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Ein Dorf lebt Handball

Ein Dorf lebt Handball

Saarbrücken. Nicht, dass Handball unbedingt eine originär großstädtische Sportart wäre. Gummersbach, Melsungen, Großwallstadt und wie sie alle heißen, hätten ohne ihre Handballer wohl kaum den Weg auf die Landkarte gefunden. Zumindest hätte wohl kaum jemand je von ihnen gehört

Saarbrücken. Nicht, dass Handball unbedingt eine originär großstädtische Sportart wäre. Gummersbach, Melsungen, Großwallstadt und wie sie alle heißen, hätten ohne ihre Handballer wohl kaum den Weg auf die Landkarte gefunden. Zumindest hätte wohl kaum jemand je von ihnen gehört. Und trotzdem ist in Hüttenberg - das 4000-Seelen-Dorf Großwallstadt einmal ausgenommen - alles noch ein bisschen kleiner. Irgendwo im Mittelhessischen, zwischen Gießen und Wetzlar im Lahn-Dill-Kreis gelegen, also alles andere als ein Ballungszentrum, dümpelt das Ortsleben so vor sich hin. Selbst das bekannteste Exportgut passt in das Bild des Kleinen, Bodenständigen und Landwirtschaftlichen: Handkäse. Doch das gilt für die Werktage. Am Wochenende findet ein Wandel statt: Dann ist Handball.

Seit den 70ern spielt der 10 000-Einwohner-Ort mit einer kleinen Unterbrechung mindestens in Liga zwei. Und führt jetzt ungeschlagen die Tabelle an. Doch wie kommt es, dass sich ein Ort ohne nennenswerte Wirtschaft und trotz deutlich namhafterer Handball-Konkurrenz in der Region, anschickt, den Sprung in Liga eins zu schaffen? Hört man sich um, fällt immer wieder das Wort "Identifikation". "Wir haben hier im Umfeld eine unglaubliche Identifikation mit dem Verein und setzen seit langem voll und ganz auf unsere Jugendarbeit", erklärt Geschäftsführer Lothar Weber. 13 der 18 Spieler im Kader kommen entweder aus der eigenen Jugend oder der Umgebung. Ein löblicher, aber auch der reinen Notwendigkeit geschuldeter Weg, sagt Weber: "Anders wäre das nicht durchzuziehen, schließlich ist unser Etat einer der kleinsten."

Der Vorteil ist, dass die junge Mannschaft seit langem zusammen spielt. Doch die Jugend kann auch zum Nachteil werden, sagt Trainer Jens Gorr, selbst erst 31 Jahre alt: "Klar ist auch, dass gerade in den engen Spielen Erfahrung kaum ersetzt werden kann." Die - und da ist das Wort wieder - Identifikation im Umfeld setze sich auch in der Mannschaft fort, so Gorr: "Wir treten als geschlossene Einheit auf, das ist unsere Stärke." Resultat dieser Geschlossenheit: die beste Abwehr der Liga.

Doch die hatte auch der Bergische HC, als er nach Saarlouis kam und mit 32:35 verlor. Gorr ist gewarnt: "Das wird eine sehr schwierige Partie mit 60 Minuten Kampf und einem sehr lauten Publikum." Doch abseits der Tiefstapeleien stellt er klar: "Wir wollen unsere Serie fortsetzen." In Saarlouis wird man da nicht unbedingt konform gehen, auch wenn Spielmacher Danijel Grgic wegen Knieproblemen auszufallen droht: "Ich muss sehen, wie es am Samstag selbst aussieht." Zumal Trainer Andre Gulbicki schon angekündigt hatte, ihn im Zweifelsfall zu schonen. Denn nach dem Spiel gegen Hüttenberg, beginnt das, was man martialisch als Wochen der Wahrheit beschreiben würde: Leichlingen, Eisenach, Neuhausen, Coburg, Obernburg und Essern. Das Who-Is-Who der Abstiegskandidaten steht auf dem Programm. Da wäre ein Sieg gegen Hüttenberg nur ein Bonus - wenn auch ein schöner.