Donnerstag beginnt die Deutschland-Rallye, der zehnte WM-Lauf, im Saarland

Deutschland-Rallye im Saarland : Wenn die Boliden wieder fliegen

Am Donnerstag beginnt am Bostalsee die Deutschland-Rallye, der zehnte Lauf zur WM. Weltmeister Ogier steht unter Zugzwang.

Dass Klaus Bouillon ein großer Sport-Fanatiker ist, ist hinlänglich bekannt. Das war schon immer so und nicht erst, seitdem er offiziell auch Saarlands Sportministeramt bekleidet. Dass er ein Faible dafür hat, internationale Großveranstaltungen ins Saarland zu holen, hat er auch oft genug bewiesen – gerade in seiner Zeit als umtriebiger Bürgermeister von St. Wendel. Und dass er immer für einen lockeren Spruch zu haben ist, weiß auch das ganze Saarland.

Einen davon ließ der frisch ergraute 72-Jährige am Montagabend in Saarbrücken fliegen, als der ADAC in das Saarbrücker Hotel am Triller zur Pressekonferenz für die am Donnerstag beginnende Deutschland-Rallye, der zehnte Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft, geladen hatte. Als „Quasi-Hausherr“ hatte Bouillon das erste Wort – und nachdem er die Vorzüge der Veranstaltung, die bis am kommenden Sonntag rund um St. Wendel, den Bostalsee, an der Mosel und in Baumholder stattfinden wird, angepriesen hatte, holte er tief Luft und sprach: „Aus meiner Sicht wird die Rallye überwiegend positiv von den Menschen in der Region angenommen. Gegner gibt es natürlich immer, aber ich denke, dass man Motorsport und Umwelt auch miteinander verbinden kann. Jedes Wochenende sind Millionen Menschen mit ihren Autos zu Deutschlands Fußballplätzen unterwegs – aber da spricht kein Mensch drüber.“

Weil „Bulli“ Motorsport so mag, lässt er sich das in seiner Funktion als Sportminister auch etwas kosten. In den vergangenen Jahren investierte das Ministerium jährlich 150 000 Euro in die Veranstaltung. Die Verträge des ADAC mit dem Motorsport-Weltverband Fia laufen allerdings nach dieser Saison aus, und ob der WM-Lauf in Deutschland Zukunft hat, steht noch in den Sternen. Die internationale Konkurrenz ist stark, ähnlich wie die Formel 1 auf dem Hockenheimring steht der deutsche Rallye-WM-Lauf auf der Kippe. Zumal es in dieser Motorsport-Disziplin keinen deutschen Fahrer von Weltrang gibt. Aber, so Klaus Bouillon, „wir haben im Ministerium mal Kassensturz gemacht. Wenn der ADAC den WM-Lauf wieder bekommt, können wir 2020 wieder 150 000 Euro geben.“ Dass das Geld sich rechnet, steht für Bouillon außer Frage – angesichts von geschätzten 200 000 Besuchern am Wochenende und der Tatsache, dass viele wiederkommen. Vom sogenannten „Anschluss-Tourismus“, wie es Bouillon nannte, profitiere das ganze Saarland.

Sébastien Ogier ist kein „Anschluss-Tourist“ im Bouillonschen Sinne. Aber er kommt auch jedes Jahr – schließlich ist Rallyefahren der Beruf des Franzosen. Sechs Jahre hintereinander wurde Ogier Weltmeister – doch nun droht ein verflixtes siebtes Jahr. Zwei Drittel der Saison sind bereits vorbei, inklusive der Deutschland Rallye sind nur noch fünf WM-Läufe zu fahren – und Ogier liegt mit satten 22 Punkten Rückstand hinter dem Esten Ott Tänak derzeit „nur“ auf Platz zwei der Gesamtwertung. „Es wird Zeit, dass ich Boden gutmache“, sagte Ogier am Montag, „am besten fange ich jetzt am Wochenende damit an.“

Weltmeister Sébastien Ogier weiß, dass er bei der Deutschland-Rallye liefern muss. Foto: AP/Roni Rekomaa

Der Weltmeister verspricht also, im Saarland richtig Gas zu geben – wohl wissend, dass das ein Ritt auf der Rasierklinge werden kann. „Ich muss hohes Risiko gehen“, sagt der 35-Jährige, „aber ich darf mir keinen Fehler erlauben.“ Gerade Wertungsprüfungen wie die legendäre Panzerplatte bei Baumholder am Samstag (siehe Infokasten) seien gefährlich. „Überall diese Hinkelsteine, alles verdammt eng“, sagt Ogier, „und Ott Tänak ist hier immer verdammt schnell.“ Der Este gewann in den vergangenen beiden Jahren die Deutschland-Rallye und will auch diesmal alles daransetzen, seine Führung weiter auszubauen. Hört sich an, als ob ein Spektakel ansteht – nicht nur für Sport-Fanatiker wie Klaus Bouillon.

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