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Betriebssport: Ein „Ehrenamtler par excellence“

Betriebssport : Ein „Ehrenamtler par excellence“

Paul Georg kümmert sich seit Jahrzehnten um „sein Kind“ Betriebssport. Der Präsident des saarländischen Landesverbandes und glühende Anhänger von Borussia Neunkirchen war natürlich auch bei der deutschen Betriebsmeisterschaft im Hallenfußball in Wellesweiler wieder hautnah dabei.

Auf die Frage, ob er die Partien der Deutschen Betriebssportmeisterschaft im Hallenfußball auch live in Wellesweiler mitverfolgt hat, kann sich Paul Georg ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der Präsident des Saarländischen Betriebssportverbands e.V. (SBSV) war bislang bei allen 21 Auflagen der Veranstaltung deutschlandweit vor Ort. Heute als begeisterter Zuschauer – früher stand er aber auch selbst auf dem Feld. Und das höchst erfolgreich. 2001 wurde er in Stuttgart mit dem Sport- und Kulturverein (SVK) Versicherungen Georg ungeschlagen deutscher Meister. Ohne dass seine Mannschaft ein Gegentor kassierte. „Das gab es in der Geschichte der Veranstaltung bis heute nie wieder“, weiß Georg. Der Triumph sei vor allem das Verdienst von Torhüter Ralf Weis gewesen, der seinen Kasten unnachahmlich sauber gehalten habe, erinnert sich der 71-Jährige, der in Stuttgart auch mit Michael Kuntz, dem jüngeren Bruder von Europameister Stefan unter dem Hallendach erfolgreich war.

Bei den Deutschen Betriebssportmeisterschaften (DBM) Ende Januar in Wellesweiler verfolgte Georg nun, wie sich das Team der KSM Casting Group Fritz Völkel aus Wuppertal zum dritten Mal in Folge den Titel schnappte. Insgesamt gewannen die Nordrhein-Westfalen bereits zum sechsten Mal. Das diesjährige Finale war allerdings eine ganz enge Angelegenheit. Die Kicker von der Dillinger Hütte lagen im Endspiel bereits mit 4:2 in Führung, ehe Völkel kurz vor Schluss noch der Ausgleich gelang. Im Siebenmeterschießen behielt der Abo-Meister dann die besseren Nerven. Georg sah einen „verdienten Sieger“, war allerdings auch stolz darauf, dass die Titelkämpfe seit Jahren eine ganz enge Angelegenheit zwischen den Teams aus dem Saarland und Nordrhein-Westfalen sind. 2018 und 2019 hatte sich Völkel im Finale gegen die Fordwerke Saarlouis durchgesetzt, die diesmal Rang drei belegten. 2016 hatte in Kassel bereits das Team von ZF Saarbrücken gewonnen, 2017 ging in Bad Bramstedt der Titel ans Autohaus Bunk nach Völklingen.

Das Niveau der Partien in Wellesweiler war durch die Bank weg hoch. So hoch, dass die Mannschaften auch einen Vergleich mit den Finalisten des saarländischen Hallenmasters nicht scheuen müssen, schwärmt Georg: „Die Teams, die hier im Halbfinale standen, könnten beim Masters mithalten“, sagt er. Eine Übertreibung scheint das nicht. Für die Dillinger ging beispielsweise Jan Issa auf Torejagd. Der Spieler des Fußball-Saarlandligisten Sportfreunde Köllerbach hat sein Team beim Masters in Saarbrücken jüngst mit dem entscheidenden Treffer zum 4:2 gegen Oberligist FC Hertha Wiesbach zum Titel geschossen.Eine „rundum gelungene Veranstaltung“ seien die Betriebsmeisterschaften gewesen, sagt Georg. Eine Selbstverständlichkeit sei das nicht. Denn davon, dass der Saarländische Betriebssportverband den Titelkampf in diesem Jahr ausrichtet, wusste er bis Ende letzten Jahres selbst nicht. Die Vizepräsidentin des Dachverbandes (DBSV) hatte nach der Auflage im Vorjahr öffentlich verkündet, dass 2020 in Hagen/Nordrhein-Westfalen gespielt wird. Doch im November erreichte Georg eine Mail, dass keine Firma gefunden wurde, die sich bereit erklärt, die Veranstaltung durchzuführen. Diese Meisterschaft stand auf der Kippe – doch die Saarländer sprangen in die Bresche. „Über Nacht“ seien die Teams kontaktiert und Vorbereitungen getroffen worden. Und weil rund zwei Monate vor dem angesetzten Termin längst alle Hallen in der Region ausgebucht waren, integrierte der SBSV die deutschen Titelkämpfe einfach in die 35. Saarländische Betriebssportmeisterschaft, die am selben Tag in Wellesweiler ausgetragen wurde.

Georg ist der Ärger über diesen Vorgang deutlich anzumerken. Mit Kritik am Dachverband spart er deshalb nicht. „Das war schläfrig und eines deutschen Betriebssportbundes nicht würdig.“ Denn für das Bestehen der Veranstaltung sei Kontinuität ungemein wichtig. Aufgrund der kurzfristigen Planung seien schon in diesem Jahr nur Teams aus den Landesverbänden Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland an den Start gegangen. Vermisst wurden unter anderem das Städtische Klinikum aus Hessen und das Wasser- und Schifffahrtsamt aus Schleswig Holstein. Das Klinikum ist eigentlich Dauergast bei den Meisterschaften. „Viele Mannschaften hatten sich Alternativen gesucht und bereits bei anderen Turnieren gemeldet“, bedauert Georg.

Große Anerkennung zollt er indes dem SSV Wellesweiler, der die beiden Meisterschaften im Jahr seines 100-jährigen Jubiläums durchgeführt hat. „Die haben das Spitze gemacht“, sagt Georg. Die Helfer beim SSV seien wie der Ausrichter des Vorjahres, der TuS Wiebelskirchen, „Sportfreunde mit denen man ‚schaffe‘ kann.“ Das ehrenamtliche Engagement der Vereine könne man vor diesem Hintergrund „gar nicht hoch genug bewerten. Und die Ehrenamtler stellten sich bei ihren Bemühungen nicht schlechter an als vermeintliche Profis, bekräftigt Georg. „Letztes Jahr bei der DM in Wiebelskirchen wurde sogar ein Rollrasen verlegt. Der hat sich aber nicht abgelöst“, erzählt er mit einem Augenzwinkern im Hinblick auf die Probleme beim Mastersturnier in Saarbrücken.

Wenn Georg von ehrenamtlichen Engagement redet, weiß er, wovon er spricht. Als „Ehrenamtler par excellence mit vielen Verdiensten für den Sport in Neunkirchen und weit darüber hinaus“, bezeichnete ihn einst Hans-Artur Gräser, Vorsitzender des Neunkircher Sportverbandes. Insbesondere die regionalen wie nationalen Betriebssportmeisterschaften seien „sein Kind“, wie Georg, der dienstälteste aller Landesvorsitzenden (ununterbrochen seit 1987), bekräftigt. Schon seit Gründung 1987 setzte er sich dafür ein, dass der Saarländische Betriebssportverband offiziell anerkannt wird. Im selben Jahr wurde dann auch ein Vertrag mit dem Saarländischen Fußballverband geschlossen. Der Weg zu einer deutschen Meisterschaft war allerdings noch weit. Betriebssport wurde damals ausschließlich als Breitensport betrachtet, Wettkämpfe waren verpönt, wie Georg berichtet. Erst im Jahr 2000 fand der DM-Premierenwettkampf der Hallenfußballer in Wiebelskirchen statt.

Aber was ist eigentlich die Triebfeder für Georgs Tun? Schon als Bub sei er als Jugendspieler ein glühender Anhänger von Borussia Neunkirchen gewesen, erzählt der SBSV-Präsident, der 1948 in der Friedrich-Ebert-Straße zur Welt gekommen ist. Seit 60 Jahren ist er Vereinsmitglied bei den Hüttenstädtern. Als Spieler hat er es zwar nicht in die erste Mannschaft geschafft, trat aber in der damals drittklassigen Amateurliga gegen den Ball. Außerdem trainierte er als Jugendcoach bei der Borussia viele der Spieler, mit denen er dann mit der Betriebssportmannschaft der SKV Versicherungen Georg Neunkirchen e.V. zusammen auf dem Feld stand. Arne Morsch, Werner Bartsch, Dirk Müller, Ralf Weis, Peter Simon und Michael Kuntz zum Beispiel.

Passend zu seiner Leidenschaft wurde sein 60. Geburtstag vor elf Jahren mit einem großen Hallenturnier gefeiert. Eine bierernste Veranstaltung war das freilich nicht. Verwarnungen gab es nicht. Mit einer Ausnahme: Georg durfte eine „blaue Karte“ zücken – wenn einer seiner Gegenspieler zu viele Tore erzielte.

Die Mannschaft der Dillinger Hütte wurde saarländischer Betriebssportmeister im Hallenfußball – und musste sich bei der DM nur hauchdünn im Siebenmeterschießen geschlagen geben. Foto: Betriebssportverband Saar

Ein Ende seiner Passion für den Betriebssport ist für Georg nicht abzusehen. Für den Januar kommenden Jahres hat er bereits die Wiebelskircher Halle für die 36. Saarländische Fußball-Hallenmeisterschaft angemietet. Und wenn die Deutsche Meisterschaft, die 2021 in Minden stattfinden soll, erneut ins Wasser zu fallen droht? „Dann werden wir für den Fall der Fälle wieder gerüstet sein!“