Ein Flummi mit hohen Zielen

Saarlouis. Ein Kaugummi rotiert in ihrem Mundwinkel, als sich Tyresa Smith lässig joggend auf Mariusz Dziurdzia zubewegt. Um sie herum rufen über tausend Kehlen ihren Namen, aber Smith lässt das kalt. Es folgt, wie vor jedem Spiel, ein Abklatschen mit Co-Trainer Dziurdzia, zu dessen Ende sie durch ihr Markenzeichen streift - ihre Frisur

 Die US-Amerikanerin Tyresa Smith hat sich zu einer absoluten Leistungsträgerin der Saarlouis Royals entwickelt. Foto: Ruppenthal

Die US-Amerikanerin Tyresa Smith hat sich zu einer absoluten Leistungsträgerin der Saarlouis Royals entwickelt. Foto: Ruppenthal

Saarlouis. Ein Kaugummi rotiert in ihrem Mundwinkel, als sich Tyresa Smith lässig joggend auf Mariusz Dziurdzia zubewegt. Um sie herum rufen über tausend Kehlen ihren Namen, aber Smith lässt das kalt. Es folgt, wie vor jedem Spiel, ein Abklatschen mit Co-Trainer Dziurdzia, zu dessen Ende sie durch ihr Markenzeichen streift - ihre Frisur. Die Seiten kurz rasiert, oben lang, nach hinten gegelt und gefönt. Aerodynamisch - so wie die Spielweise der Flügelspielerin.

"Unfaire" SprungkraftMit ihrer Mannschaft, den Basketball-Frauen der Saarlouis Royals, startet Smith heute Abend in die Finalserie um die deutsche Meisterschaft. Das erste von maximal fünf Spielen gegen den TSV Wasserburg findet um 20 Uhr in der Saarlouiser Stadtgartenhalle statt. Die US-Amerikanerin ist über die gesamte Saison hinweg eine wichtige Stütze im Team der Royals und hat mehr als einmal bewiesen, dass sie eine Partie allein entscheiden kann.

Ob wegen oder trotz ihrer Frisur - insbesondere die Sprungkraft der 1,78 Meter langen Smith ist bemerkenswert. Selbst unter dem Korb der im Vergleich riesigen Russinnen von Nadezhda Orenburg sah man im Halbfinale des Eurocups immer mal wieder das gelb-schwarze Trikot mit der Nummer 23 beim Ballgewinn in luftigen Höhen. Wie ein Flummi. Ihr Trainer René Spandauw entwickelt Neidgefühle: "Das ist unfair, ich musste früher hart trainieren, um über die Samstagsausgabe der Zeitung springen zu können. Ty springt aus dem Stand einen halben Meter hoch, ganz ohne Training." Die in Dover im US-Bundesstaat Delaware aufgewachsene Smith mutmaßt: "Ich weiß auch nicht, warum ich so gut springen kann. Ich glaube, das Adrenalin in den Spielen hilft ein wenig mit." In ihrer Freizeit geht Ty, wie sie genannt wird, eher bodenständigen Hobbys nach. "Ich schreibe seit jeher gerne Gedichte. Das ist eine Seite von mir, die nicht jeder kennt. Außerdem höre ich sehr gerne Musik", erzählt sie.

Arbeit mit ProblemkindernVor kurzem erhielt Smith ihre erste individuelle Auszeichnung in Deutschland. Nach dem Pokalsieg mit den Royals wurde sie zur werstvollsten Spielerin des Turniers (MVP) gewählt. In ihrer Heimat wurde sie sogar in die höchste Spielklasse WNBA berufen und stand nach dem Draft 2007 für ein Jahr im Aufgebot des Proficlubs Phoenix Mercury. Dennoch bleibt Smith bescheiden und will in Saarlouis vor allem eines: "Mich weiterentwickeln. Das ultimative Ziel ist der Gewinn der Meisterschaft. Dafür hat das Team hart gearbeitet."

Auch neben den sportlichen Leistungen scheut Smith harte Arbeit offensichtlich nicht. Nach ihrer Basketball-Karriere will die 25-Jährige mit Problem-Teenagern arbeiten: "Ich habe das Gefühl, dass viele Jugendliche heutzutage keine Ziele haben. Ich hoffe, ihnen erklären zu können, wie wichtig diese sind." Ein wichtiges Ziel, fernab von Sport und Erziehung, hat sich Delawares Basketballspielerin des Jahres 2003 selbst gesteckt: "Nie wieder kurze Haare." Stattdessen soll heute der TSV Wasserburg so richtig rasiert werden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort