| 20:19 Uhr

2. Handball-Bundesliga
Ein Hausmeister-Streik zur rechten Zeit

Ein in jüngster Zeit sehr selten gewordenes Bild: Die Spieler der HG Saarlouis bejubeln ihren Heimsieg gegen Balingen-Weilstetten.
Ein in jüngster Zeit sehr selten gewordenes Bild: Die Spieler der HG Saarlouis bejubeln ihren Heimsieg gegen Balingen-Weilstetten. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Handball-Zweitligist HG Saarlouis sendet Lebenszeichen im Abstiegskampf und bezwingt Bundesliga-Absteiger Balingen.

Regelrechte Bergmassive fielen am vergangenen Freitagabend nach dem Schlusssignal von vielen Saarlouiser Herzen. Lange hatte man solch eine überschwängliche Freude in der Stadtgartenhalle nicht gesehen – jedenfalls nicht nach einem Spiel des Handball-Zweitligisten HG Saarlouis. Die Zuschauer auf den Rängen und die HG-Spieler auf dem Feld lagen sich in den Armen und feierten den 29:28-Sieg über HBW Balingen-Weilstetten wie eine Meisterschaft. Oder wie den Klassenverbleib, der für das Tabellen-Schlusslicht nach wie vor in Gefahr ist.


„Es war für uns als Team megawichtig zu sehen, dass noch alles drin ist. Keiner ist negativ aufgefallen, jeder hat seine Leistung gebracht. So können wir jeden schlagen“, freute sich Falk Kolodziej. Für ihn war der Sieg gleich in zweierlei Hinsicht besonders: Er kam im Sommer 2017 aus Balingen nach Saarlouis. Mit drei immens wichtigen Treffern trug er sich in die Torschützenliste ein. Gleich nach seiner Einwechslung sorgte er mit einem Doppelpack zum 13:10 und 14:10 für den ersten Fingerzeig in Richtung der Schwaben. Später zimmerte er quasi mit dem Halbzeitsignal einen Distanzwurf zur 17:15-Pausenführung unter die Latte.

Nicht selten wird eine positive Aktion zum Abschluss einer Halbzeit als „psychologisch günstig“ beschrieben. Ob es diesen Effekt wirklich gibt, ist umstritten. Fakt ist aber: „Wir haben vor dem Spiel versucht, einen mentalen Impuls zu geben. Der hat offenbar gewirkt“, sagte HG-Trainer Philipp Kessler. Hauptverantwortlich dafür war ein Streik zu rechten Zeit: „Wir konnten donnerstags vor dem Spiel nicht in die Halle, weil die Hausmeister streikten. Prinzipiell ist das ja für uns blöd. In dem Fall war es aber genau richtig“, erklärte Kolodziej. Statt schwitzen auf dem Spielfeld standen Gespräche und eine Art Meditation mit Mentaltrainern auf dem Programm. „Es wurde jedem freigestellt, ob er sich darauf einlässt oder nicht. Ich fand es megagut. Ob das den Ausschlag für den Sieg gab, weiß man natürlich nicht“, sagt Kolodziej. „Selbst, wenn es nur zwei Prozent ausmachte, hat es sich gelohnt. Vielleicht hätten wir das schon früher einmal gebraucht. Aber besser spät als nie.“

Die Einheit sollte die Spieler auf die Situationen im Spiel vorbereiten, die in den letzten Wochen und Monaten spielentscheidende Schwächephasen einleiteten. Einen solchen Moment gab es auch im Spiel gegen Balingen. Nach einer 15:10-Führung stand es wenig später 20:20. „Wir haben vorher besprochen, wie jeder für sich in diesen Situationen seine Denkweise ändern kann. Das ist uns sofort gelungen. So kann es weitergehen“, freute sich Kolodziej, und auch Teamkollege Patrick Schulz attestierte: „Wir sind ruhig geblieben, waren miteinander positiv und sind nicht in alte Muster zurückgefallen.“ Schulz entschied mit elf Paraden (davon zwei Siebenmeter) den Vergleich mit den HBW-Torhütern (zusammen 4/1) klar für sich.

„Das klingt jetzt vielleicht komisch, weil wir immer noch Tabellenletzter sind. Aber durch diesen einen Sieg ist auf einmal ein ganz anderer Glaube da. Überhaupt wieder zu wissen, wie man ein Spiel gewinnt. Das ist wichtiger als alles andere“, sagte Schulz. Kolodziej ergänzte: „Wenn wir jedes Spiel mit Spaß und Kampf angehen, haben wir immer die besten Karten.“