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Ein nicht für möglich gehaltener Siegeszug in Finnland

Kontiolahti. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi holten die deutschen Biathleten lediglich zwei Silbermedaillen, ein Jahr später bei der WM in Kontiolahti trumpften sie beinahe sensationell auf: drei Mal Gold und zwei Mal Silber. sid

Erstmals seit 18 Jahren Staffelgold für Männer und Frauen, dazu drei Einzelmedaillen: Die deutschen Biathleten haben bei der WM in Kontiolahti sensationell abgeräumt und die Olympia-Schmach von Sotschi (nur zwei Mal Silber ) vergessen lassen. Franziska Preuß mit Platz zwei im Massenstart baute die Medaillenbilanz am Schlusstag auf drei Gold und zwei Silber aus. Die Männer verpassten zum Abschluss das Podium.

Und dennoch: Die deutschen Skijäger feierten in Finnland eine Auferstehung, mit der kaum jemand gerechnet hatte. Besonders das letzte Wochenende glänzte golden: Am Freitag triumphierte die Frauen-Staffel, am Samstag brachen die Männer ihre schwarze Serie und holten den ersten Team-Titel nach elf Jahren.

Niemand aus dem erfolgreichen Team strahlte jedoch derart sinnbildlich in die Kameras wie Franziska Preuß nach ihrem bislang größten Einzel-Erfolg. "In Sotschi hätte ich nie im Leben daran gedacht, dass ich hier auch nur ansatzweise eine Einzelmedaille gewinnen kann", sagte Preuß: "Aber man sieht, wie schnell es anders laufen kann. Ich genieße den Moment jetzt besonders, weil ich schon ganz andere Dinge erlebt habe. Das ist wie ein Traum. Eine grandiose Woche."

Mit einem Schießfehler hielt sie nach 12,5 Kilometern die Italienerin Karin Oberhofer in Schach und distanzierte auch ihre Staffel-Kolleginnen Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier auf Platz sechs und sieben. Auf die fehlerfreie Walentyna Semerenko aus der Ukraine fehlten Preuß 6,2 Sekunden.

Noch vor einem Jahr in Sotschi hatte Preuß der sportlichen Krise aller deutschen Skijäger ein Gesicht verliehen. Gestürzt, mit nur noch einem Stock in der Hand und Schnee im Lauf ihres Gewehrs, war sie durch die Loipe gestolpert, die Augen aufgequollen von Tränen. Preuß stand vor den Trümmern ihrer Karriere. Nun gilt sie neben Laura Dahlmeier, Vize-Weltmeisterin in der Verfolgung, als das große Versprechen für die Zukunft. "Die Frauen haben sich hier gut verkauft, aber sie haben auch Potenzial nach oben. Sie haben mehr erreicht, als wir erwartet haben", sagte Sportdirektor Björn Weisheit.

Mit dem Staffel-Gold, dem ersten Mannschaftssieg seit vier Jahren, gilt dies auch für die Männer - zumal Erik Lesser auch den WM-Titel in der Verfolgung gewann. Im Massenstart, dem elften und letzten Rennen in Kontiolahti , fehlte die Präzision. Beim Goldlauf des Slowenen Jakov Fak landete Simon Schempp als bester Deutscher mit zwei Schießfehlern und 25,6 Sekunden Rückstand auf Platz acht. Silber ging an den Tschechen Ondrej Moravec, Bronze gewann der Norweger Tarjei Bö. Benedikt Doll wurde 16., Doppel-Weltmeister Erik Lesser kam auf Rang 17, Arnd Peiffer auf Platz 22.

"Am Ende haben mir etwas die Körner gefehlt", sagte Schempp: "Das war das letzte WM-Rennen, da tut sich jeder schwerer. Natürlich wäre ich gerne mit einer Einzelmedaille nach Hause gefahren, aber es sollte nicht sein." Trotz der verpassten Medaille im elften und letzten Wettbewerb zog Bundestrainer Mark Kirchner ein positives Fazit: "Man hat immer gesagt, wir haben nicht den Überflieger. Aber wir haben Athleten, die das Herz an der richtigen Stelle haben und bereit sind, alles zu geben." Das zeigte vor allem die Männer-Staffel am Samstag mit einem echten Triumphzug.