Die üblichen Unverdächtigen

Die üblichen Unverdächtigen

Den ersten WM-Titel für eine afrikanischen Mannschaft hatte Fußball-Ikone Pelé schon vor Jahren vorhergesagt. Doch das Warten geht weiter.

Auch vor der Endrunde in Brasilien sind Teams aus Afrika - und auch aus Asien - wieder einmal nur Außenseiter. Der Rückstand auf die starken Verbände scheint noch immer enorm.

Zwei Teams dürften die Favoriten aber zumindest gehörig ärgern können. "Ghana hat eine sehr starke Mannschaft, und ich denke, dass wir sehr weit kommen können - selbst der Titel ist möglich", sagte Ghanas ehrgeiziger Nationaltrainer James Kwesi Appiah. Die Black Stars gehen ihre WM-Mission offensiv an. Dass sie wirklich in den Kampf um die WM-Krone eingreifen können, scheint aber unwahrscheinlich. Japan werden ähnliche Außenseiterchancen zugerechnet.

Fakt bleibt jedoch: Die WM-Bilanzen vor allem der afrikanischen Mannschaften sind äußerst schwach. Noch nie hat es ein Team über das Viertelfinale hinaus geschafft. In der Runde der letzten Acht standen Kamerun, Senegal und Ghana - drei Mannschaften in zwölf Turnieren mit afrikanischer Beteiligung. Niemals schaffte es zudem mehr als ein Afrika-Vertreter, sich für die K.o.-Phase zu qualifizieren. Der Grund? "Die führenden Leute in den Verbänden respektieren uns Spieler nicht", sagt Kameruns Superstar Samuel Eto'o. Ins Bild passt da der heftige Prämienstreit in Kamerun, der sogar die Abreise des Teams nach Brasilien verzögerte. Englands ehemaliger Nationalspieler John Barnes sieht dagegen eher die Profis in der Pflicht: "Die afrikanischen Spieler müssten ähnliche Leidenschaft und Hingabe zeigen, wie sie es bei ihren Teams in Europa tun."

Doch das passiert in den Nationalmannschaften zu selten. "Die Spieler kämpfen um Verträge in Europa, darunter leidet das Teamspiel. Viele sind auch deswegen Individualisten", sagte Algeriens bosnischer Nationaltrainer Vahid Halilhodzic. Außerdem betonte er: "Politiker missbrauchen den Sport für ihre Zwecke." Ordentliche Arbeit und vernünftige Wettbewerbe seien so kaum möglich. Auch Korruption verhindert die Konzentration auf das Sportliche.

In Asien gibt es ähnliche Probleme. Die Topspieler verdienen ihr Geld in Europa, sehen die Nationalmannschaft längst nicht als ihre Priorität an. Einzig Japan mit einer Vielzahl an Bundesligaprofis wird zugetraut, dass sie in Brasilien weit kommen könnten. 2002 hatte es Südkorea - wenn auch mithilfe skandalöser Schiedsrichterentscheidungen - ins Halbfinale geschafft, verpasste nach einer Niederlage gegen das deutsche Team aber am Ende doch das Endspiel. "Vorwürfe zu Spielmanipulationen und Korruption in Südostasien werfen kein gutes Licht auf die Ligen in Asien", sagt Fußball-Kolumnist und Autor Neil Humphreys. Fehlendes Sponsoreninteresse führe zudem dazu, dass Talente im eigenen Land nicht genügend ausgebildet würden.

In Afrika ist die Situation etwas anders, denn Kinder und Jugendliche sehen im Fußball einen Ausweg aus Armut und Hunger. "Dabei sieht sich aber nur jeder selbst, niemand das Ganze. Der afrikanische Fußball kann sein großes Potenzial nicht ausschöpfen, weil jeder nur an sich selbst denkt", sagt Halilhodzic. Trotzdem hoffen die Vertreter Afrikas, dass es bei dieser WM besser läuft als bei den vorherigen Turnieren. "Ich sehe keinen Grund, warum nicht eine oder zwei Mannschaften das Halbfinale oder vielleicht sogar das Finale erreichen können", sagte Issa Hayatou, Präsident des afrikanischen Fußball-Verbandes.

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