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Dunkle Wolken über Hochfilzen

Dunkle Wolken über Hochfilzen

Laura Dahlmeier hat bei der Biathlon-WM Silber im Sprint gewonnen. Die Titelkämpfe werden aber bestimmt von Doping-Diskussionen.

Bei der Medaillenübergabe applaudierte Martin Fourcade den umstrittenen russischen Biathleten artig, im Anti-Doping-Kampf bleibt der Franzose aber knallhart. "Nur weil man jemandem erlaubt, dass er wieder starten darf, darf man nicht vergessen, was er in der Vergangenheit getan hat", mahnte Fourcade: "Das werde ich nie vergessen, das dürfen wir alle nicht."

WM-Silber aus dem Mixed-Staffel-Rennen hing schon um seinen Hals, als er diese Worte über den verurteilten Doping-Sünder Alexander Loginow aus Russland sprach. Eine Sperre von zwei Jahren sei nicht wie eine Strafrunde, die man schnell wieder vergessen könne, sagte Fourcade. Nach der Medaillen-Zeremonie in Hochfilzen wurde der 28-Jährige von Kamerateams und Journalisten umlagert. Für das Rennen, das Deutschland gewann, interessierte sich niemand - auch die Silbermedaille von Laura Dahlmeier im Sprint am Freitag ging fast unter.

Fourcade hatte am Donnerstagnachmittag für einen Eklat gesorgt, als er die Siegerehrung vorzeitig verließ. Zuvor hatten ihm die Russen Anton Schipulin und Alexander Loginow, die auf Rang drei landeten, den obligatorischen Handschlag verwehrt. Das wollte der Führende im Gesamtweltcup nicht akzeptieren.

Die Russen warfen ihm zum WM-Auftakt unsportliches Verhalten vor und reagierten zudem wohl auch auf Äußerungen Fourcades, der die WM-Nominierung Loginows kritisiert hatte. Loginow war bis zum 26. November 2016 wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt. In den sozialen Netzwerken hatte Fourcade, zehnmaliger Weltmeister und Doppel-Olympiasieger, seinen Unmut darüber zum Ausdruck gebracht. Der russische Verband forderte dafür beim Weltverband eine Disziplinarstrafe. "Ich verdiene nicht mehr Respekt als alle anderen, aber ich verdiene den gleichen Respekt. Ich war sehr überrascht, dass Anton und Loginow mir nicht die Hand reichen wollten", sagte Fourcade, Favorit für den Sprint an diesem Samstag, der auf die Weigerung der Russen mit einem höhnischen Applaus reagierte.

Auch die Ereignisse am Freitag waren wenig Mut machend. Mit der vorläufigen Suspendierung von Jekaterina Glasyrina kurz vor dem Frauen-Sprint hat der Skandal um Doping in Russland den nächsten Tiefpunkt erreicht. Die 29-Jährige sei suspendiert worden, weil ein Doping-Fall "sehr wahrscheinlich ist", sagte Nicole Resch, Generalsekretärin des Biathlon-Weltverbandes. Zu den Einzelheiten wollte sie sich nicht äußern. "Es ist erschreckend, was momentan ans Licht kommt", sagte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner: "Wir kennen das aus dem Radsport, wo systematisch gedopt wurde - das hat den Sport kaputt gemacht."

Noch ist Biathlon nicht kaputt, auch wenn die sportlichen Schlagzeilen überlagert werden - etwa der Erfolg von Dahlmeier. Einen Tag Gold mit der nach der Mixed-Staffel stürmte die 23-Jährige im Sprint auf Platz zwei. Gold gewann die Tschechin Gabriela Koukalova, Bronze die Französin Anais Chevalier. "Ich freue mich riesig", sagte Dahlmeier, der vier Sekunden zu Gold fehlten. Für das Verfolgungsrennen an diesem Sonntag ist das eine gute Ausgangsposition. Die hat auch Vanessa Hinz auf Rang sechs.