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Ein Altmeister bereichert die Formel 1

Ein Altmeister bereichert die Formel 1

Mit einem fünften Fahrer wird die deutsche Formel-1-Fraktion am Sonntag in Spa an den Start gehen: Der 32-jährige Audi-Werkspilot André Lotterer ersetzt den japanischen Fahrer Kamui Kobayashi im Caterham-Boliden.

Die dreiwöchige Sommerpause in der Formel 1 endete mit einem Paukenschlag: Im reifen Alter von 32 Jahren gibt André Lotterer am Sonntag sein Debüt in der Königsklasse. Mit dem Duisburger starten auf der berühmt-berüchtigten Berg- und Talbahn fünf deutsche Grand-Prix-Piloten in den zwölften WM-Lauf. Unter seinen deutschen Kollegen Sebastian Vettel (27 Jahre/Red Bull ), Nico Rosberg (29/Mercedes), Niko Hülkenberg (31/Force India) und Adrian Sutil (31/Sauber) ist Lotterer der Oldie. Wer aber ist dieser Formel-1-Frischling?

Sein Name steht noch in keinem Programmheft, sein Konterfei in der offiziellen Hochglanzbroschüre des Automobil-Weltverbandes (Fia) sucht der Interessierte vergebens. Und bei der Fia-Pressekonferenz, zu der donnerstags vor einem Grand Prix jeweils sechs ausgewählte Fahrer zum Frage-Antwortspiel antreten müssen, war Lotterer auch nicht vertreten. Also machen wir uns selbst ein Bild von dem Neuling.

Der hatte gestern, 14.30 Uhr, zu seiner ersten Journalistenrunde gebeten. Im Caterham-Motorhome herrschte Belagerungszustand. Internationale Kamerateams, Fotografen und eine Berichterstattermeute warteten auf den "Gast". Und dieser ließ zunächst auf sich warten. Mit 20 Minuten Verspätung nahm er Platz. "Ich bin schon erstaunt über diesen Hype hier", sagte er und blickte etwas verwundert in die Runde. "Es war schon immer mein Traum, Formel 1 zu fahren, nun ist er später als geplant wahr geworden. Es wird sicher nicht einfach. Ich muss erst einmal alles lernen. Aber das trau ich mir zu, schließlich fahre ich schon seit meinem 16. Lebensjahr Formel-Autos. Nur allzu große Ziele kann man von mir nicht erwarten", beugt der "Quereinsteiger" vor. Das Wochenende will er aber "fehlerfrei überstehen". Und Lotterer legt nach: "Mein Start hier ist um so reizvoller für mich, da ich hier in der Nähe von Spa aufgewachsen bin." Seinen Lebensmittelpunkt sei schwierig zu beschreiben. "Ich pendle zwischen Japan, Monte Carlo und Belgien ", klärt Lotterer auf.

Warum gerade der GP-Einsatz auf dem Traditionskurs in den Ardennen? "Weil Regenrennen und Chaos hier dazugehören, da ist Kobayashi bei schwierigen Bedingungen einfach überfordert und oft zu ungestüm", begründet der deutsche Caterham-Rennleiter Colin Kolles den Wechsel. Für den ehemaligen Zahnarzt aus Ingolstadt sei der in Langstreckenrennen erfahrene Lotterer der ideale Mann. Dieser Mann gilt zudem als Spa-Spezialist, hat dieses Jahr beim Sechs- und 24-Stunden-Rennen viele Runden auf der "Achterbahn" absolviert.

Unter Insidern ist Oldie Lotterer kein unbeschriebenes Blatt. 2000 und 2001 absolvierte er mehrere Tests für Jaguar (heute Red Bull ) 2002 war er offizieller Testpilot. Extrem erfolgreich war er bei Langstreckenrennen,gewann 2011, 2012, 2014 die 24-Stunden von Le Mans. Vor zwei Jahren wurde Lotterer Langstrecken-Weltmeister.