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Die Zukunft der Rallye Dakar steht auf dem Spiel

Die Zukunft der Rallye Dakar steht auf dem Spiel

Düsseldorf. Abenteuer, Mutprobe, Materialschlacht - und immer wieder Tragödien. Nach dem tödlichen Unfall eines Motorradrennfahrers gleich am ersten Tag mehrt sich die Kritik an der ohnehin umstrittenen Rallye Dakar. Deutschlands Rallye-Ikone Walter Röhrl sorgt sich bereits um den Ruf seiner Sportart

Düsseldorf. Abenteuer, Mutprobe, Materialschlacht - und immer wieder Tragödien. Nach dem tödlichen Unfall eines Motorradrennfahrers gleich am ersten Tag mehrt sich die Kritik an der ohnehin umstrittenen Rallye Dakar. Deutschlands Rallye-Ikone Walter Röhrl sorgt sich bereits um den Ruf seiner Sportart. "Der erneute Todesfall bei der Rallye Dakar wirft einen Schatten auf den ganzen Rallyesport, der, was die Weltmeisterschaft angeht, nicht in der Kritik steht", sagte der zweimalige Rallye-Weltmeister.Am Neujahrstag war der argentinische Motorradfahrer Jorge Martinez ums Leben gekommen. Er erlag seinen Verletzungen, die er bei einem Unfall auf der ersten Etappe erlitten hatte. Martinez wurde nur 38 Jahre alt. Er war das insgesamt 61. Todesopfer bei der berühmt-berüchtigten Rallye. Martinez stürzte um 10.19 Ortszeit mit seiner RR 450 zwei Kilometer vor Ende der Wertungsprüfung und erlitt einen Herzstillstand. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche und des Hubschraubertransports in ein Krankenhaus konnte er nicht mehr gerettet werden.

Schon im vergangenen Jahr hatte Jorge Martinez einen schweren Unfall und bangte acht Stunden lang am Abgrund einer Klippe liegend um sein Leben - der Einsatz eines Hubschraubers und drei Tage im Krankenhaus retteten sein Leben, fachten aber seinen Ehrgeiz an, in diesem Jahr wieder an den Start zu gehen.

Laut Rallye-Ikone Röhrl sei das Problem, dass der "normale Mensch" nicht zwischen der Dakar und zum Beispiel einer Rallye Monte Carlo unterscheide. "Das Risiko bei der Rallye Dakar ist sicher um ein Vielfaches höher. Sie ist eigentlich mehr für Privatfahrer gedacht, die ein Abenteuer suchen", sagte Röhrl.

Ähnlich beurteilt der ehemalige Formel-1-Pilot Christian Danner die Situation. "Das schadet dem guten Ruf des Motorsports. Was da abläuft, ist ohne Netz und doppelten Boden", sagte der Münchner. Danner vermisst bei Veranstaltungen wie der "Dakar" den Anspruch, den Motorsport auf ein vernünftiges Sicherheitsniveau zu bringen, wie dies in der Formel 1 geschehen sei. "Stattdessen ballern die in halsbrecherischer Manier durch die Landschaft. Als Freund des Motorsports schmerzt es mich sehr, wenn ich diese Bilder sehe", sagte der Motorsport-Experte des Fernsehsenders RTL.

Die deutsche Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck kann die Kritik an der Rallye Dakar dagegen nicht nachvollziehen. "Bei einem der letzten Motorsport-Abenteuer der Welt weiß jeder Teilnehmer, auf was er sich einlässt. Deshalb darf man die Veranstaltung nicht in Frage stellen", sagte der 61-Jährige.

Bis vor einem Jahr war Stuck als VW-Repräsentant persönlich in das Dakar-Projekt involviert. Volkswagen verkündete nach dem Sieg 2011 aber den Ausstieg und will sich stattdessen lieber auf den Einstieg in die Rallye-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr vorbereiten. Laut Stuck werde es im Motorsport nie die einhundertprozentige Sicherheit für alle Beteiligten geben: "Wenn man zum Kaffeetrinken fährt, kann auch etwas passieren."

Stuck vergleicht die Rallye Dakar mit dem berühmtesten Skirennen der Welt: "Die Streckenbedingungen- und Verhältnisse bei der Dakar sind ebenso extrem wie die auf der Streif in Kitzbühel. Deshalb kommen auch so viele Zuschauer zu den beiden Ereignissen. Sie wollen etwas Spektakuläres und Aufregendes sehen." dapd