Die WM hat einen neuen Star

Die WM hat einen neuen Star

Kolumbiens James Rodríguez ist der Star dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Mit zwei Toren schoss der 22-Jährige am Samstag Uruguay aus dem Turnier und seine Mannschaft ins Viertelfinale gegen Brasilien.

Nachdem James Rodríguez mit seiner Ausnahme-Vorstellung auf eine Stufe mit Topspielern wie Pelé , Diego Maradona oder Lionel Messi geklettert war, musste Kolumbiens neuer Nationalheld erstmal zum Friseur. Den drei in sein Haar rasierten Kerben hinter dem rechten Ohr für zuvor drei WM-Treffer mussten nach seiner Gala beim 2:0 (1:0) im Achtelfinale gegen Uruguay zwei weitere hinzugefügt werden. Den nächsten Besuch beim Stylisten plant Rodríguez für Freitagabend - nach dem Viertelfinale gegen Gastgeber Brasilien (22 Uhr).

"Ich habe keine Angst, spüre keinen Druck. Für uns soll das noch nicht das Ende der Reise sein. Wir wollen mehr, wir wollen den Titel", sagte der 22-Jährige. Rodríguez will weitere Kerben. Fünf hat er schon, so viele wie kein anderer am Zuckerhut. Mit einem Traumtor (28. Minute), das weder Pelé noch Maradona in ihren Glanzzeiten schöner hätten schießen können, und einem Abstauber kurz vor dem Tor (50.) brachte er Kolumbien zum ersten Mal unter die Top Acht - und veranlasste Experten wie Fans weltweit zu Lobeshymnen.

"Er ist ein Talent wie Messi, Maradona, Suárez", sagte Uruguays Trainer Óscar Tabárez, dem der Letztgenannte wegen seiner Sperre so schmerzlich fehlte: "Diese Spieler haben eine Gabe, die sie zu etwas Besonderem macht. Für mich ist er der beste Spieler der WM."

Zu Hause hüpfte Staatspräsident Juan Manuel Santos im Nationaltrikot vor lauter Glück auf und ab. Im Internet zollten frühere Fußball-Stars wie Gary Lineker , Ruud Gullit oder Fabio Cannavaro dem "Goldjungen" Respekt, Basketball-Star LeBron James erklärte Rodríguez spontan zu seinem Lieblingsspieler, und Kolumbiens Pop-Queen Shakira schrieb begeistert: "Riesendank, James!"

Er ist 22 Jahre alt, er trägt das gelbe Trikot mit der Nummer 10, er ist der Star dieser WM - aber er ist nicht Neymar. Im Viertelfinale kommt es zum Duell der beiden Ausnahmekönner. Rodríguez, der im vergangenen Sommer für 45 Millionen Euro zum AS Monaco gewechselt war, hat gegen Uruguay vorgelegt - und wie. "Dieses Tor wird nie vergessen werden. Das war pure Magie", schrieb die kolumbianische Zeitung "El tiempo" über den ersten Streich. "Es gehen uns die Adjektive aus für dich", fügte das Blatt an. "El espectador" sah einen Treffer von solcher Schönheit, "dass er in eine Kunstausstellung gehört".

Rodríguez - ein gläubiger Christ mit einem Jesus-Tattoo auf dem linken Unterschenkel - ist dagegen weiter auf dem Rasen zu bestaunen. Gegen Brasilien will er "auf den Platz gehen, um zu gewinnen". Das tat er bisher immer bei dieser WM, wo Kolumbien nun einen Sieg mehr feierte als bei den vier vorherigen WM-Teilnahmen zusammen (drei). Dank Rodríguez, der zudem zwei weitere Tore vorbereitete. Als erster Südamerikaner seit Pelé 1958 erreichte er die Marke von sieben Scorerpunkten in nur vier Spielen.

"Er hat alles, um ein Weltklasse-Spieler zu sein", sagte Kolumbiens Trainer José Pekerman voller Stolz: "Ich hatte nie Zweifel, dass das seine WM werden würde." In Kolumbien vergleichen sie Rodríguez längst mit Carlos Valderrama, ihrem Besten. Weil der Star der 1980er und 1990er "El Pibe" (Junge) genannt wurde, ist Rodríguez "El Nuevo Pibe", der neue Junge. Seit Samstag steht er über seinem Idol.