Druck von allen Seiten

Wolfsburg · Bei dem ambitionierten Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg herrschen Ratlosigkeit und Sorgen: Der Hauptsponsor denkt an Kürzungen, die sportliche Situation ist prekär. Wo der Weg des VfL hinführt, ist völlig offen.

Der mächtige Hauptsponsor dürfte am Geldhahn drehen, die sportliche Situation ist so prekär wie nie. Der krisengeschüttelte VfL Wolfsburg steht von allen Seiten unter Druck. Längst ist für das Starensemble selbst das Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Tabellenvorletzten FC Ingolstadt kein Selbstläufer mehr. Das ist auch Trainer Valérien Ismaël klar. "Wir müssen mehr Zug zum Tor entwickeln als zuletzt und mehr das Eins-gegen-Eins suchen", sagte der Franzose vor dem Kellerduell in Bayern.

Immerhin hat sich in Wolfsburg die personelle Situation entspannt. Daniel Didavi hat seine Knieprobleme so weit überwunden, dass er ebenso eine Einsatzoption für Ismael ist wie Julian Draxler. Der Nationalspieler hatte zuletzt wegen eines Magen-Darm-Infektes pausieren müssen. Vor seinem Ligadebüt könnte auch Josuha Guilavogui (Halswirbelbruch) stehen.

Drei Punkte bei den Schanzern sind das Eine - die finanzielle Ausgangslage ist das Andere. Die Volkswagen AG bekämpft die Folgen des Abgasbetruges mit Entlassungen und Einsparungen und wird sein jährliches finanzielles Engagement in Höhe von geschätzten 100 Millionen Euro in dieser Form nicht mehr weiterführen. Offen scheint nur noch die Höhe der Kürzungen, über bis zu 50 Prozent wird spekuliert.

Sollte der Konzern seine Zuwendungen tatsächlich halbieren, wäre die angestrebte Rückkehr der Niedersachsen in die Champions League kurzfristig ziemlich utopisch. "Man wird sehen müssen, welche Ziele Volkswagen hat: Fußball am Standort oder Bundesliga-Spitze", sagte Sportchef Klaus Allofs .

Bei Werder Bremen leistete Allofs zu Beginn des Jahrtausends exzellente Aufbauarbeit. Als der grün-weiße Stern später zu sinken begann und die Champions-League-Einnahmen nicht mehr sprudelten, gelang es dem Ex-Nationalspieler nicht, die Talfahrt zu stoppen. Nun wird es beim VfL darauf ankommen, welche Linie sich bei VW durchsetzt. Zumindest an Tafelsilber zum Verscherbeln fehlt es nicht. Kasse machen könnte man mit dem ohnehin wechselwilligen Julian Draxler. Auch für Daniel Caligiuri, Luiz Gustavo und Ricardo Rodriguez gab und gibt es Interessenten.