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Die Urgewalt eines 2,17 Meter großen Hünen

Die Urgewalt eines 2,17 Meter großen Hünen

Saarbrücken. Wladimir Klitschko wird von den Medien gerne als der "kleine" Klitschko bezeichnet. Zwar ist der vierfache Box-Schwergewichtsweltmeister zwei Zentimeter kleiner als sein Bruder Vitali, bei einer Körpergröße von 1,98 Metern scheint diese Formulierung jedoch etwas ironisch angehaucht

Saarbrücken. Wladimir Klitschko wird von den Medien gerne als der "kleine" Klitschko bezeichnet. Zwar ist der vierfache Box-Schwergewichtsweltmeister zwei Zentimeter kleiner als sein Bruder Vitali, bei einer Körpergröße von 1,98 Metern scheint diese Formulierung jedoch etwas ironisch angehaucht. Würde der Ukrainer allerdings gegen Jurij Frank in den Ring steigen, könnte diese Ausdrucksweise wörtlich genommen werden. 2,17 Meter ragt der größte Boxer der Welt Richtung Himmel - da müsste sich selbst Wladimir Klitschko ordentlich strecken, um einen Treffer zu landen.

Lorch stellt Kontakt her

Frank war neulich in Saarbrücken zu Besuch - und die Attraktion bei der Neueröffnung der Trainingsräumlichkeiten des SFBC 09 e.V. Saarbrücken nach dem Umzug in die Mainzer Straße 155. "Wir planen im Herbst eine Boxveranstaltung im Saarland, und dazu wollte ich ein Zugpferd verpflichten. Ich hatte überlegt, entweder den kleinsten oder größten Boxer der Welt zu engagieren. Aber der Größte hat dann doch etwas mehr Anziehungskraft", sagte Uwe Lorch, ehemaliger deutscher Meister im Cruisergewicht und Kenner der Box-Szene.

Der Saarländer stand vor zwei Jahren selbst mit Frank im Ring - allerdings nur als Unparteiischer. Lorch war angetan von dem Koloss, der seit zwölf Jahren in Deutschland lebt. Vor drei Monaten nahm der 45-Jährige Kontakt auf und konnte Frank von einem Gastspiel überzeugen.

50 Schaulustige wollten sich bei den Feierlichkeiten selbst ein Bild von dem Hünen machen. Unter den Zuschauern befand sich auch Olympia-Teilnehmer Andreas Waschburger. Der Freiwasserschwimmer bekam in den vergangenen Wochen vom geschäftsführenden Vorstand des SFBC, Samar Adjdadi, Privatstunden im Kickboxen und ließ es sich nicht nehmen, Frank persönlich in Augenschein zu nehmen. Mit Jürgen Doberstein, frischgebackener deutscher Meister im Supermittelgewicht, gab sich ein weiterer prominenter Saar-Sportler die Ehre. "Ich kenne Jurij aus meiner Zeit in Frankfurt/Oder. Aber ich habe noch keinen Kampf von ihm gesehen", gestand Doberstein.

Eine Stunde nach Beginn der Veranstaltung schritt der Gigant endlich in den Ring. Schon nach kurzer Zeit ließ sich erahnen, welche Urgewalt in den Fäusten des 120-Kilo-Mannes steckt. Beim Pratzentraining hämmerte Frank auf die von Uwe Lorch gehaltenen Schlagkissen ein - ein Baseball-Schläger hätte wohl kaum mehr Zerstörungskraft. Auch technisch sah das beim anschließenden Sparring mit Bruder Alexander lange nicht so unbeholfen aus, wie es die Box-Fans etwa vom ehemaligen Weltmeister Nikolai Walujew (2,13 Meter) in Erinnerung haben. Walujew wackelte meist tölpelhaft durch den Ring und erklomm den Box-Olymp einzig durch seine unglaubliche Physis.

Kein zweiter Walujew

Nein, ein zweiter Walujew ist Jurij Frank nicht. Dabei boxt der 28-Jährige erst seit sechs Jahren, weshalb er bislang nur elf Profikämpfe absolvierte (zehn Siege, eine Niederlage). "Ich habe die Klitschkos gesehen und gedacht, bei meiner Größe könnte ich es auch mal mit Boxen probieren", erzählte der Wahl-Dortmunder Frank mit vibrierender Bassstimme. Da war er schon 22. Nun soll die Karriere aber in Schwung gebracht werden. Am 27. Oktober wird er wahrscheinlich einen Vorkampf zum U24-Weltmeisterschaftsduell von Jürgen Doberstein in St. Ingbert bestreiten - Uwe Lorch und Dobersteins Manager Oliver Heib signalisierten ihre Bereitschaft hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit Frank.

Doch das soll nur ein Zwischenschritt für den Riesen sein. "Ich würde gerne in zwei, drei Jahren gegen einen der Klitschkos kämpfen", verriet Frank selbstbewusst. Zumindest körperlich könnte er es mit den Box-Brüdern aufnehmen - egal ob "kleiner" oder "großer" Klitschko.