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| 20:27 Uhr

Die „wunderbare Stadt“ nimmt Abschied

Mit der musikalischen Untermalung der Sängerin Mariene de Castro erlosch die Olympische Flamme. Foto: Ilnitsky/dpa
Mit der musikalischen Untermalung der Sängerin Mariene de Castro erlosch die Olympische Flamme. Foto: Ilnitsky/dpa FOTO: Ilnitsky/dpa
Rio de Janeiro. Mit dem Ende von Rio rücken die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio in den Fokus. Für die olympische Bewegung heißt es auch vorher und nachher: Auf in den Osten. Südkorea, Japan und China sind die Stationen. Thomas Häberlein,Christoph Leuchtenberg (sid)

Die "Wunderbare Stadt" erwachte vom Regen durchweicht, von Wolken verhangen, mit einem leichten Kater von 16 Tagen voller magischer Momente und schmerzlicher Widersprüche. Das Olympische Feuer in Rio de Janeiro ist nach einer bunten wie bescheidenen Abschlussfeier erloschen. Die Sieger steigen in ihre Flieger, die warmen Abschiedsworte von Thomas Bach hallen nach. Die Fragen bleiben: Was nun? Wie geht es weiter mit Brasilien? Mit dem Dopingproblem? Welchen Weg nimmt die Olympische Bewegung, die so schwer angekratzt ist?

Der deutsche IOC-Präsident kennt jedenfalls keine Zweifel. "Es waren wunderbare Spiele in der wunderbaren Stadt", rief Bach, Superlative geschickt umtänzelnd, der "Cidade Maravilhosa" zum Abschluss der Spiele der 31. Olympiade zu: "Sie hinterlassen ein großes, einzigartiges Erbe für künftige Generationen. Es waren Spiele der Vielfalt und Einheit." Viele Beobachter sehen das deutlich kritischer. Die Olympischen Spiele, die als "triumphal gesetzter Meilenstein für den Aufstieg einer neuen Supermacht" (New York Times ) angedacht waren, haben ihre Gastgeberstadt mit den fröhlichen Cariocas ebenso bereichert wie ausgelaugt.

"Rios Probleme wurden nur übermalt, gelöst wurde jedoch keines von ihnen", kommentierte die Washington Post nach der Abschlussfeier im Maracana-Stadion: "Die Frage, auf die es erst in Monaten oder Jahren eine Antwort geben wird, lautet: Hat die Olympische Bewegung dieser rezessionsgeplagten Stadt mehr genommen als gegeben?"

Rio hatte das Pech, die Spiele im Boom bekommen zu haben, sie aber in der Krise ausrichten zu müssen. Die Angst vor Zika und Terror war eine Belastung, ebenso der höchst fragwürdige Umgang des IOC mit dem russischen Staatsdoping. Nun lässt sich sagen: Rio hat das Beste daraus gemacht, was "O Globo" am Morgen danach perfekt beschrieb: "Es hat gigantische Zweifel gegeben, hier und überall. Aber es hat funktioniert."

Es war ein Wechselspiel zwischen sportlichen Glanzleistungen und tollen Geschichten, von Problemen, teilweise Skandalen. Rio nahm Abschied bei Sturm und Regen - mit weltweiter Aufmerksamkeit, aber auch wieder vor vielen leeren Sitzschalen, vor denen Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel tapfer die deutsche Fahne schwenkte. Und das im Stadion, das 24 Stunden zuvor beim Endspielsieg der brasilianischen Fußballer gegen Deutschland noch ein brodelnder Kessel gewesen war.

Am Sonntagabend war es bunt, es war karnevalesk, freudig. Doch jetzt sieht es in Rio gar nicht gut aus: Die Kassen sind leer, die Stadt hat sich mit elf Milliarden Euro für Olympia wahrhaft verausgabt. Und ab dem 7. September stehen die Paralympischen Spiele für Menschen mit Behinderungen bevor. Nur zwölf Prozent der Karten sind bislang verkauft. "Noch nie in 56 Jahren haben wir so schwierige Bedingungen erlebt", sagt Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees.Adeus Rio , Konnichiwa Tokio: Die 31. Olympischen Sommerspiele in Brasilien sind Geschichte, die 32. in Tokio rücken nun in den Blickpunkt. Doch auch schon zwei Jahre vor Tokio 2020 zieht es die olympische Bewegung nach Fernost - und zwei Jahre danach schon wieder. Die Winterspiele 2018 finden in Pyeongchang/Südkorea statt, die folgenden 2022 in Peking. Schon jetzt ist klar: Die ersehnte Abkehr vom Gigantismus wird es bei keinen der drei Fernost-Spiele geben.

