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Ein Paradebeispiel für Integration durch Sport

Wemmetsweiler. Nicht nur Matthias Steiner, auch Almir Vegalic, gebürtiger Bosnier und Vize-Europameister, sind große Vorbilder im Gewichtheber-Sport. Dass Integration im Sport grundsätzlich eine wichtige Rolle spielt, dafür ist der Gewichtheberverband im Saarland ein Paradebeispiel. Mit fast drei Vierteln in den aktiven Mannschaften ist der Migrantenanteil im Gewichtheben relativ hoch Von SZ-Mitarbeiterin Katja Heckmann

Wemmetsweiler. Nicht nur Matthias Steiner, auch Almir Vegalic, gebürtiger Bosnier und Vize-Europameister, sind große Vorbilder im Gewichtheber-Sport. Dass Integration im Sport grundsätzlich eine wichtige Rolle spielt, dafür ist der Gewichtheberverband im Saarland ein Paradebeispiel.


Mit fast drei Vierteln in den aktiven Mannschaften ist der Migrantenanteil im Gewichtheben relativ hoch. "Der Migrantenanteil bezogen auf die Gesamtmitgliederzahl beläuft sich schätzungsweise auf 15 Prozent", erklärt der ehemalige Vereinsvorsitzende des AC Heros Wemmetsweiler, Erich Hoffmann. Die hohe Aktivenrate der Migranten lässt sich darauf zurückführen, dass Gewichtheben insbesondere in den früheren Ostblockstaaten als Volkssportart ausgeführt wird. "Gewichtheben dient in den ärmeren Ländern des Ostens immer noch als hervorragende Möglichkeit, zu Wohlstand und Ansehen zu gelangen", verdeutlicht Hoffmann, der von 1980 bis 1990 saarländischer Landestrainer im Gewichtheben war. Durch diese Hintergründe haben die Migranten den Vorteil, sich über den Sport zu integrieren und auch beweisen zu können.

Doch es war nicht immer einfach für die Migranten, im Saarland Anschluss zu finden. "In den Anfangsjahren, um 1950, hatten die Nichtmigranten die Befürchtung, dass es zu einem Verein im Verein kommen könnte", erinnert sich der 58-jährige Hoffmann. Allerdings haben sich diese Ängste nicht bewahrheitet. Denn durch die zunehmenden Sprachsicherheiten haben sich vielmehr Freundschaften entwickelt. "Heute gibt es sogar gemischte Partnerschaften in Vereinen", sagt der selbst noch aktive Gewichtheber, "vereinzelt haben Migranten auch Aufgaben wie Aktivensprecher, Gerätewart oder ähnliches übernommen."



Dass sich dies so gut entwickelt hat, liegt aber nicht allein am Einsatz der Zuwanderer. Der Landessportverband für das Saarlandes hat das Programm "Integration durch Sport" ins Leben gerufen. "Es handelt sich um eine Kooperation des Bundesinnenministeriums gemeinsam mit den einzelnen Sportverbänden im Saarland", zeigt Hoffmann, der bis 2012 im Vorstand des Verbandes war, auf. Das Programm wird von Aron Reinmann an der Landessportschule koordiniert.

Dieses Projekt wird vom AC Heros Wemmetsweiler seit Mitte der Neunziger angenommen. Durch verschiedene Angebote ermuntert die Abteilung "Sport und Integration" die Einwanderer zum regelmäßigen Sporttreiben. Diese werden aber auch von den Einheimischen genutzt, sodass der gesellschaftliche und inte-grative Aspekt im Vordergrund bleibt. Auch Deutschkurse werden parallel angeboten.

Seit 2009 kann sich der Wemmetsweiler Verein mit dem heutigen Vorsitzenden Dieter Kessler "Stützpunktverein", in Zusammenhang mit der Aktion "Integration durch Sport", nennen. Das harmonische Trainingsklima wollen Kessler und Hoffmann auch zukünftig bewahren. "Wir sind als Verein stolz auf die bisherigen Erfolge", bekräftigt der ehemalige Vorsitzende, "und wir sehen uns weiterhin in der Pflicht, Übersiedlern den Weg in eine für sie noch recht fremde Welt nach besten Kräften zu erleichtern".

Foto: hoffmann