| 20:51 Uhr

Stadion-Diskussion in Saarbrücken
Die Zeit läuft gegen den 1. FC Saarbrücken

Für Hartmut Ostermann, den Präsidenten des 1. FC Saarbrücken, beginnt nun die Grübelei und Rechnerei. Wo könnte sein Verein spielen, was werden die verschiedenen Optionen kosten?
Für Hartmut Ostermann, den Präsidenten des 1. FC Saarbrücken, beginnt nun die Grübelei und Rechnerei. Wo könnte sein Verein spielen, was werden die verschiedenen Optionen kosten? FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Neubau in Illingen, Umzug nach Elversberg oder Ausbau in Völklingen: Der Verein muss sich entscheiden, hält sich aber noch bedeckt. Patric Cordier

Die Uhr tickt unaufhaltsam gegen den 1. FC Saarbrücken. Der Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Südwest muss bis Ende März die Unterlagen zum Lizenzierungsverfahren zur 3. Liga beim Deutschen Fußball-Bund einreichen. Darin muss neben den finanziellen Rahmenbedingungen nicht nur eine taugliche Spielstätte angegeben werden, der DFB verlangt auch ein entsprechendes Ausweichstadion. Nach der Absage der Landeshauptstadt an ein Spielen in der Baustelle Ludwigspark (die SZ berichtete) gehen dem Verein die Optionen aus.


„Wir werden erklären müssen, wo wir spielen, und wenn das bislang nicht drittliga-tauglich ist, wie es dazu gemacht wird“, umschreibt FCS-Sportdirektor Marcus Mann die Aufgabe. Aber er sagt auch: „Wir im sportlichen Bereich dürfen uns durch die Diskussion nicht vom Wesentlichen ablenken lassen. Wir sind gut beraten, uns darauf zu konzentrieren, die sportlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Ansonsten habe ich vollstes Vertrauen in unseren Präsidenten.“

Das Angebot des Illinger Bürgermeisters Armin König, ein Gelände für einen Stadionneubau im Gewerbegebiet „Am Humes-Kreuz“ bereitzustellen, hat die Wellen im ganzen Land hochschlagen lassen – und findet Gegner und Befürworter bei Anhängern und Verantwortlichen. „Der 1. FC Saarbrücken freut sich sehr über die Wertschätzung und über die konkrete Unterstützung, die wir in schwieriger Zeit jetzt auch von außerhalb der Landeshauptstadt erhalten“, sagt FCS-Präsident Hartmut Ostermann: „Es ist eine richtige Erkenntnis, dass ein saarländischer Verein in der 2. Liga für unsere Region nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich eine Bereicherung sein kann und die mediale Wahrnehmung enorm unterstützen würde.“ Ein klares „Ja“ zum Stadion-Selbstbau klingt anders, ein klares „Nein“ aber auch.



Im Saarbrücker Rathaus lässt Oberbürgermeisterin Charlotte Britz das Angebot ihres Kollegen König eiskalt abblitzen: „Wir haben derzeit viel zu tun und beschäftigen uns daher nur mit ernstzunehmenden Vorschlägen.“ Dabei liegt Königs Idee auf der grünen Wiese durchaus im Trend. Auch Bayern München und Mainz 05 haben ihre neuen Arenen außerhalb des Stadtkerns errichtet. Während viele Fans die Idee feiern, wollen andere ihren Verein einfach am Ort seiner Gründung spielen sehen. Sie geben dem „LuPa“ sogar eine geschichtliche Dimension. „Das ganze politische Saarland ist hier gefragt und in der Verantwortung. Das Ludwigsparkstadion steht nämlich auch für die Geschichte unseres Saarlandes und nicht nur für den 1. FC Saarbrücken“, sagt etwa Ralf Jung: „Der Standort ist historisch bedeutend. Hier muss auch die Geschichte des Landes bewahrt werden.“

Am Montagabend informierte Oberbürgermeisterin Britz eine Gruppe von Fanvertretern des FCS über den Stand der Dinge. „Ich gehe auf die Fans zu, da ich ihre Wut und Enttäuschung nachvollziehen kann“, sagte Britz der SZ. „Die Oberbürgermeisterin hat außerdem ihr Gesprächs-Angebot bekräftigt, dass sie für persönliche Termine in ihrer Bürgersprechstunde zur Verfügung steht“, erklärte Stadtsprecher Robert Mertes: „Zudem wird die Stadt auf ihrem Internetportal auf Vorschlag der Fans ausführlicher zum Umbau des Stadions informieren.“

Das Gespräch am Montag verlief nach Aussage aller Beteiligten sehr sachlich. „Wenn man nicht ganz verbohrt ist, kann man die Argumente der Experten nachvollziehen“, sagte Bernd Gauer vom FCS-Fanclubverband. Dabei geht es allein um die Entscheidung, dass während der Bauphase nicht gespielt werden kann. Dennoch habe die Stadt viele Fehler gemacht. „Hauptsächlich, dass man keinen Plan B hatte, als die Kosten wegliefen und weil es zunächst hieß, man könnte in der Baustelle spielen und nun doch nicht“, sagte Gauer weiter: „Wir treffen uns am Freitag mit den Fanclubvorsitzenden, um unser weiteres Vorgehen zu besprechen. Demonstrationen helfen meiner Meinung wenig weiter. Es muss eine Lösung her, wo im Sommer gespielt wird.“

Optionen gibt es – nimmt man das Angebot aus Illingen aus – praktisch nur zwei. Ein Umzug ins drittliga-taugliche Stadion der SV Elversberg oder ein weiteres Aufrüsten des Hermann-Neuberger-Stadions in Völklingen. Zu beiden Möglichkeiten hält sich der FCS mit öffentlichen Äußerungen zurück. Zu Elversberg, weil der FCS eine damals geschlossene und verkündete Zusammenarbeit hat platzen lassen, weil ihm die Miete letztlich doch zu hoch und der VIP-Bereich im Stadion nicht fertig war. Und zu Völklingen, weil die Fans das Ausweichstadion nicht annehmen und trotz der sportlich sehr guten Saison immer weniger Zuschauer kommen. Klar ist: Die Uhr tickt weiter. Gegen den 1. FC Saarbrücken.