Ein Kapitän, kein Lautsprecher

Ein Kapitän, kein Lautsprecher

Der 1. FC Saarbrücken der Saison 2016/2017 spielt eine erstaunlich gute Rolle in der Regionalliga. Einer, der mit dafür Sorge trägt, dass der FCS Tabellenführer ist, ist Kapitän Manuel Zeitz.

Es gab Jahre, da suchte man im Aufgebot des 1. FC Saarbrücken die Saarländer fast vergebens. In dieser Saison gehören nicht nur acht Spieler zur Mannschaft des Fußball-Regionalligisten, die in der eigenen Jugend ausgebildet wurden. Der FCS wird sogar von einem waschechten "Eingeborenen" aufs Feld geführt.

"Es ist für mich nach wie vor etwas ganz Besonderes, als Kapitän bei meinem Heimatverein auflaufen zu dürfen", sagt der Großrosseler Manuel Zeitz, der in der Regionalisierung des Clubs eine Entwicklung in die richtige Richtung sieht: "Das ist sicher ein Grund, warum es so gut läuft. Wenn die Fans uns nach dem Spiel feiern und singen, springen alle auf und singen mit. Das zeigt die Verbundenheit und dass für die Spieler der FCS mehr ist als einfach der nächste Arbeitgeber."

Der FCS ist für Zeitz eine Herzensangelegenheit. Als Jugendspieler stand er in der Kurve, mit 17 beförderte ihn der damalige Trainer Dieter Ferner zu den Aktiven. Die Aufstiege in die Regionalliga und der Durchmarsch in die 3. Liga sind für alle Saarbrücker auch untrennbar mit dem Namen Zeitz verbunden. Für einige ist er schon Symbolfigur für den nächsten Titel.

"Wir sind noch weit weg von der Meisterschaft. Die Saison ist noch lang, und selbst wenn man es schafft, hat man noch lange nichts erreicht", sagt Zeitz und spielt damit auf die anschließenden Aufstiegsspiele an, "vergleichbar mit den Meistermannschaften von damals ist die Moral in der Truppe heute. Die hat uns damals ausgezeichnet, und es ist auch heute so, dass jeder Bock hat, für den anderen zu laufen."

Die emotionale Nähe zum Verein kann aber auch Ballast sein. FCS-Trainer Dirk Lottner musste dies in seiner Zeit als Kapitän des 1. FC Köln selbst erfahren, Zeitz lernte diese Fußball-Lektion beim Drittliga-Abstieg des FCS. Trotzdem - oder gerade deswegen - machte Lottner Zeitz zum Spielführer. "Wir haben diese Thematik besprochen", sagt Lottner, "Manuel interpretiert seine Rolle genau so, wie man sich das als Trainer wünscht. Er führt die Mannschaft auf dem Platz auch in Situationen, wo du von außen nicht eingreifen kannst. Außerhalb stößt er Dinge an, die für das Zusammengehörigkeitsgefühl wichtig sind. Und schließlich ist er als Spieler wichtig für die Art, wie wir Fußball spielen. Das hat man in den zwei Spielen, in denen wir ihn ersetzen mussten, gemerkt."

Dem mittlerweile 26-Jährigen ist Rummel um seine Person von jeher eigentlich unangenehm. "Ich gehe einfach nur auf den Platz und will gewinnen. Ich wollte nie als Mitläufer mitschwimmen. Und wenn man was erreichen will, muss man vorangehen. Ich bin kein Lautsprecher oder der, der große Ansagen macht, sondern der, der auf dem Platz 100 Prozent gibt", sagt der FCS-Kapitän - und findet dann doch einen Nachteil beim Heimatverein: "Wenn wir jetzt mal ein Spiel verlieren, muss ich mir immer noch das Gemecker von der Familie anhören, die ja auch alle Fans sind."

Viele Anhänger werden am Samstag nach Elversberg kommen, wenn der FCS beim Tabellenzweiten SV Elversberg antritt "Das ist mit Sicherheit ein Vorteil für uns", sagt Zeitz, "es wird ein spannendes Spiel. Entscheidend wird die Tagesform und auch das Glück. Es kann alles passieren, wenn zwei so gute Teams gegeneinander spielen."

Mehr von Saarbrücker Zeitung