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Ein Kämpfer ohne große Worte

Trier. Die Spieler des Basketball-Bundesligisten TBB Trier bekommen seit Monaten kein Gehalt – doch sie spielen weiter, ohne sich öffentlich zu beschweren. Das ist offenbar nur dank Trainer Henrik Rödl möglich. Marek Fritzen

Insolvenz, keine Gehaltszahlungen, drohender Lizenzentzug: Die vergangenen Tage sind die wohl schwersten in der Basketball-Karriere von Henrik Rödl . Der 46 Jahre alte Trainer der TBB Trier würde das selbst niemals zugeben, das verbietet seine ruhige und zurückhaltende Art. Dennoch ist ihm die Belastung deutlich anzumerken. "Es ist eine turbulente Zeit. So etwas wie Normalität gibt es nicht", sagt Rödl. Es gehe darum, die Gedanken an all das neben dem Spielfeld irgendwie klein zu halten: "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als von Training zu Training zu schauen, denn wir wissen nicht, wie es für jeden Einzelnen in der Mannschaft weitergeht."

Kritik an Strafmaß der Liga


Es sind Tage voller Ungewissheit für den 178-maligen Nationalspieler und Europameister von 1993. An Spekulationen beteiligt er sich nicht: Weder darüber, ob die TBB die Saison zu Ende spielen kann - das entscheidet die Liga morgen. Noch darüber, ob alle Spieler bis zum möglichen Saisonende an Bord bleiben werden. "Kaffeesatzleserei", sagt Rödl, "ist nichts für mich".

DEr Trierer Trainer bleibt bei dem, was er definitiv sagen kann. So zum Beispiel das: "Wenn wir die Saison zu Ende spielen dürfen, bleibe ich definitiv bis zum Saisonende in Trier ." Was danach mit ihm passiert, sagt Rödl nicht. Auch zum Acht-Punkte-Abzug der Liga infolge der Insolvenz und der falschen Angaben im Lizenzierungsverfahren äußert er sich: Das sei eine unverhältnismäßig hohe Bestrafung. "Es wirkt so, als sei es das Ziel der Liga, uns keine Chance auf eine sportliche Rettung zu geben. Gleichzeitig aber sollen wir trotzdem konkurrenzfähig weiterspielen - das ist doch absolut gegensätzlich", findet Rödl.

Die ausbleibenden Gehaltszahlungen - TBB Trier fehlen mehrere hunderttausend Euro - seien für die Mannschaft in den vergangenen Monaten eine enorme Belastung gewesen, "ohne dass wir jemandem etwas haben sagen können". Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass dies auch mitverantwortlich für die Leistungsschwankungen der vergangenen Wochen gewesen sei, in denen die Trierer neben hochklassigen auch unterirdisch schlechte Spiele ablieferten.

Seine Mannschaft lobt Rödl immer wieder. Wenn er von "seinen Jungs" spricht, fallen Worte wie "beeindruckend" oder "absolut ungewöhnlich". Nach dem überraschenden 80:60-Sieg bei den EWE Baskets Oldenburg am vergangenen Samstag hatte Rödl Tränen in den Augen. "Wie wir da aufgetreten sind, war mehr als besonders. Wir haben eine wahnsinnige mentale Stärke bewiesen", sagt der Trainer.

Dass den Verein trotz ausbleibender Gehaltszahlungen kein Spieler verlassen hat, ist offenbar hauptsächlich dem Trainer zu verdanken. Aus Spielerkreisen heißt es, Rödl habe die Mannschaft beisammengehalten. Ein Spieler, der nicht genannt werden will, weil sich die Mannschaft zu den finanziellen Problemen eigentlich nicht äußern soll, berichtet: "Er hat uns motiviert, auch als wir immer wieder zu hören bekamen: Nächste Woche gibt es Geld, nächste Woche ganz sicher." Rödls Ansprachen in der Kabine seien unter die Haut gegangen. Ein anderer Profi berichtet davon, dass er seit Monaten nur von Erspartem lebt. Rödl soll seinen Spielern sogar angeboten haben, ihnen notfalls auch finanziell unter die Arme zu greifen. "Er hat gesagt, wenn jemand Geld braucht, dann soll man sich an ihn wenden", sagt ein Spieler.

"Volle Hütte" am Sonntag

Wie der Trainer sich für die Mannschaft eingesetzt habe, sei nicht in Worte zu fassen. Das Team, so heißt es aus Spielerkreisen, sei in den vergangenen Monaten extrem zusammengewachsen. "Obwohl wir kein Geld bekommen haben, haben wir uns geschworen, für uns zu spielen, das Beste zu geben", sagt ein Akteur. In Oldenburg war das mehr als deutlich zu sehen.

Und trotz des Acht-Punkte-Abzugs hält Rödl den Kopf oben. Mit Blick auf das Spiel gegen die BG Göttingen an diesem Sonntag (20 Uhr, Arena Trier ) sagt er: "Die Hütte wird sicher voll sein. Es geht noch was, daran halten wir fest."