Ein großes Familienfest mit vielen ehemaligen Niederwürzbachern

Kostenpflichtiger Inhalt: Handball : Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Das Handball-Allstar-Spiel am Sonntag im Sportzentrum Erbach ist ausverkauft. Viele frühere TVN-Helden kommen wieder „heim“.

Zehn Jahre spielte der TV Niederwürzbach in der Bundesliga, setzte das Saarland auch auf die europäische Handball-Landkarte. Weltstars wie der Schwede Staffan Olsson, der Russe Andrej Lav­rov oder Franzose François Houlet spielten neben dem Saarländer Jürgen Hartz oder dem deutschen Nationalspieler Markus Baur. 1999 war Schluss. Der vom legendären und mittlerweile verstorbenen Manager Rudi Hartz geprägte Verein zog sich aus finanziellen Gründen aus der Liga zurück.

„Es war das Ende einer Ära. Da gab es kein Halten mehr“, erinnert sich der frühere Weltklasse-Kreisläufer Christian Schwarzer an diesen tränenreichen Abschied am vielleicht schlimmsten Tag seiner Karriere: „Es war sehr, sehr, sehr traurig. Aber es war für mich auch der Beginn einer neuen Chance. Mit dem Wechsel nach Barcelona und dem Gewinn der Champions League.“

Der TV Niederwürzbach war der Startpunkt einer großen Karriere für den Weltmeister von 2007, Markus Baur (Mitte). Foto: Hartung

An diesem Sonntag um 16.30 Uhr kehren Schwarzer, Lavrov und viele andere Helden von damals an die alte Wirkungsstätte ins Sportzentrum Homburg-Erbach zurück. Beim Allstar-Spiel treffen die saarländischen Legenden auf Teile der deutschen Nationalmannschaft, die 2007 das Wintermärchen geschrieben hat. Spieler wie Henning Fritz, Daniel Stephan, Dominik Klein oder Andrej Klimovets haben ihre Teilnahme zugesagt.

Die Saarland-Auswahl wird eine bunte Mischung aus ehemaligen Bundesligaspielern des TVN wie Hartz, Lavrov, Schwarzer, Baur, Christian Piller oder Michael Rock­sien mit aktuell Aktiven wie den Bundesliga-Spielern Jerome Müller (Eulen Ludwigshafen) und Yves Kunkel (MT Melsungen) sowie prominenten Unterstützern wie dem früheren Fußball-Nationalspieler Philipp Wollscheid oder U21-Natio­naltrainer Stefan Kuntz sein. Ein größeres Handball-Fest geht nicht.

Ein Weltmeister im Tor: Der Russe Andrej Lavrov war der große Rückhalt im einstigen Niederwürzbacher Bundesliga-Team. Foto: Becker && Bredel

„Wir hoffen, dass Stefan Kuntz es schafft. Philipp spielt sicher mit. Er hat richtig Talent. Er hat bei uns im Training hospitiert und dann auch mitgespielt“, sagt Schwarzer, der den saarländischen Handball-Nachwuchs betreut. „Und der Kontakt zu den anderen ist nie abgerissen. Jürgen Hartz gehört zu unserem Trainerteam beim Handballverband Saar und wohnt ja auch wie ich in Niederwürzbach. Staffan habe ich im April in Stockholm besucht, mit Andrej telefoniere ich alle paar Wochen. Facebook hilft da viel“, erzählt Schwarzer über die Zusammenstellung der Mannschaft.

Die sportliche Reise in die Handball-Nostalgie soll aber nicht nur ein Riesenspaß für Spieler und Zuschauer werden. Mindestens 15 000 Euro sollen an verschiedene soziale Projekte gehen. „Es soll aber auch ein richtiges Handballspiel werden“, sagt der mittlerweile 50 Jahre alte „Blacky“, der noch immer zwischen drei und fünf Trainingseinheiten in der Woche absolviert: „Man will ja auch nicht wie so ein Sack übers Feld laufen. Wir haben da schon noch einen gewissen Anspruch an uns selbst, auch wenn der Kopf es manchmal besser weiß, als es der Körper mittlerweile umsetzen kann.“

Das Haar trägt er immer noch offen, und Publikumsliebling dürfte der schwedische Superstar Staffan Olsson in Erbach ebenfalls noch sein. Foto: Hartung

Den Anwurf soll Joachim Deckarm, der vielleicht beste saarländische Handballer aller Zeiten, machen. „Er war der erste, der zugesagt hat“, sagt Schwarzer. Die Idee zum Allstar-Spiel hatte der ehemalige Pressesprecher der SV Elverberg, Boris Röder, an der Umsetzung ist die Firma von Michael Haubrich beteiligt, einem aktuellen Aufsichtsratsmitglied des 1. FC Saarbrücken. Auch das ist Sport im Saarland. „Es hat schon gepasst. 1999 war das letzte Spiel des TVN, 2009 hatte ich mein Abschiedsspiel, jetzt ist 2019“, erklärt Schwarzer, der zwar in Braunschweig geboren wurde, längst aber im Saarland zuhause ist.

Nach Angaben des Veranstalters ist das Spiel längst ausverkauft. „Die Leute kamen und fragten nach ihren Stammplätzen aus der TVN-Zeit“, sagt Schwarzer: „Wir hätten auch 1500 Karten mehr verkaufen können, aber uns war auch wichtig, in diese Halle zu gehen, die Handball-Geschichte gesehen hat.“

Um 11.30 Uhr spielt die Saarlandauswahl der Mädchen Jahrgang 2005 gegen die Auswahl aus Rheinlandpfalz, um 13.30 Uhr sind dann die Jungs Jahrgang 2004 an der Reihe. „Auch das war mir an diesem Tag für den Handball wichtig“, sagt Schwarzer, der auch schon Nachwuchs-Bundestrainer war. Die Talente von morgen sollen miteingebaut werden. Das große Spiel der Allstars soll um 16.30 Uhr angepfiffen werden. Wer keine Karte bekommen hat, kann bei sportdeutschland.tv und beim SR am Bildschirm dabei sein – auch wenn keine Tränen fließen werden wie vor 20 Jahren.