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Doch nicht unschlagbar

Dortmund. Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hat sich den Supercup und damit den ersten Titel der Saison gesichert. Der BVB hat gleichzeitig der Liga gezeigt, dass Triple-Gewinner Bayern München nicht unschlagbar ist. sid

Pep Guardiola schlenderte nachdenklich über den Rasen. Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, beobachtete er mit versteinerter Miene tanzende Dortmunder Borussen, die im goldenen Konfettiregen den Supercup in den Abendhimmel reckten. Das 2:4 (0:1) war die ersten Niederlage für den neuen Trainer von Bayern München. Für den BVB war es Balsam für die Seele, und die Liga-Konkurrenz freute sich über die wertvolle Erkenntnis: Der scheinbar übermächtige Triple-Gewinner ist doch nicht unschlagbar.

Sollte die erste Bayern-Niederlage seit März (0:2 gegen den FC Arsenal) ein Indikator für die kommende Saison sein, dann könnte es spannender werden als viele Experten prophezeit haben. "Wir freuen uns über den Pokal, aber der Sieg hat keine Auswirkungen auf die neue Saison", meinte BVB-Kapitän Sebastian Kehl. Dass es jedoch um mehr ging, als nur ums Prestige oder einen Härtetest zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start, davon konnten sich 80 645 Zuschauer in der ausverkauften Dortmunder Arena überzeugen.

Sie erlebten zwei Mannschaften, die unmissverständlich eine Duftmarke setzen wollten. Das Ergebnis war Fußball-Unterhaltung auf hohem Niveau mit zahlreichen Torchancen. Die Defizite in der Münchner Defensive nutzten Marco Reus (6. und 86.) und Ilkay Gündogan (56.) bei einem Eigentor von Daniel van Buyten (53.). Die unverminderte Offensivstärke des Meisters unterstrich Arjen Robben (54. und 64.), was aber unter dem Strich zu wenig war gegen einen starken BVB. "Jede Mannschaft ist schlagbar, wenn sie nicht ihre Top-Leistung bringt", meinte Nationalspieler Thomas Müller. "Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, ich bin zufrieden. Die Partie wurde durch punktuelle Situationen entschieden", meinte Guardiola, "Wir haben 2:4 verloren, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie deshalb viel besser sind als wir."

Doch die Gesichter seiner Spieler verrieten Enttäuschung. Äußerst gereizt reagierte Kapitän Philipp Lahm unmittelbar nach dem Abpfiff: "Es steht außer Frage, dass wir immer gewinnen wollen. Es braucht noch ein bisschen, bis alles so klappt, wie wir das wollen. Bis gestern war alles okay, und heute soll schon wieder alles schlecht sein?"

Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, in den letzten Tagen als Lautsprecher des Rekordmeisters vor nahezu allen Mikrofonen präsent, wollte nichts kommentieren und schnürte sich demonstrativ die Lippen zu, als er an der Journalistenschar vorbeistapfte. Der erste verlorene Titel der Saison hatte offenbar mehr Spuren hinterlassen, als die Bayern preisgeben wollten.