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Tennis: Die Wimbledon-Siegerin ist zurück

Tennis : Die Wimbledon-Siegerin ist zurück

Angelique Kerber schlägt beim Turnier in Montréal auf. Die 30-Jährige ist gereift.

Im Juli war Angelique Kerber die Nummer eins. Nicht in der Weltrangliste, aber im deutschen Sport. 55,3 Prozent der etwa 4000 Athleten, die von der Deutschen Sporthilfe gefördert werden, wählten die Kielerin nach ihrem Wimbledonsieg zur „Sportlerin des Monats“. Rund dreieinhalb Wochen nach ihrem emotionalen Triumph auf dem heiligen Rasen an der Church Road kehrt Kerber in den Alltag der Tour zurück.

Beim WTA-Turnier in Montréal ist Kerber der Weltrangliste entsprechend auf Position vier gesetzt, schon im Halbfinale wäre ein Duell mit Branchenführerin Simona Halep möglich. Ins Turnier startet sie nach der Absage von Serena Williams aber nicht mit einer Neuauflage des Wimbledon-Endspiels.

Ihre Turnierteilnahmen, hat Kerber nach Wimbledon betont, will sie künftig bewusster auswählen: lieber weniger, dafür aber auf höchstem Niveau. „Es geht mir nicht mehr um die Weltrangliste“, sagte sie nach ihrem dritten Grand-Slam-Erfolg, nein: „In einem Finale zu stehen, gegen die besten Spielerinnen der Welt auf der großen Bühne – das sind doch die Momente, für die man aufsteht und trainiert.“

Kerber, so scheint es, hat gelernt aus dem bösen Erwachen im Jahr 2017. Den Trubel, den sie mit ihren Grand-Slam-Siegen bei den Au­stralian Open und US Open 2016 und ihrem Sprung auf Rang eins der Weltrangliste auslöste, hatte sie nicht verkraftet. Jetzt, hat sie sich vorgenommen, soll in mehr Ruhe die Kraft liegen: „Ich weiß jetzt mit vielen Sachen besser umzugehen als damals. Ich bin als Spielerin und Mensch reifer geworden.“

Schon nach ihrem Wimbledonsieg hat sich Kerber mit viel Zeit beschenkt. Für den geplanten Grill­abend mit den Großeltern wird es während der Pause genug Möglichkeiten gegeben haben. Zuletzt hat sie sich in ihrer Tennisakademie im polnischen Puszczykowo gezielt auf die Hartplatzsaison in Nordamerika vorbereitet, vor allem gilt ihr Augenmerk der vierten großen Bühne des Jahres, den US Open in New York (27. August bis 9. September).

Dort, in Flushing Meadows, glich sie im August 2017 noch einem Häufchen Elend: Aus in der ersten Runde – alles, was sie sich im Jahr davor erarbeitet hatte, war ihr in diesem Moment weg. „Ich habe nach 2017 die Motivation vor allem durch Wimbledon wiedergefunden“, ver­riet Kerber nach ihrem Triumph dort: „Ich habe mir gesagt, dass ich diesen Titel unbedingt noch will.“ Nun kann sie die Dinge etwas gelassener angehen. Alles andere ergibt sich dann wohl von selbst: Kerber hat in den kommenden Wochen so wenig Punkte für die Weltrangliste zu verteidigen, dass sie bei guten Ergebnissen automatisch noch weiter nach oben klettern wird. Auch wenn sie das gar nicht mehr interessiert.