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Die Wiederauferstehung

Die Wiederauferstehung

Saarlouis. "Ich brauche noch fünf Minuten." Daniel Fontaine hatte seine langen Glieder von sich gestreckt, atmete tief und schwer, die Augenlider hingen auf Halbmast. Vielleicht war es nur das Spiel, von dem er sich lösen musste, dieses 28:27 der HG Saarlouis gegen den HC Erlangen

Saarlouis. "Ich brauche noch fünf Minuten." Daniel Fontaine hatte seine langen Glieder von sich gestreckt, atmete tief und schwer, die Augenlider hingen auf Halbmast. Vielleicht war es nur das Spiel, von dem er sich lösen musste, dieses 28:27 der HG Saarlouis gegen den HC Erlangen. Ein Spiel, in dem Saarlouis die vielleicht beste Halbzeit dieser Saison gezeigt hatte, als die Mannschaft zur Pause 19:12 in Führung lag und Erlangen rein gar nichts nichts entgegenzusetzen hatte. Die 1425 Zuschauer dankten es mit stehenden Ovationen.Doch da war auch diese zweite Halbzeit, in der zu spüren war, dass nach drei Niederlagen in Folge selbst eine klare Führung arg zerbrechlich sein kann. "Wenn man dann zwei, drei Bälle verliert, erinnert man sich an die letzten Partien", sagte Danijel Grgic. Und so fing es dann an zu arbeiten in den Köpfen der Mannschaft, als sich Erlangen immer wieder herankämpfte und eineinhalb Minuten vor Spielende in Überzahl plötzlich zum Ausgleich getroffen hatte.

Vielleicht musste Fontaine also einfach nur dieses Spiel verarbeiten, selbst wenn es noch einmal gut gegangen war, auch weil er kurz vor Schluss das entscheidende Tor zum 28:27 gemacht hatte. Vielleicht waren es aber auch diese letzten Wochen, in denen sich so viel auf ihn konzentriert hatte. So sehr er nach dem starken Saisonstart ob seiner guten Leistungen und dem Interesse manch eines größeren Vereins im Fokus gestanden hatte, so sehr war er zur Symbolfigur der Krise geworden. Dass er sich mit einer Virus-Erkrankung herumplagte, hatte das Übrige getan. Und auch gegen Erlangen war er noch nicht gesund, hatte mit dem Training aussetzen müssen, um spielen zu können: "Es ging mir zwar wieder besser, aber es war die richtige Entscheidung." Neun Tore erzielte er gegen Erlangen - mehr als in den vergangenen drei Partien zusammen.

Doch es würde zu kurz greifen, dieses Spiel nur auf die Wiederauferstehung des Lokalhelden zu reduzieren. So wenig die Krise der vergangenen Wochen nur die Krise des Daniel Fontaine war, so wenig waren es nur seine neun Tore, die Erlangen in die Knie zwangen. Da war auch der "bärenstarke Darek" Jonczyk im Tor, wie Grgic es ausdrückte, der zuerst dazu beigetragen hatte, dass die Mannschaft zur Pause so deutlich führte. Und dann verhinderte, dass Erlangen schon früher zum Ausgleich gekommen war. "Irgendwie passt dieses Spiel zum Konzept. Es ist unbeschreiblich. Die Zuschauer freuen sich. Für uns aber sind es zwei Punkte - mehr nicht", sagte Jonczyk.

Und so waren es zwei Gesichter, die das Spiel geprägt hatten. Eine erste Halbzeit, in der die HG zeigte, wozu diese Mannschaft im Stande ist, aber auch eine zweite Halbzeit, in der die HG zeigte, dass solche Leistungen keine Selbstverständlichkeit sind. "Zwei Punkte und Erfahrung. Man nimmt immer Erfahrung mit", sagte Fontaine.