1. Sport
  2. Saar-Sport

Drei Monate in Chile bringen den Durchbruch

Drei Monate in Chile bringen den Durchbruch

An diesem Samstag findet in der Sporthalle West in Dillingen ab 19 Uhr ein Ländervergleichs-Kampf im Karatesport statt. Die deutsche Nationalmannschaft um Aushängeschild Noah Bitsch trifft auf die Türkei.

Noah Bitsch ist in seiner Disziplin (Kumite, Klasse bis 75 Kilogramm) der beste Karateka Deutschlands und der sechstbeste der Welt. An diesem Samstag bestreitet er mit der deutschen Nationalmannschaft in der Dillinger Sporthalle West einen Länder-Vergleichskampf gegen die Türkei. Die Veranstaltung mit Rahmenprogramm (siehe Infobox) beginnt um 19 Uhr.

Ein selbst herbeigeführter Einschnitt in die sich gerade entfaltende Karriere machte Bitsch zu dem Spitzenkämpfer, der er heute ist: Nach dem Abitur 2008 hatte er sich zunächst - wie nicht wenige Abiturienten - für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden. Danach wusste er allerdings nicht, wohin mit sich. "Ich hatte in dieser Zeit wirklich den Spaß an meinem Sport verloren und ernsthaft überlegt, damit aufzuhören und ein Studium zu beginnen", erinnert sich der damalige U21-Vizeweltmeister: "Es kamen viele Faktoren zusammen, und ich habe mir gesagt: Du musst einen klaren Kopf bekommen. Ich wollte irgendwohin, wo ich sehen konnte, ob ich mit der Welt klarkomme."

Ohne auch nur ein spanisches Wort zu können, zog es ihn für drei Monate ins südamerikanische Chile: "Das war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe", sagt Bitsch rückblickend, "Mein Sport hat mir nach nur drei Monaten so gefehlt, dass mir die Entscheidung nach meiner Rückkehr sehr leicht fiel." Und die lautete: "Ja" zur Karriere auf der Matte. Untermauert wurde diese Entscheidung von der Vize-Europameisterschaft, die er sich anschließend quasi ohne Training sicherte. Seinen bisher größten Erfolg feierte er 2014 mit der Vizeweltmeisterschaft im Team mit der deutschen Nationalmannschaft.

Über seinen Vater Klaus Bitsch, der immer noch sein Trainer ist, war Noah Bitsch zum Karatesport gekommen. "Er hat mich einfach in die Trainingsgruppe gesteckt. Mit drei Jahren hatte ich noch nicht so viel zu melden", erinnert sich Noah lachend an den Karriere-Start bei seinem Verein Bushido Waltershausen (Landkreis Gotha in Thüringen): "Es hat mir dann so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin." Als er etwas später auf dem Sprung in die U12-Nationalmannschaft war, musste er sich zwischen Karate und seiner zweiten Leidenschaft, dem Fußball, entscheiden. Der Fall war klar, das Kicken in der Freizeit lässt er sich allerdings nicht nehmen. "Bolzen geht immer. Ich muss zwar wegen möglicher Verletzungen ein bisschen aufpassen, aber die Leidenschaft ist immer noch da", gibt der 26-Jährige zu.

Mindestens noch zwei Jahre will der Sportsoldat auf höchstem Niveau kämpfen. Da die Chancen gut stehen, dass Karate bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio (Japan) vertreten sein wird, könnte sich noch ein großes Karriereziel auftun: "Olympia wäre noch mal ein Traum, der in Erfüllung gehen könnte", sagt Bitsch.

Vorher steht unter anderem der Länderkampf am Samstag in Dillingen an, bei dem auch Schwester Jana zum deutschen Kader gehört. Die Vorfreude auf die Neuauflage des dramatischen WM-Halbfinalkampfs von 2014 ist jedenfalls groß. "Die Saarländer sind ein nettes Völkchen. Ich freue mich auf viele bekannte Gesichter. Es wird sicher ein schöner Tag", sagt Bitsch.

Zum Thema:

Auf einen BlickBevor es am Samstag in der Dillinger Sporthalle West auf der Matte zur Sache geht, eröffnet eine prominent besetzte Gesprächsrunde zu den Themen "Flüchtlinge" und "Integration durch Sport" um 19 Uhr das Rahmenprogramm. Daran teilnehmen werden Peter Altmaier (Chef des Bundeskanzleramts), Klaus Meiser (Präsident des Landessportverbandes für das Saarland), Stefan Louis (Präsident des Saarländischen Karate-Verbands), Wolfgang Weigert (Präsident des Deutschen Karate-Verbands), Esat Delihasan (Präsident des Türkischen Karate-Verbands) sowie Landrat Patrik Lauer und Dillingens Bürgermeister Franz-Josef Berg . Nach der Vorstellung der Mannschaften folgen im Wechsel je zwei Durchgänge Kata (Übungsform, zunächst ohne Gegner) und Kumite (mit Gegner). Mit der Siegerehrung endet die Veranstaltung. zen