass die Regelung des Paragraphen 62 DFB-Spielordnung, die diese Möglichkeit ausschließlich für den Frauenfußball vorsieht und in mindestens sechs Fällen der Vergangenheit auch vom SFV angewendet wurde, nun im vorliegenden Fall nicht mehr gelten soll.“

Bei einem Fall im Jahr 2013 ging während der Saison die komplette Frauenabteilung und das Spielrecht des ASC Dudweiler in den neu gegründeten FFC Dudweiler über. Hintergrund war die Abmeldung der Frauen durch den ASC in der Winterpause. „Die Mannschaft wusste von der Abmeldung damals nichts“, erinnert sich Stefan Kunkel, damals Trainer beim ASC Dudweiler, „wir haben dann schnell einen neuen Verein FFC Dudweiler gegründet, damit wir weiter spielen können. Wir konnten in der Rückrunde in der gleichen Liga und mit der gleichen Punktzahl weiterspielen. Vergleichbar mit der Göttelborn-Elversberg-Situation ist das nicht.“ Der heutige Trainer des Verbandsligisten DJK St. Ingbert sagt weiter: „Ich glaube es sind viele einfach nur sauer, dass die SVE nicht ganz unten anfangen muss und in der Verbandsliga viel zu stark für alle anderen sein wird. Die sollten besser direkt in der Regionalliga starten, dann gäbe es wohl nicht so viel Gegenwind.“

Enzo Curcio war 16 Jahre lang beim Verbandsligisten SV Bliesmengen-Bolchen Trainer und ist nun im Hintergrund als Teammanager tätig. „Meiner Meinung nach kann man das mit anderen Fällen im Saarland nicht vergleichen“, sagt Curcio, „hier fließt viel Geld, damit das funktioniert. Ich habe mit vielen Leuten aus der Bezirksliga und Verbandsliga geredet und weiß, dass die SVE dann wohl zwei Jahre kein Spiel haben wird, da kein Gegner antreten wird“, sagt Enzo Curcio. Er begrüßt es grundsätzlich aber, dass der Frauenfußball im Saarland vorangetrieben werden soll.



Sabine Stürmer ist Trainerin beim Regionalligisten 1. FC Riegelsberg. „Grundsätzlich sage ich, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, und wir können eigentlich stolz sein, dass ein Verein aus dem Saarland die Möglichkeiten hat, den Frauenfußball in die Bundesliga zu bringen und es auch umsetzt. Viele regen sich eben auf, dass die Elversberger dann nicht ganz unten anfangen müssten“, sagt Stürmer. Winfried Klein, der Teammanager des Frauen-Zweitligisten 1. FC Saarbrücken, möchte die ganze Sache nicht groß bewerten. „Der SFV hat das Ganze wohl negativ beschieden, das hat SFV-Präsident Franz Josef Schumann auch schon gesagt. Warum sollte ich jetzt ungelegte Eier bewerten?“, sagt Klein.

Schumann selbst sagt vor der Präsidiumssitzung: „Wir haben zwei Juristen im Vorstand und werden den Fall genau nach den rechtlichen Dingen prüfen. Es ist aber vorstellbar, dass wir den Verbandstag darüber entscheiden lassen.“ Der Verbandstag ist allerdings erst Ende Mai. Der SV Göttelborn und die SV Elversberg bräuchten dann von allen saarländischen Vereinen eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Sollte das Projekt vom SFV oder dem Verbandstag keine Zustimmung erhalten, gibt es schon einen Plan B. „Für diesen Fall wurde in der Kooperationsvereinbarung festgehalten, dass sich an den Inhalten der langfristigen Zusammenarbeit in diesem Fall nichts ändert. Das Projekt startet dann unter dem Dach des SV Göttelborn“, sagt SVE-Geschäftsführer Swen Hoffmann.