Ein fußballerisches Weltwunder

Bielefeld/Darmstadt · Darmstadt 98 schreibt ein Fußball-Märchen. 2013 waren die Hessen sportlicher Absteiger in der 3. Liga und blieben nur durch den Lizenzentzug für Kickers Offenbach in der Klasse. Am Montag kehrten die Lilien in die 2. Liga zurück.

Auf einer feucht-fröhlichen Busfahrt schunkelten sich die Aufstiegs-Helden des SV Darmstadt 98 bis in die frühen Morgenstunden für ihren Party-Marathon ein. "Wir machen jetzt drei Tage durch und feiern", verkündete Torjäger Dominik Stroh-Engel nach dem Wahnsinns-Finale einer unglaublichen Saison des künftigen Fußball-Zweitligisten.

Hunderte Fans empfingen ihre Lieblinge im Morgengrauen mit Feuerwerk in der Heimat. Dort hatten in der Nacht etwa 10 000 Anhänger die Rückkehr in die 2. Liga nach 21 Jahren gefeiert. Schon auf der Alm waren am Montagabend nach dem irren 4:2 bei Arminia Bielefeld alle Dämme gebrochen. Als Elton da Costa mit seinem Tor in der Nachspielzeit der Verlängerung den Aufstieg perfekt gemacht hatte, gab es für Trainer Dirk Schuster und die komplette Ersatzbank kein Halten mehr. "Da ist der Gaul mit uns durchgegangen. Das war ein Platzsturm", meinte Schuster.

"Jetzt ist das fußballerische Weltwunder definitiv eingetreten", frohlockte der von Bierduschen durchnässte Clubpräsident Rüdiger Fritsch. Die Bielefelder Profis, Verantwortlichen und Fans unter den 26 000 Zuschauern in der Schüco-Arena waren geschockt, die Lilien obenauf: 2013 war Darmstadt als sportlicher Absteiger nur in der 3. Liga geblieben, weil Kickers Offenbach keine Lizenz erhielt.

Es folgte eine Traumsaison mit Rang drei - und das Fußball-Märchen in der Zweitliga-Relegation. Drittliga-Torschützenkönig Stroh-Engel (23. Minute), Hanno Behrens (51.) und Jerome Gondorf (79.) nach dem Bielefelder 1:2 durch Felix Burmeister (53.) hatten Darmstadt nach dem 1:3 im Hinspiel in die Verlängerung gebracht. Dort schien der Aufstiegs-Traum durch das 2:3 von Kacper Przybylko (112.) geplatzt, ehe der zehn Minuten zuvor eingewechselte da Costa den Schlusspunkt setzte.

Ab heute steht für das Management wieder der Alltag an. Denn die Darmstädter müssen die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga für die 2. Liga erfüllen. Größtes Problem ist das Stadion am Böllenfalltor, das nicht zeitgemäß ist. Unter anderem geht es laut Fritsch um die Installation einer Rasenheizung. An den Kosten soll es nicht scheitern, schließlich kommen durch den Aufstieg etwa fünf Millionen Euro Mehreinnahmen dazu. Die Lizenz sieht Wirtschaftsjurist Fritsch nicht in Gefahr: "Wir haben sicherheitshalber ein Ausweichstadion mit dem des FSV Frankfurt benannt."

Solche Sorgen hätten die Arminen gerne. Der Sturz in die Drittklassigkeit nur ein Jahr nach der Rückkehr in die 2. Liga hat schwerwiegende Folgen. Dem mit etwa 25 Millionen Euro verschuldeten Club stehen jetzt nur noch 750 000 Euro statt vier Millionen Euro TV-Gelder zu. Auch die Marketing-Erlöse sinken erheblich. Der Profi-Etat von sechs Millionen soll auf weniger als die Hälfte schrumpfen, womit der derzeitige Lizenzkader kaum finanziert werden kann. Aber zunächst einmal muss der Club um die Drittliga-Lizenz kämpfen. "Wir wissen, wie schwer es wird, für Arminia Bielefeld die 3. Liga zu organisieren. Wir werden aber alles dafür tun", sagte Geschäftsführer Marcus Uhlig.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort