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Doping und Schummeleien sind im Behindertensport präsenter denn je

Doping und Schummeleien sind im Behindertensport präsenter denn je

Auch bei den Paralympics in Rio de Janeiro wird das Thema Doping eine große Rolle spielen. Zudem sorgen im Behindertensport das so genannte Techno-Doping und Schummeleien bei der Klassifizierung für Unmut.

Das Thema Doping ist im Behindertensport allgegenwärtig - und dies nicht erst seit Russlands Komplettausschluss von den Paralympics in Rio de Janeiro . Es ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem Verbände und Athleten seit Jahren zu kämpfen haben: Offenkundige Betrügereien bei der Klassifizierung spielen genauso eine große Rolle wie das sogenannte Techno-Doping.

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), hatte vor dem Abflug der deutschen Paralympics-Mannschaft nach Brasilien deshalb noch einmal eine klare Botschaft ausgesandt. "Doping ist Betrug. Betrug ist kriminell. Kriminalität wird bestraft. Da gibt es null Toleranz", sagte Beucher. Doch selbst Karl Quade, zum elften Mal Chef de Mission des deutschen Teams, mag "die Hand in Sachen Doping nicht ins Feuer legen". Bei den deutschen Sportlern habe er "ein gutes Gefühl und glaube, dass ihnen bewusst ist, was sie damit anrichten würden", sagte er. Angesichts des "rasanten Wachstums der Paralympics mit der größeren Chance auf Verdienst und Ruhm wächst aber auch die Verlockung".

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) setzte nun aber im Gegensatz zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erstmals ein deutliches Zeichen, indem die russischen Athleten wegen Staatsdopings komplett von den Rio-Spielen ausgeschlossen wurden. Für Beucher stellen die "aufgedeckten Dopingpraktiken eine neue Dimension im Behindertensport " dar. Die harte Linie des IPC sei deshalb der "völlig richtige Weg", von dem man sich "nachhaltige Auswirkungen" erhoffe.

"Heiß" sei aber auch das Thema Techno-Doping, vor allem bei beidseitig amputierten Sportlern, betonte Paralympics-Sieger Heinrich Popow. Zahlreiche Athleten machen sich demnach deutlich größer, als sie mit zwei gesunden Beinen eigentlich wären. "Manche Athleten stoßen beim Sitzen mit dem Knie an die Nase, weil der Unterschenkel so lang ist. Das sieht aus wie im Zirkus", erklärte Popow. Derzeit legalisiert das IPC falsche Prothesenlängen in Ansätzen aber sogar noch durch eine unglückliche Regelung. Eine Änderung ist erst im kommenden Jahr geplant.

Große Probleme gibt es aber auch bei der Einstufung der Behindertensportler in verschiedene Klassen. Zwar werden permanent Verbesserungsmöglichkeiten des Systems diskutiert, "aber dieses Thema bietet generell Gesprächsstoff", sagte Frank-Tomas Hartleb, DBS-Sportdirektor und Spezialist in Sachen Klassifizierung. Es gebe Einstufungen von Athleten, die seien "vorsichtig gesagt fragwürdig", sagte Hartleb. Zudem würden sich Sportler bei den Tests "behinderter machen, als sie wirklich sind - nur um einen Vorteil zu haben".