1. Sport
  2. Saar-Sport

Dominator hat nicht mehr die Reflexe einer Raubkatze

Dominator hat nicht mehr die Reflexe einer Raubkatze

Valladolid. Seine Premiere beim Giro d'Italia ist fraglich, der achte Sieg bei der Tour de France ein Ding der Unmöglichkeit: Nach seinem Sturz in Spanien muss der Doping-umwitterte Lance Armstrong (USA) seine Ambitionen über den Haufen werfen

Valladolid. Seine Premiere beim Giro d'Italia ist fraglich, der achte Sieg bei der Tour de France ein Ding der Unmöglichkeit: Nach seinem Sturz in Spanien muss der Doping-umwitterte Lance Armstrong (USA) seine Ambitionen über den Haufen werfen. Der 37-Jährige, dessen Rückkehr seit Monaten die Radsport-Welt in Atem hält, wird nach einem Schlüsselbeinbruch eine wochenlange Pause einlegen und sich in seiner Heimat operieren lassen. Vorm gestrigen Rückflug in die USA konnte er zumindest schon wieder scherzen: "Ich lebe noch!" Und nach der Schrecksekunde kehrte auch ins kasachische Astana-Team, für das er fährt, Zuversicht zurück. "Prinzipiell ist es kein Problem, beim Giro dabei zu sein, aber es ist eine andere Sache, ein angemessenes Leistungsniveau zu haben", sagt Teamchef Johan Bruyneel. Es sei klar, dass Armstrong kein Sieganwärter bei der am 9. Mai beginnenden Italien-Tour sein könne. Bruyneel wollte nicht von einer "Katastrophe" sprechen. Zumal der er davon ausgeht, dass der Texaner am 4. Juli das "Projekt achter Tour-Titel" in Angriff nehmen wird: "Für die Tour wird die Verletzung keine Auswirkungen haben." Durch die Pause wird es für Armstrong aber schwerer, seine Ziele zu erreichen - mit seinem erneuten Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt ist kaum zu rechnen. Nach Erhalt der Diagnose im Krankenhaus von Valladolid hatte sich Armstrong "völlig miserabel" gefühlt. Noch konnte er sich nicht festlegen, wann er wieder aufs Rad zurückkehrt: "Dafür ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Ich muss mich erst einige Tage erholen, das Problem fixieren und dann Pläne machen." Und so kam es zu Armstrongs "persönlichem Drama" (Milram-Teamchef Gerry van Gerwen"): Auf der ersten Etappe der Castilla-León-Rundfahrt fuhr er an der Spitze des Hauptfeldes, als sich einige Fahrer für den Endspurt in Position bringen wollten. Dabei stürzten vor Armstrong zwei Fahrer - er konnte nicht ausweichen. "Ich gebe niemandem die Schuld, das passiert ständig", sagt er. Mehr als 15 Fahrer gingen zu Boden. Alle konnten weiterfahren - nur Armstrong nicht. Hatte Armstrong, der in seiner Karriere viel gefährlichere Momente erlebte, sich aber nie ernsthaft verletzt hatte, Pech? Miguel Induráin bezweifelt dies. Der fünfmalige Tour-Sieger aus Spanien vermutet, dass ihm die Kraft fehlt, an vorderster Spitze mitzufahren: "Auf den letzten Kilometern einer Etappe braucht man die Reflexe einer Raubkatze. Wenn die Kräfte schwinden, lassen auch die Reflexe nach, und die Fahrer gehen höhere Risiken ein. Genau das ist bei Lance derzeit der Fall." Vielleicht erkennt Armstrong, dem so etwas "in meiner ganzen Karriere noch nicht geschehen" ist, dass seine unter Getöse angekündigte Rückkehr schwieriger ist als gedacht. In seinen bisherigen Rennen fuhr der vom Erfolg besessene Astana-Profi in dieser Saison zumeist hinterher, bei Mailand-San Remo landete er auf dem 125. Platz. Auch die permanenten Doping-Kontrollen dürften seine Laune nicht verbessern. Dass er seine Giro-Teilnahme fast schon abhakt, obwohl ein Schlüsselbeinbruch eigentlich nach vier bis sechs Wochen auskuriert sein sollte, passt in das Bild. "Er war noch nicht da, wo er sein wollte", sagt Milram-Teamchef Gerry van Gerwen. dpa