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Die Rückkehr der verlorenen Tochter

Stina Barnert hat gut lachen, denn die frühere Saarlouiserin spielt beim derzeit besten deutschen Basketball-Verein, dem TSV Wasserburg. Der ist am Sonntag in Saarlouis zu Gast. Foto: Ruppenthal
Stina Barnert hat gut lachen, denn die frühere Saarlouiserin spielt beim derzeit besten deutschen Basketball-Verein, dem TSV Wasserburg. Der ist am Sonntag in Saarlouis zu Gast. Foto: Ruppenthal
Saarlouis/Wasserburg. An diesem Sonntag - das weiß Stina Barnert ganz genau - wird sie einen bestimmten Satz relativ oft zu hören bekommen. "Schön, dass Du wieder da bist, Stina - aber warum hast Du das falsche Trikot an?, werden sie sagen. Den Satz habe ich schon ein paar Mal gehört, seit ich in Wasserburg spiele", sagt die 23-Jährige Von SZ-Redakteur Sascha Sprenger

Saarlouis/Wasserburg. An diesem Sonntag - das weiß Stina Barnert ganz genau - wird sie einen bestimmten Satz relativ oft zu hören bekommen. "Schön, dass Du wieder da bist, Stina - aber warum hast Du das falsche Trikot an?, werden sie sagen. Den Satz habe ich schon ein paar Mal gehört, seit ich in Wasserburg spiele", sagt die 23-Jährige. Aber sie ist niemandem böse, ganz im Gegenteil.


Nicht nur für die Fans ist es ein ungewohntes Bild, "ihre" Stina in einem anderen Trikot in der Stadtgartenhalle auflaufen zu sehen. Und dann noch in dem des größten Konkurrenten um nationale Titel in den vergangenen Jahren. "Als ich von der Auslosung gehört habe, habe ich schon geschluckt. Ich weiß, es wird ein komisches Gefühl werden", ist sich Barnert sicher. "Ich muss wahrscheinlich aufpassen, nicht auf die falsche Bank zu laufen, wenn ich aus der Kabine kommen", fügt sie scherzhaft hinzu.

Denn die Zeiten haben sich geändert. Wenn beide Mannschaften am Sonntag um 15 Uhr in der Stadtgartenhalle im deutschen Basketball-Pokal aufeinandertreffen, ist es nicht das Finale, sondern erst Runde drei. Und Wasserburg um die Ex-Saarlouiserin Stina Barnert ist der haushohe Favorit. Denn die Royals spielen nach einem Seuchenjahr nun in Liga zwei und dürften dem Meisterschaftsfavoriten aus Liga eins normalerweise nur wenig Probleme bereiten.



Dieses Seuchenjahr hat indirekt sogar mit Stina Barnert zu tun. Denn wenn man so will, war ihr Abgang im Frühjahr 2011 der große Bruch in der Entwicklung der Royals. "Wir hatten in Saarlouis immer ein Gerüst von starken deutschen Spielerinnen. Als Romy Bär weggegangen ist, hat es noch für Platz drei gereicht. Dann haben Isabelle Comteße und ich den Verein verlassen, dazu kam viel Pech bei den Neuverpflichtungen - da hätte jeder Verein große Schwierigkeiten bekommen", sagt Barnert.

Als René Spandauw im Jahr 2006 die damals 16-Jährige von der Nordseeinsel Föhr nach Saarlouis lotste, konnte kaum jemand erahnen, welche Rolle dieses blonde Küken einmal für Saarlouis spielen sollte. Barnert ging hier zur Schule, machte Abitur, avancierte zur Leitfigur - und entwickelte sich fast nebenbei zu einer der besten deutschen Basketballerinnen. 2011 folgte dann der Wechsel nach Ibiza in die erste spanische Liga - mehr beruflich bedingt, als dass sie aus Saarlouis weg wollte. Als Schülerin der Berufsfachschule für Hotellerie und Gastronomie musste sie ein einjähriges Auslandspraktikum absolvieren.

Das verband Barnert mit Profi-Basketball auf der spanischen Sonneninsel. Als das Praktikum beendet war, standen die Royals in Liga zwei und Barnert vor einer ungewissen Zukunft: Ibiza hatte finanzielle Probleme. "Ich wollte nach der Ausbildung mindestens ein Jahr als Vollprofi spielen, also nichts anderes machen als Basketball. Ich hatte Angebote aus Spanien, aber das war mir aus finanzieller Sicht zu unsicher", erinnert sich Barnert. Da kam ein interessantes Angebot aus der deutschen Bundesliga gerade recht: Der TSV Wasserburg versuchte sich mit neuem Trainer an einem Neuaufbau. "Natürlich hatte ich die Rivalität mit Saarlouis im Kopf. Aber ich habe versucht, neutral an die Sache heranzugehen. Und ich muss sagen: Die Leute hier in Wasserburg sind echt nett", sagt Barnert: "Übrigens sehen die Wasserburger das etwas anders. Sie sagen: Endlich spielt Stina im richtigen Trikot."

Ihr Vertrag in Wasserburg läuft zwei Jahre. Dass sie danach vielleicht wieder in Saarlouis landen wird, will sie nicht ausschließen. "Ich habe mich im Saarland immer wohl gefühlt", sagt sie: "Das Spiel liegt mir, und ich halte René Spandauw für einen sehr guten Trainer. Wir werden sehen." Bis es vielleicht soweit ist, muss sie sich aus Saarlouis aber noch einige Zeit den nicht ganz ernst gemeinten Vorwurf anhören, das falsche Trikot zu tragen . . .

Hintergrund

Stina Barnert wechselte im Mai 2006 vom SC Alstertal-Langenhorn zu den Saarlouis Royals. Die Aufbauspielerin entwickelte sich unter Trainer René Spandauw zur deutschen A-Nationalspielerin. Unter Barnerts Regie gewannen die Royals 2008 bis 2010 den deutschen Pokal und wurden 2009 und 2010 deutscher Meister. Barnert selbst wurde 2010 zur besten Spielerin der Liga gekürt. spr

Stina Barnert war die Topspielerin der Saarlouis Royals bei den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte 2008 bis 2010. Foto: bub
Stina Barnert war die Topspielerin der Saarlouis Royals bei den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte 2008 bis 2010. Foto: bub