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Formel 1: Ein Abschied ohne Wehmut

Formel 1 : Ein Abschied ohne Wehmut

Malaysia verschwindet aus dem Formel-1-Kalender. Die neuen Eigner ändern den Kurs.

Echte Wehmut will irgendwie nicht aufkommen vor dem Abschied der Formel 1 an diesem Sonntag aus Malaysia (9 Uhr unserer Zeit/RTL). „Ganz ehrlich“, sagt etwa Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen: „Ich weiß nicht, ob dieses Rennen uns Fahrern fehlen wird. Man sieht hier den Flughafen, das Hotel neben dem Flughafen und die Strecke. Was sollen wir da vermissen?“

Seit 1999 war der Sepang International Circuit Teil des Formel-1-Kalenders, in diesem Jahr reist die Königsklasse nun letztmals an den Kurs nahe Kuala Lumpur. Im Fahrerlager wird das emotionslos zur Kenntnis genommen. Und doch gewinnt dieser Abschied durch eine gewisse Symbolik an Tragweite. Denn Malaysia steht wie kaum ein Rennen exemplarisch für die viel kritisierte Entwicklung der „modernen“ Formel 1 unter Bernie Ecclestone – und kurz nach dem langjährigen Chef verschwindet nun auch Sepang aus dem PS-Zirkus. Die neuen Eigentümer aus den USA haben wenig Interesse an Standorten wie diesem und an dem Modell, welches dahintersteht.

Dieses hatte Ecclestone vor 18 Jahren in Malaysia aus der Taufe gehoben: Das Land in Südostasien war sein erster Exot im Rennkalender, außerhalb von Europa war zuvor nur an Traditions-Standorten wie etwa Brasilien, Japan und Australien gefahren worden. Doch nun hatte Ecclestone ein neues Geschäft entdeckt. Er brachte seine Formel 1 in der Folge immer häufiger in Länder, die mit Motorsport nicht viel zu tun hatten, für die weltweite Werbewirkung eines Grand Prix aber gerne hohe Summen zahlten. Auf Malaysia folgten Strecken in China, Bahrain, der Türkei, in Singapur, Abu Dhabi, Südkorea, Russland und Aserbaidschan.

Allesamt wurden die neuen Schauplätze vom deutschen Architekten Hermann Tilke entworfen, und bis auf die Stadtkurse haben sie alle bestimmte Eigenschaften gemeinsam: Die Strecken sind breit, die Auslaufzonen sind weitläufig und betoniert. Und für Rennsport-Puristen sind die Kurse seelenlos im Vergleich mit Traditionsstrecken wie Spa, Suzuka oder dem Nürburgring.

Malaysia war der Prototyp für all diese Entwicklungen. Aber auch aus Sicht der neuen Chefs war nicht alles schlecht, was folgte. Große Märkte wie Russland oder China wollen die Amerikaner weiterhin bedienen, erst am Freitag verlängerte Shanghai seinen Vertrag bis 2020. Und das Nachtrennen in Singapur ist zu einem Aushängeschild geworden.

Andere Standorte allerdings waren zum Scheitern verurteilt und sitzen nun auf den teuer erbauten Strecken. Die Türkei und Südkorea verschwanden schnell wieder. Der indische Grand Prix, anders als die übrigen nicht staatlich finanziert, war ebenfalls nur ein Intermezzo, nun ist auch für Malaysia Schluss. All diesen Rennen fehlten von Beginn an die Argumente. Sie boten kein Alleinstellungs-Merkmal, keine Geschichte, keine Atmosphäre. Deshalb blieben sie austauschbar, nicht nur Räikkönen sieht das so.

Auch Liberty Media hat das längst erkannt. Die neuen Eigner der Königsklasse wollen nicht mehr nach Antrittsgagen auswählen. So sei die Formel 1 „an Orten gelandet, an denen wir eine dicke Prämie erhalten. Aber der Marke und dem Geschäft hilft es überhaupt nicht weiter.“ Künftig soll die Formel 1 dahin kommen, wo sie wachsen kann. Vor allem Nordamerika ist der Markt der Zukunft, Stadtrennen sollen eine wichtige Rolle spielen, die europäischen Traditionsstrecken ebenfalls im Kalender bleiben. Für Ecclestones Exoten bleibt da wenig Platz.