Ein neuer Stern am Schwimm-Himmel

Ein neuer Stern am Schwimm-Himmel

Celine Rieder ist deutsche Meisterin über 800 und 1500 Meter Freistil. Die 15-Jährige aus Saarbrücken stellte bei der Kurzbahn-Meisterschaft in Berlin über die längere Distanz sogar eine Weltjahresbestzeit auf.

Die Hälfte der deutschen Olympia-Schwimmer lässt die Kurzbahn-Saison aus, wegen Bundeswehr-Lehrgängen oder Krankheiten. Die andere Hälfte diskutiert bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Berlin mit Trainern und Funktionären des krisengeschüttelten Deutschen Schwimmverbandes (DSV) über die Zukunft ihrer Sportart. Ein Blick nach Saarbrücken würde allen helfen, um zu erkennen, was in einer funktionierenden Trainingsgruppe und mit Ruhe und Vertrauen möglich ist.

Geradezu sensationell hat sich in der Berliner Schwimmhalle SSE die 15-jährige Celine Rieder von der SSG Saar Max Ritter deutschlandweit ins Blickfeld geschwommen - mit zwei deutschen Meister-Titeln über 800 und 1500 Meter Freistil , inklusive einer Weltjahresbestzeit über die selten geschwommene, nicht-olympische 1500-Meter-Freistil-Distanz (16:02,86 Minute). So schnell wie Rieder war in diesem Jahr weltweit noch keine Frau auf der Kurzbahn - auch nicht Franziska Hentke, immerhin Olympia-Teilnehmerin und Europameisterin in diesem Jahr, die in Berlin in 16:09,66 Minuten Zweite wurde.

"Dass ich mich gegen eine so starke Gegnerin wie Franziska Hentke durchgesetzt habe, ist der Hammer", sagte Rieder: "Ich bin froh, dass sich das viele Training auszahlt." Rieder stammt aus Wittlich, wohnt an der Sportschule in Saarbrücken, besucht das Gymnasium am Rotenbühl und gehört zur Trainingsgruppe von Landestrainer Hannes Vitense, zu der auch die Olympia-Teilnehmer Christoph Fildebrandt und Annika Bruhn, Andreas Waschburger und Toptalent Marlene Hüther (Bronze am Samstag über 200 Meter Lagen) zählen.

Rieder selbst ist ein Toptalent, dem Vitense eine Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio auf jeden Fall zutraut. Immerhin gewann sie in diesem Jahr drei Goldmedaillen bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften und eine Silbermedaille bei den Junioren-Europameisterschaften in Ungarn - als Jüngste im deutschen Team. "Ich versuche das, was ich mache, möglichst konzentriert und zielstrebig umzusetzen", nennt die 15-Jährige ihr Erfolgsrezept.

Schwimmen kann offensichtlich auch ganz einfach sein - nur im DSV nicht. Es herrscht dicke Luft, von Aufbruchstimmung zwei Wochen nach der Wahl des neuen Präsidiums ist nichts zu spüren. Grund dafür sind die Hängepartie um die Trainerverträge, das neue Konzept von Bundestrainer Henning Lambertz und die offenbar schlechte Kommunikation.

"Es weiß keiner, was kommt. Es herrscht maximale Verunsicherung bei den Trainern", fasste Magdeburgs Stützpunktleiter Bernd Berkhahn zusammen. Drei Monate nach dem medaillenlosen Debakel von Rio ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Vor allem die noch immer nicht unterschriebenen neuen Trainer-Verträge sorgen für Ärger. Frank Embacher, Leiter des Bundesstützpunktes Halle/Saale und Erfolgscoach des zurückgetretenen Weltrekordlers Paul Biedermann , setzte dem DSV ein Ultimatum. "Ich brauche in der nächsten Woche ein klares Signal."

Die neue Verbandschefin Gabi Dörries betonte, ihr seien aufgrund der noch nicht beschlossenen Förderreform im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die Hände gebunden: "Ich hoffe, dass ich am Mittwoch, nach dem Gespräch mit dem DOSB, alle Informationen zusammenhabe." Viele Trainer werden aufgrund der finanziellen Engpässe vorerst auch nur Verträge für zwei statt vier Jahre erhalten.

Für Verstimmung unter den Heimtrainern sorgt auch das Maßnahmen-Paket von Bundestrainer Lambertz mit einem neuen, auf Maximalkraft ausgerichteten Kraftkonzept. Auch die künftig deutlich härteren Qualifikationsnormen für Großereignisse stoßen auf Kritik, weil sich Schwimmer aus der zweiten Reihe vom Leistungssport abwenden könnten. Auch das ist in Saarbrücken derzeit (noch) nicht der Fall.

Marco Koch hat den Weltrekord über 200 Meter Brust verbessert. Koch schwamm gestern in Berlin in 2:00,44 Minuten vier Hundertstelsekunden schneller als der Ungar Daniel Gyurta vor zwei Jahren.

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