Ein Dorf ist stolz auf seinen Star

Ein Dorf ist stolz auf seinen Star

Seit Dienstag ist Jonas Hector bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, morgen könnte er sein Debüt im DFB-Dress geben. Mit dem 24-Jährigen fiebert ganz Auersmacher mit, er ist dort das Hauptthema.

Es war ein Tag, wie es ihn in der 1237-jährigen Geschichte des 2600 Einwohner großen Dorfes Auersmacher an der Oberen Saar so noch nicht gegeben hat - Freitag, 7. November 2014. Ob im Einkaufsmarkt, beim Bäcker, beim Zahnarzt oder beim Friseur, es gab nur ein Thema. Bundestrainer Joachim Löw hat den 24-jährigen Auersmacher Jonas Hector in die Fußball-Nationalmannschaft berufen. Selbst beim abendlichen Martinsumzug in Auersmacher spielte der Mann mit dem Mantel hoch zu Ross nur eine untergeordnete Rolle.

Jonas Hector, der von der F-Jugend bis zum Aktivenbereich beim SV Auersmacher spielte und danach beim 1. FC Köln zu einem der besten Außenverteidiger der Bundesliga avancierte, "ist immer noch Thema Nummer eins. Seit dem Tag wird bei uns nur noch über Jonas geredet", sagt Friseur Frank Kurz. Auch Ortsvorsteher Thomas Unold ist aus dem Häuschen. Schließlich ist sein Ort deutschlandweit in aller Munde. "Wir sind alle sehr stolz auf Jonas, der jetzt natürlich der berühmteste Auersmacher aller Zeiten ist. Das Wichtigste ist aber, dass er sehr bodenständig geblieben ist", sagt Unold.

Auch bei Familie Hector wird es ein unvergesslicher Tag bleiben. "Als ich es von Jonas erfahren habe, musste ich mich zuerst einmal setzen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Am nächsten Morgen habe ich Lucas gefragt, ob es wirklich stimmt oder ob ich es nur geträumt habe", erinnert sich Vater Erhard.

Lucas ist der ältere Bruder von Jonas und hat es als einer der ersten am Telefon erfahren. "Lucas, Jogi hat angerufen", sagte Jonas zu seinem Bruder. "Wer? Jogi Rau? Will der Karten für ein Spiel des 1. FC Köln ?", fragte Lucas, der dann aber erfuhr, dass es sich um Löw und nicht den Auersmacher Saarlandliga-Spieler Jörg Rau handelte. "Man freut sich einfach nur und überlegt die ganze Zeit, ob es wirklich stimmt", erklärt Lucas, der am konditionellen Zustand seines Bruders großen Anteil hat.

Noch vor sechs Jahren trugen Lucas und Jonas in Auersmacher den Wochenspiegel aus - im Trainingsanzug und im höchstem Tempo flitzten die beiden jede Woche durch den Ort. Ein Bild, das sich bei den Auersmachern eingeprägt hat. "Es war jede Woche ein Wettrennen, wer zuerst fertig ist. Meistens hat Jonas gewonnen, aber er hatte auch weniger Zeitungen", sagt Lucas. "Moment", entgegnet Jonas. "Ich hatte die längere Strecke und mehr Berge drin", sagt er, bevor beide anfangen zu lachen.

Ebenfalls großen Anteil an der Karriere des 24-Jährigen hatte eine Frau. Silvia Dressel war die erste Trainerin von Jonas. "Er war schon als kleines Kind sehr ehrgeizig und wollte immer gewinnen", sagt Dressel, die Jonas am Anfang seiner Karriere sanft daraufhin wies, nicht so lasch in die Zweikämpfe zu gehen. Es hat funktioniert.

Am Dienstag flog Hector von Köln nach Berlin in den Kreis der Nationalmannschaft mit all seinen Weltmeistern. Und nach den ersten Tagen im Kreise der besten Fußballer Deutschlands ist Jonas begeistert: "Alle waren unglaublich nett und haben mich ganz toll aufgenommen."

Morgen (20.45 Uhr/RTL) steht in Nürnberg das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar an. An die Startelf "denke ich überhaupt nicht", sagt Hector, der für den Fall der Fälle gerüstet wäre: "Ja, die Nationalhymne kann ich." Auch beim Test gegen Spanien am Dienstag zählt er zum Kader. Und danach? "Ich werde in jedem Training alles geben. Und wenn ich zum Einsatz komme, hänge ich mich voll rein. Wenn ich schon zur Nationalmannschaft gerufen werde, soll das auch keine Eintagsfliege bleiben", sagt Hector. Während seine Familie am Freitag im Stadion in Nürnberg ist, könnten in Auersmacher Rekord-Einschaltquoten gemessen werden. Sogar Geburtstagsfeiern wurden verschoben, um das Spiel mit dem Auersmacher im DFB-Dress nicht zu verpassen.

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Auf einen BlickAlle Mann an Bord, kein Nachrücker nötig: Mit 21 Spielern hat die Nationalmannschaft gestern in Berlin trainiert. Zwei Tage vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Nürnberg standen damit erstmals alle Profis auf dem Platz. Auf Nachnominierungen hat Bundestrainer Joachim Löw trotz der Absagen von André Schürrle und Marco Reus verzichtet. Bei der ersten Einheit nach der Zusammenkunft hatten am Dienstag der Dortmunder Erik Durm sowie die Gladbacher Christoph Kramer und Max Kruse individuell im Hotel trainiert. sid

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