1. Sport
  2. Saar-Sport

Eidgenossen in unbekannten Höhen

Eidgenossen in unbekannten Höhen

Die Schweiz ist das Team der Stunde bei der Eishockey-WM. Die Topnationen Schweden, Kanada und Tschechien wurden von den Eidgenossen schon besiegt, jetzt träumt mancher sogar schon von einer Medaille.

Die Eidgenossen sind im Höhenrausch, und den ersten wird bereits schwindlig. "Werden wir jetzt Weltmeister?", fragte das Boulevardblatt Blick nach dem historischen Dreifach-Coup der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Schweden und Finnland. Titelfavorit ist das Team des früheren Münchner Meistertrainers Sean Simpson auch nach dem 5:2-Sieg gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien noch nicht, doch von der ersten WM-Medaille seit 1953 darf es träumen.

"Eine Überraschung haben wir uns zugetraut, zwei vielleicht, aber drei sind einfach nur sensationell", befand sogar der sonst so nüchterne Simpson. Gegen jeweils zwei Große hatten die Schweizer schon bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin und bei der WM 2010 in Deutschland gewonnen. Dass sie nach Co-Gastgeber Schweden (3:2) und Olympiasieger Kanada (3:2 nach Penaltyschießen) nun aber auch noch die Tschechen schlugen, war ein WM-Novum.

"In unbekannten Höhen" sieht die Neue Zürcher Zeitung ihre "Nati", für den Blick "geht der Hockey-Wahnsinn weiter". Trainer und Spieler bemühen sich, nicht abzuheben. "Der Schlüssel ist, dass wir am Boden bleiben", sagte Andres Ambühl, der gegen die Tschechen das 1:0 erzielte. Und Simpson warnte gar: "All diese Siege gegen die Großen nützen nichts, wenn wir am Mittwoch das Spiel gegen Slowenien nicht ernst nehmen." In der Tat ist die Schweiz trotz ihres sensationellen Starts noch nicht für das Viertelfinale qualifiziert. "Wir haben erst drei Spiele, vier stehen noch aus", sagte Simpson.

Für den Kanadier sind die unerwarteten Erfolge eine nicht unwichtige Bestätigung. Der 53-Jährige, der vor drei Jahren die Nachfolge von Ralph Krueger antrat, war zuletzt verstärkt in die Kritik geraten - hatte er doch zwei Mal in Folge das WM-Viertelfinale verpasst. Und 2010 endete der Höhenflug abrupt in der Runde der letzten Acht gegen die deutsche Mannschaft.

Die blickt jetzt mit einem gewissen Neid auf den erfolgreichen Nachbarn. Während die Schweizer aus den drei Spielen mit den Großen acht Punkte holten, musste sich die deutsche Auswahl nach dem vergleichbaren Auftaktprogramm gegen Finnland, Russland und die Slowakei mit einem Zähler zufrieden geben. "Es gibt keinen großen Unterschied, was die Leistung angeht", sagte Bundestrainer Pat Cortina: "Aber schaut, welche Tore sie schießen und welche uns aberkannt werden." Damit spielte der Italo-Kanadier auf zwei Schweizer Treffer an, die mit dem Schlittschuh erzielt wurden. Den Deutschen war dagegen ein reguläres Tor gegen Russland wegen angeblichen Torraumabseits verweigert worden. Der Schweizern dürfte das allerdings egal sein.

Zum Thema:

HintergrundJustin Krueger hat eine Stunde nach der Landung in Helsinki sein erstes Training mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bestritten. Der Verteidiger wurde am Dienstag für die WM offiziell nachgemeldet und kann damit im wichtigen vierten Gruppenspiel gegen Österreich an diesem Mittwoch (15.15 Uhr/Sport1) spielen, kündigte Bundestrainer Pat Cortina an. Krueger erhält den letzten noch zu vergebenen Kaderplatz unter den Feldspielern. "Das wird ein heißes Derby gegen Österreich", sagte der 26-Jährige vor dem Spiel gegen die Alpenrepublik. Die Deutschen sind gewarnt: Österreich gewann am Dienstag sein erstes Spiel bei dieser WM mit 6:3 gegen Lettland. dpa