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Ein bisschen wie auf der Titanic

Ein bisschen wie auf der Titanic

Aachen. Das Bild vom Öltanker, der langsam in Fahrt kommt, aber dann nicht mehr aufzuhalten ist - am vergangenen Donnerstag bei einem Fantreffen hatte es der Präsident des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken, Paul Borgard, einmal mehr bemüht. Doch das blau-schwarze Schiff hat massive Probleme, in Gang zu kommen

Aachen. Das Bild vom Öltanker, der langsam in Fahrt kommt, aber dann nicht mehr aufzuhalten ist - am vergangenen Donnerstag bei einem Fantreffen hatte es der Präsident des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken, Paul Borgard, einmal mehr bemüht. Doch das blau-schwarze Schiff hat massive Probleme, in Gang zu kommen. Die Nachricht von der "Sanierung im Bestand" des Ludwigsparkstadions statt eines Neubaus hat den Verein am vergangenen Mittwoch hart getroffen. Und am Samstag siegte die von der Insolvenz bedrohte Alemannia Aachen den FCS zum Restrundenstart mit 2:0 (1:0).

Verdientes Ergebnis

"Wenn man es hier nicht schafft, gegen so eine Mannschaft ein Tor zu machen, dann hat man nicht mehr verdient", sagte FCS-Trainer Jürgen Luginger enttäuscht. Der 45-Jährige hatte in den letzten Tagen versucht, Fans und Spieler aus der Schockstarre zu reißen - vergebens. Schon nach 60 Sekunden warf Schiedsrichter Martin Petersen dem FCS den ersten Rettungsring zu. Ein hartes Einsteigen von Lukas Kohler gegen Sasa Strujic sah der Unparteiische als nicht elfmeterwürdig an. Profitieren konnte der FCS davon nicht.

8400 Zuschauer verfolgten ein Spiel, das sich den Bodenverhältnissen anpasste: katastrophal. Saarbrücken war um Spielkontrolle bemüht, Aachen hatte die besseren Möglichkeiten und ging auch in Führung. Nach einer schlecht gestellten Abseitsfalle der Saarbrücker hatte Manuel Stiefler die Gelegenheit, Schlimmeres zu verhindern und den Ball auf die Tribüne zu schlagen. Doch Aachens Oguzhan Kefkir war einen Tick schneller am Ball und schob nach einer halben Stunde zum 1:0 ein. Stiefler, bis dahin bemüht, ging danach unter. Mittelfeldkollege Marius Laux war ein Totalausfall, Spielmacher Sven Sökler ließ sein Können nur selten aufblitzen und unterstrich bei zwei Schussmöglichkeiten (11., 43. Minute) seine Abschlussschwäche. So fehlte Stürmer Marcel Ziemer die nötige Unterstützung - er hatte in 90 Minuten keinen einzigen Torabschluss.

Aachen war dem zweiten Treffer näher als der FCS dem Ausgleich, brauchte aber erneut die tatkräftige Mithilfe zum Erfolgserlebnis.

Tatkräftige Mithilfe

Der eingewechselte Kiyan Soltanpour verlor den Ball am eigenen Strafraum, Kapitän Marc Lerandy gab mehr Begleitschutz, als dass er den Gegner bekämpfte, und so hatte schließlich Sascha Marquet keine Mühe, den 2:0-Endstand herzustellen. Der beste Saarbrücker war noch Torwart Benedikt Fernandez, der mit guten Paraden eine höhere Niederlage verhinderte.

Die mitgereisten 400 FCS-Fans erinnerten irgendwie an die Kapelle auf der Titanic, die tapfer bis zum Untergang spielte. Da der Ludwigspark noch mit den Nachwirkungen von Eis und Schnee zu kämpfen hat, könnte die Nachholpartie gegen Arminia Bielefeld morgen Abend ausfallen. Trainer Luginger hätte dann bis Sonntag (gegen Borussia Dortmund II) Zeit, seiner Mannschaft zu erklären, dass man auf einem Tretboot in Seenot anfangen muss zu strampeln - bei derzeit nur noch vier Punkten Vorsprung zu einem Abstiegsplatz.

saarbruecker-zeitung.de/fcs