1. Sport
  2. Saar-Sport

Die Sternstunde der Claudia Pechstein

Die Sternstunde der Claudia Pechstein

Inzell. Claudia Pechstein ließ die Korken knallen, ihr Trainer Joachim Franke stimmte in der Vip-Lounge lautstark das "Hoch soll'n sie leben" an: Nach zwei harten Jahren mit Selbstmordgedanken, Scheidungskrieg und juristischem Dauerstreit schwebte die erfolgreichste Medaillensammlerin der Eisschnelllauf-Geschichte wieder auf Wolke sieben

Inzell. Claudia Pechstein ließ die Korken knallen, ihr Trainer Joachim Franke stimmte in der Vip-Lounge lautstark das "Hoch soll'n sie leben" an: Nach zwei harten Jahren mit Selbstmordgedanken, Scheidungskrieg und juristischem Dauerstreit schwebte die erfolgreichste Medaillensammlerin der Eisschnelllauf-Geschichte wieder auf Wolke sieben.

Versöhnliche Worte

Genüsslich schlürfte sie mit Weltmeisterin Martina Sablikova ein Gläschen Sekt und stellte den Bronze-Coup über 5000 Meter sogar über ihre fünf Olympiasiege: "Das ist die wichtigste Medaille in meinem Leben." Gestern ließ Pechstein zum Abschluss der Titelkämpfe im Team-Rennen noch einen Bronzeplatz folgen.

Mit insgesamt fünf Medaillen (1/1/3) haben die Deutschen auch dank Pechstein ihre WM-Ziele sogar übererfüllt. Für Stephanie Beckert war der dritte Platz in der Teamverfolgung bereits die dritte Medaille, für die Berlinerin Isabell Ost die erste überhaupt. "Einfach traumhaft, dass es zu Bronze gereicht hat", meinte Pechstein. "Das Team hat vorneraus gute Arbeit geleistet, mich gut in Schwung gebracht", stimmte ihr Beckert zu.

Pechsteins dritter Platz über 5000 Meter hinter der Tschechin Sablikova (6:50,83) und Rivalin Stephanie Beckert hatte zuvor ein Ausrufezeichen hinter ihr bemerkenswertes Comeback gesetzt. Mit 39 Jahren ist Pechstein nun die älteste WM-Medaillen-Gewinnerin und baute mit ihrer 54. und 55. Plakette (14/27/14) bei Olympia, WM und EM ihre Führung in der Rangliste der Top-Läuferinnen aus.

Gemeinsam mit ihrem Partner Matthias Große, ihrem Trainer und den Eltern feierte sie ausgiebig den großen Tag. Selbst Ottavio Cinquanta konnte ihr nicht die Laune verderben. Bevor ihr ausgerechnet der Präsident der Weltverbandes ISU mit versteinerte Miene die Medaille umhängte, hatte der Italiener ihren Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung wegen weiter schwankender Blutwerte als unbegründet zurückgewiesen.

"Mir fehlen die Worte, mir kommen die Tränen", zeigte sich Pechstein unmittelbar nach ihrem Triumph überwältigt. In der Stunde des Jubels versöhnte sie sich vor den 5000 Fans in der ausverkauften Arena auch mit Stephanie Beckert und umarmte die Thüringerin, als hätte es den Zoff der vergangenen Monate nicht gegeben. "Den Zwist untereinander gab es gar nicht, das ist alles viel Gerede", meinte Pechstein.

Vierter WM-Titel in Serie

Für das deutsche Top-Resultat der Titelkämpfe sorgte aber gestern eine andere - nämlich Jenny Wolf, die zum vierten Mal nacheinander Gold über 500 Meter gewann. In 37,98 und 37,95 blieb sie als einzige unter 38 Sekunden und ließ der Konkurrenz keinen Stich. "Ein Traum. Das ist Freude pur, dass ich diese Saison hinter mich gebracht habe", meinte die strahlende Siegerin, die jubelnd die deutsche Fahne auf dem Eis schwenkte. Die schnellste Frau auf dem Eis wollte sich aber nicht festlegen, ob sie ihre Erfolgskarriere fortsetzt. "Es muss von Körper her stimmen, dann stimmt es auch im Kopf. Ich entscheide im Sommer. Aber es gibt ja den Spruch: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören", sagte die 32-Jährige. dpa