1. Sport
  2. Saar-Sport

Ein Meister-Macher für den Meister

Ein Meister-Macher für den Meister

Wolfsburg. Die Trainerbank in der Wolfsburger Volkswagen Arena birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich. Wer zu heftig in die Höhe springt, wird von einer Abdeckung unfreiwillig schmerzlich auf den Boden zurückgeholt. "Da muss ich aufpassen

Wolfsburg. Die Trainerbank in der Wolfsburger Volkswagen Arena birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich. Wer zu heftig in die Höhe springt, wird von einer Abdeckung unfreiwillig schmerzlich auf den Boden zurückgeholt. "Da muss ich aufpassen. Der Felix hatte es da etwas leichter, er ist ja nicht ganz so groß wie ich", scherzt Trainer Armin Veh vom deutschen Fußball-Meister VfL Wolfsburg bei der Besichtigung seines neuen Arbeitsplatzes.

Der Fehler in Rostock

Magath ist zwar sieben Zentimeter kleiner als sein Nachfolger. Der Meistermacher hat in der niedersächsischen Fußball-Provinz, die über Nacht zu einem Nabel der deutschen Fußball-Welt geworden ist, aber große Fußstapfen hinterlassen. Die sind allgegenwärtig. Für Veh nicht zu groß. Im Gegenteil: Es spornt ihn an. "Das macht den Reiz dieser Aufgabe aus", sagt er unmissverständlich.

Veh, dem als Spieler die ganz große Karriere versagt war, ist vor schwierigen Aufgaben nie zurückgeschreckt. Der 48-Jährige führte seinen Heimatverein FC Augsburg in die Regionalliga, stieg mit Fürth und Reutlingen in die 2. Liga auf und ließ den FC Hansa Rostock begeisternden Erstliga-Fußball spielen, ehe er im Oktober 2003 an der Ostseeküste das Handtuch warf. Ein Fehler, den er nie wieder machen würde, bekannte der gelernte Immobilienkaufmann später mit Reue.

Aber Veh kam zurück - mit einiger Verspätung zwar, dafür umso nachhaltiger. Am Ende stand 2007 der Meistertitel mit dem VfB Stuttgart und die Wahl zum Trainer des Jahres für einen Mann, der im Schwabenland 15 Monate zuvor als Übergangslösung vorgestellt worden war. Die Akte Veh beim VfB ist zwar schon acht Monate geschlossen, aber: Der gebürtige Augsburger hat die wichtigsten Dokumente an seinen neuen Arbeitsplatz mitgenommen.

An der Spitze etablieren

Konkret: Die Übung, wie man mit einem Meister-Team umgeht. "Für mich ist es wichtig, dass ich diese Erfahrungen gemacht habe", sagt Veh, der wie Vorgänger Magath Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer in einer Person ist.

Und das mit Leidenschaft - wie überall, wo er seine Spuren hinterlassen hat. "Ich fühle mich unheimlich wohl hier", sagt der neue Leitwolf, auch wenn er noch keine Gelegenheit hatte, seine augenblickliche Wahl-Heimat näher zu erkunden. Dafür hat er die Ärmel hochgekrempelt und Fakten geschaffen: Dass in Grafite, Edin Dzeko, Josué und Zvjezdan Misimovic die Architekten des Titels langfristig verlängern würden, hätte kaum einer für möglich gehalten. Mit diesem Pfund will Veh wuchern. "Wir wollen den VfL in der Bundesliga-Spitze etablieren", so die Vorgabe.

Dazu wäre ein perfekter Start wichtig, auch wenn Wehmut mitschwingt. "Ich bin mit dem VfB Meister geworden. Deshalb ist das kein Spiel wie jedes andere für mich", sagt Veh. Für Sentimentalitäten ist aber kein Platz im Bundesliga-Geschäft. Sein bis dato letztes Erstliga-Spiel hat er schließlich in Wolfsburg auf der Bank verbracht - auf der der Gäste: Nach dem 1:4 beim VfL wurde er tags darauf am 23. November 2008 vom VfB Stuttgart entlassen. dpa