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Die Tür zum Finale ist offen

Die Tür zum Finale ist offen

Völklingen. Wie ein Schuljunge, der gerade etwas angestellt hat, zieht Lyuben Iliev ungläubig die Augenbrauen hoch. Nach seinem 3:0-Sieg gegen seinen bulgarischen Landsmann Michail Ganev kratzt er sich beschämt am Kopf, als er sich die Glückwünsche in der gegnerischen Ecke abholt. Erst viel später kann sich Iliev richtig über seinen Sieg freuen

Völklingen. Wie ein Schuljunge, der gerade etwas angestellt hat, zieht Lyuben Iliev ungläubig die Augenbrauen hoch. Nach seinem 3:0-Sieg gegen seinen bulgarischen Landsmann Michail Ganev kratzt er sich beschämt am Kopf, als er sich die Glückwünsche in der gegnerischen Ecke abholt. Erst viel später kann sich Iliev richtig über seinen Sieg freuen. Ein Sieg, der mit ausschlaggebend war, dass der KSV Köllerbach den Halbfinal-Hinkampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen die RWG Mömbris-Königshofen am Samstag in der Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen mit 19:15 gewann.

"Ich habe noch nie gegen Ganev gewonnen, nicht einmal im Training", sagt der 96-Kilo-Freistilspezialist und wirkt irgendwie betroffen. Dabei ringt er die erste Runde sehr clever, ist aktiver und schiebt den Weltmeister von 2010 im Zwiegriff von der Matte. In Runde zwei ist Ganev aktiver, darf im Zwiegriff Ilievs Bein nehmen. Doch der kontert kurz vor dem Mattenrand. Als Iliev in der dritten Runde auch noch eine Dreier-Wertung erzwingen kann, gibt sich Ganev auf und gratuliert Iliev schon fünf Sekunden vor Ende des Kampfs.

Mit viel Optimismus waren Iliev ein, zwei Runden zuzutrauen, aber das 3:0 war für alle der geschätzten 2500 Zuschauer in der ausverkauften Halle die große Überraschung des Abends und sorgte wenigstens kurzzeitig für etwas Ruhe unter den etwa 600 mitgereisten Fans aus Mömbris, die mit ihrer permanent lautstarken Unterstützung den Auswärtskampf stellenweise zu einem Heimkampf machten, der von Anfang bis Ende sehr emotional war.

Manche Aktionen, wie die Provokationen des Köllerbacher Ringers Virgil Munteanu, waren nah an der Grenze des guten Geschmacks. Andere Aktionen überschritten diese auch, wie die von RWG-Ringer Krasimir Krastanov, der in Richtung des Köllerbacher Trainerteams spuckte, oder wie die von Peter Weisenberger, der nach Kampfende von Köllerbachs Kapitän Jan Fischer zurückgehalten werden musste, weil er sich mit Munteanu anlegen wollte.

Das alles zeigte nur, wie eng und spannend die Kämpfe waren. Nur die Duelle von Iliev, Ibragim Aldatov (3:0) und Andrij Shyyka (0:3) gingen über drei Runden. "Der Unterschied war heute unser unbändiger Wille, zu gewinnen", sagte KSV-Teamleiter Thomas Geid nach dem Kampf zufrieden, "aber auch die, die verloren haben, haben nie aufgesteckt und um jede Runde gekämpft."Wie Fischer oder Heiki Nabi, die zwar unterlagen, aber keine technische Wertung zuließen und deswegen jeweils nur einen Punkt abgaben. "Man muss sich manchmal auch mit weniger zufriedengeben", sagte Kapitän Fischer, der nur mit Schmerzmitteln auf die Matte konnte, nicht sehr glücklich. Martin Daum war gegen Saba Bolaghi richtig stark und nahm eine Runde für den KSV mit. Andrei Dukov, Virgil Munteanu oder Tomasz Swierk konnten ihre Kämpfe in der letzten Runde für sich entscheiden.

Die eher verhaltenen Köllerbacher Fans anzuheizen, schaffte erst Timo Badusch im letzten Kampf. Für seinen Überwurf in der ersten Runde bekam er die Höchstwertung des Abends (fünf Punkte). "Das reißt natürlich mit, wenn Timo so ringt", sagte Fischer. Unter "Timo, Timo"-Rufen besiegte er den Ungar Martin Szabo mit 3:1 und sorgte für eine gute Ausgangslage im Rückkampf am kommenden Samstag. "In Aschaffenburg müssen wir genauso auftreten", sagte Badusch.

Auf Einen Blick

KSV Köllerbach - RWG Mömbris-Königshofen 19:15.

 Lyuben Iliev konnte sich über seinen Sieg gegen Michael Ganev zuerst gar nicht freuen.
Lyuben Iliev konnte sich über seinen Sieg gegen Michael Ganev zuerst gar nicht freuen.
 Timo Badusch feierte seinen Gala-Auftritt gegen Martin Szabo mit einem Salto.
Timo Badusch feierte seinen Gala-Auftritt gegen Martin Szabo mit einem Salto.

55 Kilo Freistil (F): Andrei Dukov - Krasimir Krastanov 3:2 (0:1, 3:2, 1:0, 0:1, 2:1); 120 Kilo griechisch-römischer Stil (GR): Heiki Nabi - Johan Euren 0:1 (1:0, 0:1, 0:1, 0:1); 60 Kilo GR: Virgil Munteanu - Jens Rung 3:2 (0:3, 1:2, 1:0, 2:0, 1:0); 96 Kilo F: Lyuben Iliev - Michail Ganev 3:0 (1:0, 2:0, 3:1); 66 Kilo Freistil: Martin Daum - Saba Bolaghi 1:3 (0:1, 1:1, 0:1, 1:2); 84 Kilo GR: Jan Fischer - Peter Bacsi 1:0 (0:1, 0:1, 2:0, 0:1); 66 Kilo GR: Tomasz Swierk - Bengt Trageser 3:2 (2:0, 0:3, 0:2, 1:0, 1:0); 84 Kilo F: Ibragim Aldatov - Peter Weisenberger 3:0 (1:0, 1:0, 3:0); 74 Kilo F: Andriy Shyyka - Kakhaber Khubetzthy 0:3 (0:1, 0:2, 0:5); 74 Kilo GR: Timo Badusch - Martin Szabo 3:1 (5:0, 3:0, 0:2, 1:0). aub