Ein Held, ein Sündenbock

Wolfsburg · Nach dem ersten Einzug ins Achtelfinale der Champions League in der Geschichte des VfL liegt ganz Wolfsburg Naldo zu Füßen. Weltmeister Bastian Schweinsteiger erfährt dagegen nach dem Aus für Manchester United einen Liebesentzug.

Als Bastian Schweinsteiger nach der 2:3 (1:2)-Niederlage von Manchester United kurz vor Mitternacht wortlos und frustriert aus der VfL-Arena flüchtete, da hatte sich Naldo die Belohnung für seine Heldentat längst abgeholt. Wolfsburgs Innenverteidiger mit dem ausgeprägten Torinstinkt hatte sich auf dem Stadionzaun von entzückten Fans für seinen Doppelpack (13. und 84. Minute) feiern lassen - und für den ersten Achtelfinal-Einzug in der Champions League in der Clubgeschichte des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg .

"Das ist ein besonderer Moment für uns", sagte Naldo am späten Dienstagabend nach dem Heimsieg im letzten und entscheidenden Vorrundenspiel gegen den englischen Rekordmeister. Den Gruppensieg habe man sich redlich verdient, erklärte der Brasilianer: "Die Mannschaft hat nach dem Rückstand gegen einen Superverein wie Manchester eine tolle Leistung gezeigt." Der Schreck über einen Polizei-Einsatz unmittelbar nach dem Abpfiff trübte die Stimmung nur kurz. Anhänger und Spieler durften das Stadion erst mit Verzögerung verlassen, weil ein Gegenstand auf dem Parkplatz am Stadion als verdächtig eingestuft wurde. Er entpuppte sich dann als leerer Karton.

Diese Unruhe bekam Schweinsteiger nicht mit. Der Kapitän der Nationalmannschaft saß bei der Dopingkontrolle. Den Rüffel seines Trainers Louis van Gaal und die Kritik in englischen Medien nach dem Vorrunden-Aus mit Manchester dürften am Weltmeister nicht vorbeigegangen sein. Bei seinem ersten Spiel im United-Trikot in Deutschland wurde der 31-Jährige in der 69. Minute ausgewechselt. Vor dem Treffer zum 1:2 aus Manchester-Sicht durch Vieirinha (29.) ließ sich Schweinsteiger von Julian Draxler wie ein Anfänger ausspielen. "Ich wechsle einen Spieler nicht einfach nur so aus", sagt van Gaal - und schob nach: "Ich kann nicht sagen, dass er der Schweinsteiger aus meiner Zeit in München war." Der als Führungsspieler vor der Saison von Bayern München verpflichtete Schweinsteiger gewann laut Statistik gewann nur 25 Prozent seiner Zweikämpfe, weshalb die Zeitung "Guardian" zu seinem schwachem Auftritt in der Autostadt Wolfsburg süffisant schrieb: "Der Fußballer, der für so lange Zeit wie ein Mercedes geschnurrt hatte, hustete und stotterte, während Spieler mit VW-Logos auf der Brust immer wieder an ihm vorbeirasten."

Der aus Wolfsburger Sicht geschichtsträchtige Sieg mitten in der Krise von Mutterkonzern Volkswagen freute vor allem VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz. "Die Champions League ist für alle wichtig, und wenn man als Gruppenerster weiterkommt, ist das der Hammer", sagte der VfL-Aufsichtsratschef: "Viele unserer Mitarbeiter waren im Stadion, sie werden froh zur Arbeit gehen." Dass auch die Spieler gestern Morgen gut gelaunt Regenerationsmaßnahmen ausführen konnten, lag vor allem an Naldo, der im Spiel gegen Manchester in der Abwehr abräumte und im Angriff im Stile eines Stürmers traf. "Bei Standards sollte man den nicht so ungedeckt lassen, wie Manchester das gemacht hat", sagte Naldos Mitspieler Maximilian Arnold.

Einen Wermutstropfen gab es: Naldo sah nach einem Foul die Gelbe Karte und ist im Achtelfinal-Hinspiel gesperrt. Einen Wunschgegner haben die Wolfsburger für die Auslosung am Montag übrigens nicht. "Ich wünsche mir einen Gegner, der mit uns auf Augenhöhe ist", sagte Kapitän Diego Benaglio: "Es wäre schön, wenn wir noch eine Runde weiterkommen würden."