Dobersteins Krönung

St. Ingbert. Der Hall des Gongs zur ersten Runde bahnte sich noch seinen Weg bis in die hinterste Ecke der Industriekathedrale in St. Ingbert, als Profi-Boxer Jürgen Doberstein am Samstagabend zu einem rechten Haken ausholte. Der Volltreffer überraschte seinen Gegner Michal Nieroda genauso wie das Publikum

St. Ingbert. Der Hall des Gongs zur ersten Runde bahnte sich noch seinen Weg bis in die hinterste Ecke der Industriekathedrale in St. Ingbert, als Profi-Boxer Jürgen Doberstein am Samstagabend zu einem rechten Haken ausholte. Der Volltreffer überraschte seinen Gegner Michal Nieroda genauso wie das Publikum. Der Pole sank zu Boden, die 1200 Zuschauer riss es von den Sitzen, kaum dass der Kampf begonnen hatte. "Er war auf der rechten Seite völlig offen, und ich habe ihn perfekt getroffen", schilderte Doberstein seinen Paukenschlag nach wenigen Sekunden. Nieroda hielt noch sechs Runden durch, zum siebten Durchgang trat er aber nicht mehr an. Danach gab es kein Halten mehr. Jubelsprünge, Tränen, frenetischer Beifall: Jürgen Doberstein ist neuer IBF-Weltmeister der Junioren im Supermittelgewicht.Nach dem ersten Niederschlag hatte der "Dobermann" Blut geleckt, ging sofort wieder auf Nieroda los und schickte ihn erneut mit einer krachenden Rechten in den Ringstaub. Kampf vorbei? Dobersteins Trainer Sergej Ostrovski stand schon triumphierend auf den Ringseilen. Doch der tapfere Osteuropäer rappelte sich wieder auf. Benommen und wankend schien sein Unterbewusstsein die Kontrolle über seinen Körper übernommen zu haben. Leichtes Spiel für den Lokalmatadoren - noch ein, zwei gute Treffer und der Kampf wäre aus. Doch dann machte Doberstein seinen einzigen Fehler des Abends. "Ich war zu überhastet und verkrampft. Ich wollte unbedingt den schnellen K.o.", erklärte Doberstein sein kopfloses Anrennen bis Rundenende. Anstatt die geistige Abwesenheit Nierodas zu nutzen und ihn sich langsam zurechtzulegen, versuchte er, ihn mit wilden Schwingern auf die Bretter zu schicken. Nieroda rettete sich in die Pause.

"Ruhiger jetzt. Entspann dich und bring die Führhand mehr", redete Trainer Ostrovski beruhigend auf seinen Schützling ein. Beide Boxer erholten sich in Runde zwei. Nieroda wurde langsam wieder Herr seiner Sinne, Doberstein erlangte frische Luft und kühlen Kopf zurück. Einen Aufreger gab es, als sie mit ihren Schädeln aneinander rasselten und Nieroda eine klaffende Platzwunde davontrug. Von nun an war es eine blutige Angelegenheit, die der Saarländer klar dominierte.

"Ich habe Jürgen gesagt, er soll ihn mehr schlagen lassen und sich auf das Kontern verlegen", erläuterte Ostrovski. Und das kann der Friedrichsthaler. Mit blitzschnellen Reflexen wich er den Schlägen des Polen aus, zeigte klasse Pendelbewegungen und traf selbst immer wieder mit Links-Rechts-Kombinationen. Nieroda versuchte viel, doch er erwischte seinen Gegner einfach nicht. Nachdem er zwei weitere Male angezählt wurde, gab der 21-Jährige zu Beginn der siebten Runde auf. "Dieser Moment war der schönste in meinem Leben. Es ist wie ein verrückter Traum", sagte Doberstein aufgedreht.

Jürgen Doberstein trieb seinen Gegner sechs Runden lang vor sich her und hatte Michal Nieroda mehrfach am Boden. Der Pole trat zur siebten Runde schließlich nicht mehr an.
Jürgen Doberstein dankt den Fans für ihre Unterstützung. Links Promoter Oliver Heib.

Aufdrehen will Doberstein nun auch bei den Senioren. Seine Manager Oliver Heib und Bernhard Notar von der Dog event & boxing company brachten die Namen Robert Stieglitz und Felix Sturm für einen Kampf 2013 ins Spiel. "Ich will gegen die Größten boxen. Und das möglichst schnell", verdeutlichte der 23-Jährige. Doch zunächst genießt Doberstein seinen historischen Sieg und das Gefühl, der erste saarländische Box-Weltmeister zu sein.