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DFB-Bundestag in Frankfurt
Die Übergangs-Lösung gefällt lange nicht allen

Sie zeigen die grüne Karte: Die DFB-Präsidiumsmitglieder sowie die Delegierten stimmen beim Bundestag in Frankfurt über die neue Akademie und die Regionalliga-Reform ab – und den vorgelegten Anträgen zu.
Sie zeigen die grüne Karte: Die DFB-Präsidiumsmitglieder sowie die Delegierten stimmen beim Bundestag in Frankfurt über die neue Akademie und die Regionalliga-Reform ab – und den vorgelegten Anträgen zu. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt. Der DFB-Bundestag beschließt den 150 Millionen Euro teuren Bau der neuen Akademie und die Reform des Aufstiegs in die 3. Liga.

Die Akademie wird gebaut, die Regionalliga reformiert – und der neue Ehrenspielführer Philipp Lahm das Gesicht der EM-Bewerbung 2024. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat 16 Tage vor Heiligabend im Saal „Harmonie“ des Frankfurter Messezentrums einen überraschend reibungslosen Bundestag hinter sich gebracht. Vor allem, weil der große Streitpunkt schon vorab geklärt war – wenn auch mit viel Knirschen und auf den allerletzten Drücker.


„Der Aufstieg zur 3. Liga war nie und ist nicht geeignet, um einen Ost-West-Konflikt zu führen“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel zur Reform der Aufstiegsregelung, die am Mittwoch und Donnerstag noch zu hitzigen Diskussionen innerhalb der Regional- und Landesverbände geführt hatte – und am Donnerstag bis zum Abend noch vor dem Scheitern stand. Erst ganz spät gab es eine Einigung – und am Freitag stimmten dann auch elf der 259 Delegierten gegen den Antrag (28 Enthaltungen).

Mit der Übergangslösung, die 2020 in eine viergleisige Regionalliga münden soll, war dann aber die Mehrheit zufrieden: In den Spielzeiten 2018/2019 und 2019/2020 steigen vier statt wie aktuell drei Vereine in die 3. Liga auf. Immer der Meister aus der Staffel Südwest, was eine gute Lösung für den 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg ist, und drei aus den Ligen Bayern, West, Nord und Nordost – zwei davon direkt und einer als Sieger aus zwei Relegationsspielen.



Gewinner der kommenden Saison ist der Meister aus dem Nordosten, der neben seinem Südwest-Pendant 2019 direkt aufsteigen darf. Der dritte feste Aufsteiger wird vor der Spielzeit per Losentscheid festgelegt. Die übrigen beiden, die in die Relegation gehen, erhalten 2019/2020 neben dem Südwesten die beiden direkten Aufstiegsplätze, sodass nicht mehr gelost werden muss.

Eine Arbeitsgruppe soll bis zum Bundestag 2019 einen Vorschlag entwickeln, wie eine viergleisige Regionalliga unterhalb der 3. Spielklasse installiert werden kann. Die Basis sieht die Übergangs-Lösung aber nicht durchweg positiv. „Dieses ganze Getue ist doch nur noch lächerlich, einfach albern und grenzt für mich an Volksverarschung“, sagte Präsident Hajo Sommers von Rot-Weiß Oberhausen. Klare Worte fand auch Franz Wunderlich, Sportvorstand von Viktoria Köln. „Das ist alles einfach nur noch lächerlich und ein großer Witz. Ich gehe noch weiter und sage, dass das Ergebnis der Reform einfach nur die große Schwäche des Verbandes aufzeigt. Es fehlt an einer klaren Linie.“

Zu diesem Zeitpunkt wird auf dem Gelände der früheren Galopprennbahn in Frankfurt die neue DFB-Akademie schon Formen annehmen. Einstimmig sprachen sich die Delegierten, die auch die Zusatzvereinbarung im Grundlagenvertrag mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) absegneten, für den Bau aus, der bis zu 150 Millionen Euro kosten wird. „Wir sind froh, die Rechtssicherheit zu haben, um dieses Jahrhundertprojekt zu realisieren. Wer optimale Leistungen erwartet, der muss auch optimale Rahmenbedingungen bieten“, sagte Grindel.

Allein der Gebäude-Komplex soll 307 Meter lang und 149 Meter breit werden. Unter anderem drei Fußballfelder und eine Mehrzweckhalle werden gebaut. Der DFB hofft, das Gelände im 1. Quartal 2018 von der Stadt Frankfurt übergeben zu bekommen und den ersten Spatenstich noch vor der WM (14. Juni bis 15. Juli) setzen zu können.

Vor allem für seine Verdienste bei der vergangenen Weltmeisterschaft wurde Lahm zum sechsten Ehrenspielführer ernannt. Im Rennen um das EM-Turnier 2024, das im September 2018 vergeben werden wird, soll Lahm die Werbetrommel rühren. Einziger Konkurrent des DFB ist die Türkei. „Es ist eine riesige Ehre, Teil der DFB-Geschichte zu sein“, sagte der 34-Jährige, der seine Karriere beim FC Bayern im Sommer beendet hatte. Der Familienvater steht nun in einer Reihe mit Fritz Walter (1958), Uwe Seeler (1972), Franz Beckenbauer (1982), Lothar Matthäus (2001) und Jürgen Klinsmann (2016). Für Bundestrainer Joachim Löw geht das fast nicht weit genug. „Für Dich müsste eine neue Ehrung erfunden werden: Weltfußballer des Jahrzehnts. Für uns als Trainer war es eine große Ehre und eine große Bereicherung, mit Dir zusammenzuarbeiten. Danke für alles!“