Leichtathletik: Die Speerwerfer wollen es krachen lassen

Leichtathletik : Die Speerwerfer wollen es krachen lassen

Weltmeister Johannes Vetter und Olympiasieger Thomas Röhler sind beim Auftakt der Diamond-League-Serie in Doha am Start.

In der Boeing 777-300 ER nach Doha konnte Johannes Vetter auf Sitz 8K ganz entspannt die Beine lang machen. Beim Sechs-Stunden-Flug in der Business Class war der Weltklasse-Speerwerfer in Gedanken aber schon längst bei der Diamond League. Denn in der Hauptstadt des Emirats Katar geht die Saison an diesem Freitag (18.10 Uhr unserer Zeit/Eurosport 2) für die Leichtathleten so richtig los. Beim Auftaktmeeting der hochkarätigen Serie ist viel deutsche Speerwurf-Kraft drin: Weltmeister Vetter, Olympiasieger Thomas Röhler und Andreas Hofmann sind richtig heiß auf das Wüstenmeeting.

„Ich freue mich tierisch auf die Saison. Und ich denke, dass ich in der Lage bin, 95 Meter zu werfen“, meint Vetter, das Kraftpaket von der LG Offenburg. Der frühere Saar-05-Athlet hatte schon im Vorjahr richtig einen rausgehauen: Am 11. Juli avancierte er in Luzern mit grandiosen 94,44 Metern zum zweitbesten Speerwerfer der Leichtathletik-Geschichte hinter dem legendären Tschechen Jan Zelezny (98,48 Meter) – und nahm seinem Kumpel Röhler den deutschen Rekord (93,90) ab. Die Saison 2017 krönte Vetter im August mit WM-Gold in London.

Bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August) möchte Vetter diesen Coup ganz gern wiederholen. Schon Mitte März hat er im portugiesischen Leiria eine Duftmarke gesetzt, die die Konkurrenz geschockt hat. „Die 92,70 Meter habe ich stehen, das reicht locker für das EM-Ticket“, sagt Vetter zu seiner erstaunlichen Frühform: „Ich weiß, was ich draufhabe und setze mich da nicht unter Druck.“

Bei optimalen Bedingungen, das wissen Röhler und Vetter, ist alles möglich. „Weiten über 90 Meter – die sind ja bei uns deutschen Speerwerfern schon zur Normalität geworden“, sagt Weltmeister Vetter. Und: „Wenn alles passt, dann glaube ich schon, dass dieses Jahr noch ein ganz großer Wurf herauskommen kann.“ Vielleicht ja auch an Pfingsten im Saarland. Vetter greift beim Pfingstsportfest in Rehlingen, das in diesem Jahr ausnahmsweise am Sonntag (20. Mai) statt am traditionellen Montag stattfindet, unter anderem den Stadionrekord seines Trainer Boris Obergföll an. Der hatte 1998, damals noch unter dem namen Henry, in seinem Wohnzimmer 89,21 Meter geworfen. Die sind drin, Vetter hat immer Weiten jenseits der 90 Meter drauf.

Das gilt auch für Kollege Röhler. „Wir haben dieses Jahr die Schraube noch einmal angezogen und sehr, sehr intensiv trainiert. In den letzten zwei Wochen täglich“, sagt der Olympiasieger aus Jena: „Bei den Zubringerleistungen sind wir auf einem extrem hohen Niveau. Aber beim Wurf muss man diese brachiale Kraft dann auch auf die Bahn bringen.“ Das hat Röhler vor. In Doha, und auch bei der EM in Berlin.

Für Idriss Gonschinska, den Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), spielt die Diamond League vor allem in punkto Wettkampfhärte eine wichtige Rolle – „besonders mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2019 und die Olympischen Spiele 2020“. Wettkampf-Kompetenz sei „wichtig und notwendig“ für die Entwicklung eines Sportlers. „Es treffen sich die weltbesten Athleten, leider medial nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, sagt der Leitende Direktor Sport im DLV.

Thomas Röhler, der Olympiasieger von 2016, hat richtig Lust auf weite Würfe in 2018. Foto: dpa/Rainer Jensen

In der Tat: Die meisten Leichtathletik-Fans gucken auch in dieser Saison in die Röhre, wenn sie scharf auf die Diamantenliga sind. Denn die Serie mit 14 Meetings auf vier Kontinenten wird in Deutschland wieder nur vom Bezahlfernsehen präsentiert. Eurosport 2 HD Xtra überträgt neben Doha noch von fünf weiteren Meetings der Diamond League jeweils zwei Stunden live. Auch Röhler, der Athletensprecher im Weltverband IAAF ist, ist sauer. „Das ist ein Thema, das stört uns alle, das ist wenig nachvollziehbar und ärgert mich tierisch. Wir wollen auch ins Fernsehen – und es gibt nicht nur Wintersport“, sagt: „Aber das haben wir Athleten nicht in der Hand.“ Denn viel weiter als Vetter und Röhler kann man nicht werfen, und erfolgreicher als Weltmeister und Olympiasieger können die beiden auch nicht sein.

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