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Ein Ausraster und seine Folgen

Paris. Der verbale Ausraster von Superstar Zlatan Ibrahimovic am Sonntagabend hat in Frankreich zu heftigen Reaktionen der Politik geführt. Dass sich der Schwede noch am Abend entschuldigt hat, spielt schon keine Rolle mehr. sid

Zlatan Ibrahimovic hat mit seiner Wutrede und der heftigen Kritik an Frankreich einen Sturm der Entrüstung in der Grande Nation ausgelöst. Marine Le Pen , die Vorsitzende der rechtsgerichteten Front National , forderte den schwedischen Star von Paris St. Germain gar zum Verlassen des Landes auf: "Diejenigen, die Frankreich für ein Scheißland halten, können es verlassen", sagte sie einem Radiosender.

Dabei hatte "Ibrakadabra" noch am Sonntag einen Canossagang angetreten und sich für seine verbalen Entgleisungen nach der 2:3-Niederlage des französischen Meisters bei Girondins Bordeaux entschuldigt. Wohl auch auf Druck des französischen Sportministers. In der 87. Minute hatte Schiedsrichter Lionel Jaffredo einen Rückpass von Ludovic Sane zu seinem Torhüter Cédric Carrasso nicht sanktioniert. Daraufhin ätzte der 33 Jahre alte Ibrahimovic, der beide PSG-Tore erzielte, nach dem Schlusspfiff vor laufenden Kameras: "In 15 Jahren habe ich noch nie einen so schlechten Schiedsrichter erlebt wie in diesem Scheißland. Dieses Land verdient einen Verein wie Paris Saint Germain nicht." Sportminister Patrick Kanner kommentierte umgehend via Twitter : "Die Enttäuschung von Ibrahimovic rechtfertigt nicht die Beleidigung des Schiedsrichters und des Landes, das ihm Gastrecht gewährt. Er sollte sich entschuldigen."

Was dann auch prompt geschah. Ibrahimovic sagte: "Das ging nicht gegen Frankreich oder die Franzosen. Ich habe nur über ein Fußballspiel gesprochen. Ich akzeptiere die Niederlage, aber ich toleriere nicht, wenn der Schiedsrichter die Regeln missachtet - zumal das nicht das erste Mal war." Zur Verteidigung gab Ibrahimovic an, sehr erregt gewesen zu sein, "und jeder weiß, dass die Worte dann manchmal schneller sind als die Gedanken. Ich entschuldige mich bei allen, die sich beleidigt fühlen."

Jerome Guedj, ein führender Politiker der sozialistischen Partei, nannte die Ibrahimovic-Aussagen "inakzeptabel". "Er soll Fußball spielen und ansonsten die Klappe halten", sagte Guedj, "er sollte respektvoll sein gegenüber diesem Land und auch den Fans, die er auch beleidigt hat." Im Internet laufen inzwischen Abstimmungen, ob Ibrahimovic bestraft werden sollte.