Drei sind einen Tick besser

Drei sind einen Tick besser

Mit dem ersten deutschen Sieg beim Neujahrsspringen seit 2002 wurde es wieder nichts. Trotz einer starken Leistung bleibt für Markus Eisenbichler nur der undankbare vierte Rang. Jubeln durften andere.

Markus Eisenbichler stand nach seinem tollen Auftritt lächelnd im Auslauf, obwohl ihm die Krönung beim Neujahrsspringen der Vierschanzentournee versagt geblieben war. Als Vierter flog der derzeit beste deutsche Skispringer am ersten Tag des WM-Jahres 2017 zwar zum zweitbesten Weltcup-Ergebnis seiner Karriere. Beim Sieg des Norwegers Daniel Andre Tande fehlten Eisenbichler in Garmisch-Partenkirchen aber 3,5 Punkte zum erhofften Platz auf dem Podium, den er schon beim Auftakt in Oberstdorf als Sechster knapp verpasst hatte. "Ich habe es leider nicht ganz geschafft", sagte Eisenbichler: "Ich bin aber echt zufrieden mit dem vierten Platz."

Nach Sprüngen auf 136,5 und 139,5 Meter musste Eisenbichler bei der Siegerehrung mit der Zuschauerrolle vorlieb nehmen. Tande setzte sich in einem hochklassigen Wettbewerb mit Weiten von 138 und 142 Metern vor Kamil Stoch aus Polen, der 135,5 und 143 Meter weit sprang, und Auftaktsieger Stefan Kraft aus Österreich durch. "Ich bin sehr glücklich mit Markus. Es war ein toller Tag für ihn. Die anderen waren einfach einen Tick besser", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

In der Gesamtwertung übernahm Stoch nach zwei von vier Wettbewerben mit 591,2 Punkten die Führung vor Kraft (590,4), der die Tournee bereits vor zwei Jahren gewinnen konnte. Dritter ist jetzt Tande (584,6). Eisenbichler folgt mit 572,0 Zählern auf dem vierten Rang. Am Mittwoch geht es mit dem dritten Springen in Innsbruck weiter. "Ich versuche, weiter mein Zeug zu machen, und werde nicht locker lassen", versprach Eisenbichler.

Vor 20 000 Fans an der ausverkauften großen Olympiaschanze unweit der Zugspitze und einem Millionen-Publikum vor den Fernsehgeräten zeigte Eisenbichler keine Nerven. Die Zusammenarbeit mit einem Psychologen vor zwei Jahren macht sich bezahlt. "Wenn ich merke, dass ich nervös werde, habe ich verschiedene Techniken, um mich zu beruhigen", hatte der Bundespolizist aus dem bayerischen Siegsdorf vor der Tournee verraten.

Nach seinem Sieg in der Qualifikation saß der 25-Jährige im ersten Durchgang erstmals als letzter Springer auf dem Balken. "Das war cool", berichtete er. Mit seinem Satz auf 136,5 Meter, der ihn auf Rang vier brachte, war er nicht einmal richtig zufrieden. "Ich habe ein bisschen gemurkst", sagte Eisenbichler. Auch der zweite Versuch war nicht optimal, obwohl es drei Meter weiter ging. "Es sind noch kleine Fehler drin", analysierte Schuster.

Bestes Weltcup-Ergebnis

Dennoch ist Eisenbichler endgültig aus dem Schatten von Severin Freund getreten, der mit Sprüngen auf 128,5 und 131,5 Meter als 21. erneut eine Enttäuschung verkraften musste. "Das Leben eines Skispringers ist manchmal bescheiden", sagte der Weltmeister: "Manchmal ist es einfach so, dass das einzige, was weiterhilft, die Geduld ist. Und die Sachen weiterzumachen und zu forschen, wann der richtige Schlüssel gefunden ist, dass es einen wirklich mal einen Schritt nach vorne wirft." Dieses Erlebnis hatte Stephan Leyhe am Neujahrstag. Sprünge auf 135,5 und 134 Meter katapultierten ihn auf Rang acht - das beste Weltcup-Ergebnis seiner Karriere.

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