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Ein Märchen von Shakespeare

Ein Märchen von Shakespeare

Nach dem 2:0-Coup gegen den FC Sevilla träumt die durch Trainer Craig Shakespeare wiederbelebte Mannschaft von Leicester City von weiteren Heldentaten.

Craig Shakespeare hatte das totgeglaubte Leicester City gerade erst ins "Land der Träume" geführt, da dachte der Erweckungskünstler schon an das nächste Märchen mit dem Sensationsteam. "Wir wissen, dass einige sagenhafte Mannschaften unter den letzten Acht sind. Aber wir könnten die Überraschungsmannschaft sein", sagte der Teammanager des englischen Meisters nach dem sensationellen Vorstoß ins Viertelfinale der Champions League.

Dort wartet die europäische Elite um Rekordsieger Real Madrid, den FC Barcelona, Bayern München, Borussia Dortmund oder Juventus Turin. Doch nach der Wiederbelebung durch Shakespeare und dem 2:0 (1:0) im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Sevilla hoffen die Märchenkicker auf die nächste Sensation. "Der Glaube ist zurück, die Mentalität, niemals aufzugeben. Sie können weiter überraschen, haben gegen alle Teams eine Chance", sagte Torhüter-Legende Peter Shilton.

Das sehen vor der Auslosung morgen in Nyon sogar die möglichen Kontrahenten so. "Gegen wen ich nicht spielen will? Leicester", sagte Juve-Torhüter Gianluigi Buffon am Dienstag nach dem souveränen Weiterkommen gegen den FC Porto (2:0/1:0): "Sie sind eine leidenschaftliche Mannschaft, die Teams, die die Initiative ergreifen, Probleme bereiten können. Wir könnten nur verlieren."

Dass die Füchse um den ehemaligen deutschen Nationalspieler Robert Huth wieder gefürchtet werden, liegt in erster Linie an Shakespeare. Der 53-Jährige, seit 2008 im Verein, hat den Trainerjob vor drei Wochen von Claudio Ranieri übernommen und die Mannschaft zu dessen Stil zurückgeführt. Der Lohn: drei Siege in drei Spielen. Am Dienstag meinte er aber, es sei das Verdienst Ranieris, dass Leicester überhaupt so weit gekommen ist: "Wir sind nur dank ihm hier. Claudio wird hier nie vergessen werden."

Ranieri war nach dem 1:2 im Hinspiel in Sevilla entlassen worden. In Leicester schossen Kapitän Wesley Morgan (27.) und Marc Albrighton (54.) die Blauen ins "Land der Träume" (Daily Star). Sevillas Samir Nasri sah Gelb-Rot (74.), Steven N'Zonzi scheiterte mit einem Foulelfmeter an Torwart Kasper Schmeichel (80.). Dessen Vater Peter, einst Champions-League-Sieger mit Manchester United, jubelte auf der Tribüne mit. "Als wir Kasper am meisten gebraucht haben, war er da", sagte Shakespeare.

Der gefeierte Held sah sich an die Großtaten des Meisterjahres erinnert. "Wir haben wieder mehr wie vergangene Saison gespielt, es war eine fantastische Nacht", sagte Schmeichel, "viele von uns sind einen weiten Weg gegangen, ich aus der 4. Liga. Jetzt im Viertelfinale der Champions League zu sein, ist unglaublich." Kapitän Morgan meinte: "Wir haben viele Leute Lügen gestraft und erneut das Unmögliche möglich gemacht." Fortsetzung folgt? Leicester, schrieb die Times, "ist zurück im Land der Fantasie". Und dort ist bekanntlich alles möglich.