Dreimal Silber bei Olympia: Trauer um Kanutin Therese Zenz aus Mettlach

Kanutin stirbt mit 87 : Das saarländische „Silbermädchen“ Therese Zenz ist tot

Kanutin aus Mettlach stirbt kurz nach ihrem 87. Geburtstag. Drei olympische Silbermedaillen machten sie zu einer der erfolgreichsten Sportlerinnen des Landes.

Ihre Erfolge sind in der Geschichte des saarländischen Sports unvergessen. Jetzt ist Therese Zenz an diesem Dienstag, genau eine Woche nach ihrem 87. Geburtstag, in Merzig gestorben, wo sie auch geboren wurde. Drei olympische Silbermedaillen und ein Weltmeister-Titel machten die Kanufahrerin aus Mettlach zu einer der erfolgreichsten saarländischen Sportlerinnen.

Dabei war Zenz, die ihre berufliche Laufbahn bei Villeroy & Boch in Mettlach verbrachte und auch in der Nähe wohnte, nur durch Zufall ins Kanu gekommen. „Ich war im Handballverein. Und unser Trainer war Kanute. Irgendwann hat er mal gesagt: Therese, du hast so viel Kraft. Fahr doch einfach mal mit“, erinnerte sich die Sportlerin 2016. Da besuchte die Saarbrücker Zeitung Zenz anlässlich einer Serie über saarländische Olympia-Teilnehmer.

Zenz stieg damals ohne Vorerfahrung ins Boot – und paddelte allen davon. Das Riesentalent gewann gleich eine Regatta in Saarbrücken. „Ich hatte mich selbst gewundert, dass die anderen nicht mehr hinterherkamen“, berichtete sie schmunzelnd. Nur wenige Monate später startete sie 1952 bei den Olympischen Sommerspielen in Helsinki (Finnland) für das damals neutrale Saarland und wurde Neunte. Als sie die Siegerin sah, dachte die 19-Jährige: „Da will ich auch mal hin.“

1954 fuhr Zenz bei der Weltmeisterschaft in Mâcon (Frankreich) im Einer-Kajak über 500 Meter zum Sieg und schrieb saarländische Sportgeschichte. Zum ersten und einzigen Mal wurde bei einer WM die Flagge des Saarlandes gehisst. Ihre Heimkehr geriet zum Triumphzug, Tausende Menschen feierten sie am Bahnhof in Saarbrücken und beim Autokorso nach Mettlach.

Auch im eiskalten Winter trainierte Zenz in jeder freien Minute hart und verbissen, dazu Gymnastik und Dauerläufe hinauf zur Burg Montclair. Ihr Antrieb: ein unbändiger Ehrgeiz. „Bei schlechtem Wetter, wenn meine Mutter gesagt hat, dass ich drinbleiben soll, bin ich extra raus. Wenn ich gemerkt habe, dass ich an einem Tag faul bin, habe ich besonders viel gemacht“, berichtete sie. Training, Wettkämpfe, Beruf, für einen Mann fehlte da die Zeit.

Der Lohn der Schinderei: Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne (Australien) gewann Zenz Silber. Zwei Jahre war sie über die 500 Meter ungeschlagen, diesmal unterlag sie erst nach Zielfoto hauchdünn der Russin Jelisaweta Dementjewa. Ausgerechnet im Zielsprint entglitt der favorisierten „Frau mit dem mörderischen Endspurt“, wie sie die Konkurrentinnen fürchteten, Gold. Auch 1960 bei Olympia in Rom wurde sie nach dem Zielfoto Zweite hinter der Russin Antonina Seredina. 0,14 Sekunden fehlten zu Gold, ein Wimpernschlag.

„Die Frau mit dem mörderischen Endspurt“: Therese Zenz 1955 mit ihrem Schweden-Kajak „Saône“. Foto: Hartung

Im Zweier mit Ingrid Hartmann gewann sie 80 Minuten später erneut Silber. Das bedeutete ihr „im Endeffekt genauso viel wie Gold – es war ja ganz knapp. Ich bin halt das Silbermädchen“, sagte Zenz.1964, vier Jahre nach dem Karriereende, holte der von ihr trainierte deutsche Zweier bei Olympia in Tokio Gold. Eine Medaille bekam Zenz nicht, es rundete aber ihre Karriere perfekt ab.

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