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Doch nichts für Individualisten

Doch nichts für Individualisten

Saarbrücken. Wie eine sämtlichen Kräften der Natur ausgelieferte Landschaft sehen sie aus. Tief durchfurcht, von Schwielen übersät, an zwei, drei Stellen notdürftig mit Klebeband bedeckt und staubig vom weißen Magnesium, das sich tief in die Scharten eingegraben hat

Saarbrücken. Wie eine sämtlichen Kräften der Natur ausgelieferte Landschaft sehen sie aus. Tief durchfurcht, von Schwielen übersät, an zwei, drei Stellen notdürftig mit Klebeband bedeckt und staubig vom weißen Magnesium, das sich tief in die Scharten eingegraben hat. Und doch: "Für Kletterer-Hände sehen die echt noch gut aus", sagt Sebastian Gerber (26): "Immerhin habe ich noch alle meine Fingernägel - und zwar ganz. Bei vielen sind die so weit ab." Er zeigt auf eine Stelle viel zu nah am Nagelbett.

Sebastian Gerber steht in der großen, neuen Kletterhalle des Kletterzentrums Saarbrücken und blickt nach oben. Fast schon sakral wirkt der große Raum mit den aufgebauten Kletterwänden, die sich aufblähen und zur Decke hin verjüngen. Wie eine Kathedrale. Die Rufe von unten hoch klingen dann aber eher weltlich, denn nach Gebet: "Zieh schon und dann der rechts oben."

Gut 100 Menschen drängen sich im Eingangsbereich der Halle, einige wenige klettern. Es ist gerade Pause bei den Saarlandmeisterschaften der Sportkletterer. Uwe Altmaier, der Referent Sportklettern des Saarländischen Bergsteiger- und Skibundes, wirkt zufrieden: "Es ist eine super gute Resonanz mit 70 Teilnehmern, gerade weil es die erste Saarlandmeisterschaft im Sportklettern seit sechs Jahren ist."

Überhaupt hat sich das Sportklettern in den vergangenen Jahren immer mehr zur vollwertigen Sportart entwickelt. Weg vom rein erlebnis-pädagogischen Zweck, hin zur Boom-Sportart. "Sportklettern steht auch immer mehr in der Öffentlichkeit. Wir hatten vor Kurzem die saarländischen Schulmeisterschaften mit 13 teilnehmenden Schulen. Das Interesse ist auf jeden Fall da", betont Altmaier. Zumal jetzt mit dem neuen kommerziellen Kletterzentrum auch die infrastrukturellen Voraussetzungen stimmen: "Es gab bisher nichts Adäquates hier. Wenn man das mit anderen Verbänden verglichen hat, lagen da große Unterschiede dazwischen. Entsprechend dankbar sind wir auch, dass wir die Halle kostenlos für die Meisterschaft nutzen können."

Für die jungen Teilnehmer steht gleich das Finale an. Was beim Klettern Isolationshaft bedeutet. Um gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen, darf keiner der Finalisten die Strecke vorher sehen. Noch ist sie mit einer Plane abgedeckt, ehe sie kurz vor dem Finale enthüllt wird. Doch das dauert. Und so warten Magali Fischer (9) aus Liederschied und Michelle Leiner (12) aus Rimschweiler mit gut 30 anderen Teilnehmern ein Stockwerk höher in der Boulderhöhle: "Ja, wir sind schon gespannt." Aber es entspannt sich auch ganz gut auf den dicken Matten, die hier Stürze abfangen sollen.

Überhaupt ist das Klischee des Individualisten beim Klettern lange überholt. "Einerseits braucht man sowieso jemanden zum Sichern. Aber ich bin auch der Meinung, dass man in einer guten Gruppe besser klettert. Man geht eher an sein Limit, man hat mehr Strom", erklärt Gerber.

Schließlich ist Klettern auch ein zeitaufwendiger Sport. Selbst Magali und Michelle trainieren drei Mal pro Woche. "Und unter drei Stunden pro Training lohnt es sich eigentlich nicht", sagt Gerber: "Man braucht ja mindestens eine halbe Stunde, um sich warm zu machen." Doch für Sebastian Gerber hat sich die Arbeit gelohnt. Am Ende wurde er - hinter den Pfälzern Johannes Lau und Dominik Winkler - Dritter und damit Saarlandmeister. Und das sogar noch mit allen zehn Fingernägeln.

Auf einen Blick

Saarlandmeisterschaften der Sportkletterer:

Die Sieger: Damen: 1. Carina Scheffold (BF Saar), 2. Camille Klein (-), 3. Tamara Warken (ASS); Herren: 1. Sebastian Gerber (BF Saar) 2. Nicolas Altmaier (BF Saar), 3. Stefan Paul (BF Saar); Männl. A-Jgd: 1. Gerd Dessloch (ASS) 2. Amos Lehne (-), 3. Lucas Marx (TV St. Wendel); Weibl. B-Jgd: 1. Meret Siemer (TV St. Wendel), 2. Anika Backes (BF Saar), 3. Ramona Cadario (ASS); Männl. B-Jgd: 1. Michael Blasius (BF Saar), 2. Johannes Hoffman (ASS), 3. Maurice Brossette (-); Weibl. C-Jgd: 1. Antonia Günther (St. Wendel), 2. Lea Marx (St. Wendel), 3. Annika Steinhage (ASS); Männl. C-Jgd: 1. Gabriel Altmaier (BF Saar), 2. Jonas Schmitt (BF Saar), 3. Thomas Langer (-). jbö