Doping: BKA liefert neue Indizien in der Affäre um Jan Ullrich

Berlin. Die Doping-Akte Jan Ullrich ist um brisante Details erweitert worden: Das Bundeskriminalamt (BKA) hat nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" ermittelt, dass sich der vor zwei Jahren zurückgetretene Tour-de-France-Sieger zwischen 2003 und 2006 insgesamt 24-mal in Madrid zu Behandlungen beim spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes aufgehalten haben soll

Berlin. Die Doping-Akte Jan Ullrich ist um brisante Details erweitert worden: Das Bundeskriminalamt (BKA) hat nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" ermittelt, dass sich der vor zwei Jahren zurückgetretene Tour-de-France-Sieger zwischen 2003 und 2006 insgesamt 24-mal in Madrid zu Behandlungen beim spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes aufgehalten haben soll. Dafür hätte der ehemalige Radprofi insgesamt 80 000 Euro investiert. Ullrich hat Doping bisher stets bestritten, aber seine Position wird wackliger. "Zusammenfassend kann festgehalten werden", heißt es in einer BKA-Akte, "dass der Beschuldigte Ullrich das Dopingsystem des spanischen Arztes Dr. Fuentes nutzte, um sich vertragswidrig mit leistungssteigernden Mitteln und Methoden auf seine Wettkämpfe vorzubereiten." Ähnlich hatte sich der zuständige Bonner Staatsanwalt Fred Apostel geäußert, als er im Vorjahr das Verfahren gegen Ullrich nach Zahlung von 250 000 Euro eingestellt hatte. Allein zwischen Februar 2005 und Mai 2006 soll Ullrich achtmal heimlich nach Madrid geflogen sein. Durch die Veröffentlichungen könnte auch wieder Bewegung in die seit Jahren anhaltenden Ermittlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) kommen. Die juristische Kommission des IOC unter dem Vorsitz von Thomas Bach prüft weiter, ob Ullrich seine Goldmedaille von Sydney zurückgeben muss. Laut "Spiegel" sollen die Flüge nach Madrid von Rudy Pevenage organisiert worden sein, Ullrichs früherem Betreuer beim Telekom- und Team T-Mobile. Pevenage sei in der Zeit zwischen Dezember 2003 und April 2006 insgesamt 15-mal zu Kurzaufenthalten nach Madrid geflogen, um sich nach Überzeugung der Fahnder dort mit dem spanischen Dopingnetzwerk zu treffen. Die Beweise sollen BKA-Experten der Einsatzgruppe Doping auf einem Computer gefunden haben, den sie bei einer Razzia in Pevenages Wohnung beschlagnahmt hatten. Auf der Festplatte hatten Techniker Daten rekonstruiert, die gelöscht worden waren. dpa

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