Doch noch kein Abschied

Doch noch kein Abschied

Phil Taylor ist bei der Darts-WM im Viertelfinale ausgeschieden. Nicht wenige glaubten, dass es für den Rekordchampion der letzte Auftritt auf der ganz großen Bühne war. Der 56-Jährige will von einem Rücktritt aber nichts wissen.

Phil Taylor schlurfte durch den Funkenregen des Ally Pally auf seinen Dauerrivalen Raymond van Barneveld zu, gratulierte dem Niederländer mit einem höflichen Handschlag zum Einzug ins WM-Halbfinale und verließ das Darts-Mekka in London durch die Hintertür. Die Enttäuschung über das Aus saß tief, doch zwei Tage später hatte sich der 56 Jahre alte Rekordweltmeister wieder gefangen. "Ich höre nicht auf", wird Taylor auf der Homepage des Verbandes PDC zitiert: "Ich bin entschlossen, hart zu arbeiten und mich zu verbessern. Ich werde es im nächsten Jahr wieder versuchen."

Van Barneveld, der durch seinen WM-Sieg 2007 gegen Taylor zum großen Gegenspieler des Größten der Darts-Geschichte avancierte, hatte nach dem 5:3 bereits eine Ahnung. "Nächstes Jahr wird er bei der WM dabei sein, da bin ich ganz sicher", sagte "Barney". Der 16-malige Weltmeister Taylor selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich nach der 17. Niederlage (bei 56 Siegen) gegen den sieben Jahre jüngeren van Barneveld - und öffnete damit den Raum für Spekulationen über einen Rücktritt. Vor der WM in London hatte Taylor angekündigt, sich künftig rarer zu machen. "Ich will das jetzt alles genießen und es langsamer angehen", sagte er. Er wolle nur noch die Events spielen, "für die ich über die Rangliste qualifiziert bin und zu denen ich eingeladen werde". Der geschätzt zehn Millionen Euro schwere Darts-Pionier, der in den letzten Jahren kaum einen lukrativen Termin ausgelassen hat, freut sich "auf ein Leben, in dem ich nicht mehr jede Woche auf der Autobahn bin und ständig in irgendwelchen Hotels übernachten muss".

Taylors Pleite im WM-Viertelfinale markiert in jedem Fall einen Einschnitt nicht nur in der Laufbahn des erfolgsverwöhnten Taylor, sondern auch in der Darts-Geschichte. Erstmals seit der WM-Premiere nach Version des Verbandes PDC im Jahr 1994 steht kein Engländer im Halbfinale.

Vier Jahre nach Taylors bislang letzten Titelgewinn schlug gestern Abend Titelverteidiger Gary Anderson aus Schottland seinen Landsmann Peter "Snakebite" Wright mit 6:3 und zug damit ins Finale (Sport1, heute, 19 Uhr) ein. Das zweite Halbfinale bestritten Top-Favorit Michael van Gerwen und van Barneveld (beide Niederlande).

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