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„Durchbruch“ nach langem Streit

Berlin. Das Bundeskabinett hat das Anti-Doping-Gesetz auf den Weg gebracht. Justizminister Heiko Maas sagte: „Dopern droht nicht mehr nur eine Wettkampfsperre, sondern im schlimmsten Fall auch das Gefängnis.“ Dpa-Mitarbeiterandreas Schirmer

Dopende Spitzensportler müssen in Deutschland bald Haftstrafen fürchten. Das Bundeskabinett hat gestern den Entwurf des Anti-Doping-Gesetzes verabschiedet. Es will damit auch das Selbstdoping und den Besitz von leistungssteigernden Mitteln streng ahnden. "In Deutschland wurde seit Jahrzehnten über ein Anti-Doping-Gesetz gestritten. Ich bin froh, dass uns jetzt ein Durchbruch gelungen ist", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD ). Der Saarländer betonte: "Dopern droht in Zukunft nicht mehr nur eine Wettkampfsperre, sondern im schlimmsten Fall auch das Gefängnis."

Das Gesetz bündelt die bisherigen Rechtsvorschriften zur Dopingbekämpfung, die vor allem auf die Strafverfolgung von Hintermännern und kriminellen Netzwerken ausgerichtet waren. Mit dem Anti-Doping-Gesetz wird es den zu illegalen Mitteln greifenden Athleten selbst an den Kragen gehen. Selbstdoping und der Besitz von leistungssteigernden Substanzen sollen strafbar werden. Geldstrafen und Gefängnisstrafen von bis zu drei beziehungsweise zwei Jahren können verhängt werden.

Sie würden eine "abschreckende Wirkung haben", sagte Maas: "Sportlerinnen und Sportler haben alle ein Leben nach dem Sport. Dann müssen und wollen die meisten von ihnen einem ganz normalen Beruf nachgehen." Betroffen sind nur die rund 7000 Topathleten, die Mitglied in einem Testpool des nationalen Doping-Kontrollsystems sind oder durch den Sport "erhebliche Einnahmen" erzielen. Freizeitsportler sollen von den neuen Strafvorschriften ausgenommen werden.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat Bedenken gegen den Straftatbestand des Selbstdopings angemeldet. Der DOSB fürchtet vor allem eine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Sportgerichtsbarkeit. "Die Debatten werden im Bundestag weitergehen. Und dafür ist er ja auch da", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU ). Mit einer Verabschiedung durch das Parlament wird bis Jahresende gerechnet. Nach jahrelangen Diskussionen und Streit über ein solches Gesetz sei es an der Zeit, "dass es zu einer Entscheidung kommt", erklärte de Maizière.

Er hatte zuvor ein gemeinsames Gesetz gegen Doping und Spielmanipulationen abgelehnt. Dafür hatte sich der Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, ausgesprochen. Der Entwurf für ein Gesetz gegen Spielmanipulation soll erst 2016 präsentiert werden, da er aus Sicht des Bundesinnenministers rechtlich sehr viel schwerer auszuarbeiten ist. Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD ), hatte Grindel und der CDU indirekt vorgeworfen, das Anti-Doping-Gesetz stoppen zu wollen.

Nach Ansicht von Maas hilft das Gesetz Hamburg und damit Deutschland bei der Bewerbung um die Spiele 2024: "Mit unserem Anti-Doping-Gesetz unterstützen wir die Olympia-Bewerbung." Athleten, Zuschauer, Sponsoren und Verbände wollten alle saubere Spiele. "Die Konsequenz im Kampf gegen Doping sollte bei der Vergabe von Olympischen Spielen eine Rolle spielen", merkte Maas an.



Zum Thema:

HintergrundDie wesentlichen Inhalte des Anti-Doping-Gesetzentwurfs: Selbstdoping: Bisher konnten dopende Spitzenathleten gesetzlich nicht belangt werden. Das neue Gesetz verbietet Sportlern die Einnahme von Dopingmitteln, sofern die Anwendung in der Absicht erfolgt, sich damit einen Vorteil in einem sportlichen Wettbewerb zu verschaffen. Besitzstrafbarkeit: Eingeführt wird eine Strafbarkeit bei Erwerb und Besitz von Dopingmitteln auch bei geringen Mengen, sofern mit diesen Selbstdoping beabsichtigt ist.Strafen: Dopingsünder müssen zukünftig mit Gefängnis- oder Geldstrafen rechnen. Mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren wird bestraft, wer ein Dopingmittel bei sich anwendet oder anwenden lässt, es herstellt, mit ihm handelt oder es verschreibt. Bis zu zehn Jahre Haft drohen, wenn jemand die Gesundheit einer "großen Zahl von Menschen" gefährdet. Schiedsgerichtsbarkeit: Schiedsgerichtsvereinbarungen können zwischen Verbänden und Athleten getroffen werden. Diese Klarstellung dient dazu, die Zweifel an der Wirksamkeit von Schiedsgerichtsvereinbarungen auszuräumen. Das Dopingkontrollsystem und die Sanktionsmöglichkeiten der Verbände bleiben unangetastet. dpa