Schon mal gar nicht in Japan. Bei der Abschlussfeier im Maracana übergab Rios Bürgermeister Eduardo Paes die Olympische Flagge an Tokios Gouverneurin Yuriko Koikes, am Mittwoch trifft das Banner mit den fünf Ringen in der japanischen Metropole ein. Bis zur Eröffnung am 24. Juli 2020 hat die Stadt noch jede Menge Arbeit vor sich. IOC-Präsident Thomas Bach gab den Japanern den Tipp, ihr eigenes Ding durchzuziehen. "Erfolgreich organisierte Spiele müssen immer authentisch sein", sagte Bach, "es darf keine Kopie werden. Die Olympischen Spiele sollten die spezielle kulturelle Vielfalt eines Landes repräsentieren", ergänzte er. Tokio versprach, dass es sich große Mühe gibt, diesen Rat zu befolgen. "Unser Motto lautet: höher, weiter, schneller - aber auch sauber und transparent", sagte Koikes in Rio .

Die Gouverneurin der Riesenstadt, in deren Metropolregion fast 40 Millionen Menschen leben, muss sich mit lästigen Aufräumarbeiten beschäftigen. Tokio 2020 steht unter Verdacht, zwei Millionen US-Dollar an Papa Massata Diack, Sohn des ehemaligen Leichtathletik-Präsidenten und Strippenziehers Lamine Diack, gezahlt zu haben, um sich die Spiele zu sichern. Die Korruptionsvorwürfe halten sich hartnäckig, französische Behörden ermitteln. 2013 hatte Tokio den Zuschlag erhalten und dabei Madrid und Istanbul ausgestochen. Dass die verstrahlte Ruine des Atomreaktors von Fukushima nur 240 Kilometer Luftlinie entfernt liegt, hatte die IOC-Mitglieder nicht abgeschreckt. Auch mit dem Budget läuft nicht alles nach Plan. Die Organisatoren gehen in einer neuen Kalkulation inzwischen angeblich von Ausgaben in Höhe von 13,8 Milliarden Euro aus - das Sechsfache der veranschlagten Summe.

Auch Pyeongchang 2018 musste bereits vielfältige organisatorische Probleme eingestehen. Vor allem alpine Weltcups in den vergangenen Jahren lassen nicht unbedingt auf ein klassisches Wintermärchen hoffen. Vier Jahre später in Peking wird es geradezu absurd. Sämtlich Ski-Wettbewerbe sind komplett abhängig von Kunstschnee. Die Zhangliakou Zone, wo Biathleten, Langläufer und Skispringer um Medaillen kämpfen werden, ist 160 Kilometer von Peking entfernt. Eine viele Milliarden teure Schnellbahntrasse muss noch gebaut werden.

Zum Thema:

Auf Einen Blick Pressestimmen zu den Spielen in Rio : O Globo (Brasilien): "Das Land ist stolz auf den Erfolg der Spiele. Es hat gigantische Zweifel gegeben, hier und überall. Aber es hat funktioniert." Guardian (England): "Bach spricht von guten Spielen, aber es war eine holprige Fahrt. In Bachs Welt war alles sonnig." AD (Niederlande): "Es waren 16 Tage in schwierigen Umständen. Nur beim Fußballfinale der Männer wirkte Brasilien wirklich mitgerissen." Iswestija (Russland): "Russland fährt das schwächste Ergebnis seit 20 Jahren ein. Doch das liegt am IOC, das vielen russischen Athleten den Weg nach Rio verbaute." New York Times (USA): "Rio ist nach den Spielen verändert, wenn nicht sogar neu geboren." LA Times (USA): "Es gab historische Leistungen, Pannen und Überfälle. Das IOC hat sich mit der Vergabe nach Südamerika verzockt." dpa

Während der Schlussfeier wurde die japanische Flagge groß dargestellt – zu Ehren des 2020-Gastgebers Tokio. Foto: Reynolds/dpa
Während der Schlussfeier wurde die japanische Flagge groß dargestellt – zu Ehren des 2020-Gastgebers Tokio. Foto: Reynolds/dpa FOTO: Reynolds/dpa