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Skandal im Landessportverband
Die Neuwahlen sollen noch kein Thema sein

Das Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland sieht sich nach wie vor nicht in der Verantwortung für den Skandal und zieht keine personlichen Konsequenzen. Unser Bild zeigt die Präsidiumsmitglieder Franz Josef Kiefer, Klaus Meiser, Eugen Roth und Franz Josef Schumann (von links).
Das Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland sieht sich nach wie vor nicht in der Verantwortung für den Skandal und zieht keine personlichen Konsequenzen. Unser Bild zeigt die Präsidiumsmitglieder Franz Josef Kiefer, Klaus Meiser, Eugen Roth und Franz Josef Schumann (von links). FOTO: Thomas Wieck
Saarbrücken. Das Präsidium des Landessportverbandes hat die Fachverbände über den Skandal informiert. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Von Mark Weishaupt, Patric Cordier und Jonas Grethel
Mark Weishaupt

Donnerstag, 19.27 Uhr, Hermann-Neuberger-Sportschule. Manfred Lahm betritt das Haus der Athleten, in dem sich der Tagungsraum 20 befindet. Lahm hat die Hallenaufsicht beim LSVS, schaut nach dem Rechten. „Sinn se noch nedd ferdisch?“, fragt der CDU-Kommunalpolitiker aus Oberwürzbach in die Runde der gut 15 Medienvertreter, die im Vorraum warten, nickt freundlich, dreht seine Runde und geht wieder.



Im Raum 20 erkären sich derweil LSVS-Präsident Klaus Meiser und sein Präsidium den Chefs der vielen Sportfachverbände in einer Sondersitzung des LSVS-Gesamtvorstands. Wie konnte es zum Loch von bis zu fünf Millionen Euro kommen? Wie soll es in der Zukunft weitergehen? Hin und wieder verlässt einer der Fachverbandspräsidenten den Raum – Termine stehen an. So wie für Jörg Aumann, den Präsidenten der saarländischen Radfahrer, der zu einem Neujahrsempfang muss. Oder Martin Bartels, der Präsident des Saarländischen Schwimmbundes, der zur Sportlerehrung seines Verbandes in die nahegelegene Mensa eilt. Er fühle sich gut informiert, sagt Bartels. „Es wird ein großes Maß an Professionalität einziehen“, sagt Bartels – und das Wichtigste: „Es betrifft die Verbände nicht.“ Will heißen: Die Zuwendungen für 2018 sind gesichert.

Als die Sitzung um 20 Uhr vorbei ist, bestätigen andere Präsidenten Bartels’ Eindruck. Frank Liedke, der Präsident des Saarländischen Badminton-Verbandes, sagt: „Ich bin froh, dass bei den Verbänden nicht gekürzt wird. Das ist wichtig, um Planungssicherheit zu haben.“ Ringer-Präsident Bernd Wegner ist „froh, dass wir für 2018 unseren Haushalt gesichert haben. Und dass – so wie es sich im Moment darstellt – auch für die nächsten Haushalte eine gewisse Sicherheit da ist.“

Torsten Reif, Geschäftsführer der Saarland Hurricanes und am Donnerstag Vertreter des saarländischen American Footballs, berichtet, das Präsidium habe die Situation so erklärt, wie es das bisher auch nach außen getan hat – in den Prüfungsberichten der vergangenen Jahre hätten die Wirtschaftsprüfer ein Minus festgestellt, dieses sei aber vor allem vom freigestellten Hauptgeschäftsführer Paul Hans nicht deutlich genug kommuniziert worden. „Die Alarmglocken sind anscheinend nicht angegangen“, sagte Reif.

Derweil steht das LSVS-Präsidium der Presse Rede und Antwort – und spricht von einem „harmonischen und konstruktiven“ Verlauf der Sitzung. „Wir haben alles so gut dargelegt, wie wir konnten“, sagt Meiser: „Am 1. März soll auf einer nächsten Sitzung der Haushalt für 2018 verabschiedet werden.“ Der sieht Einsparungen von gut einer halben Million Euro vor, die im Wesentlichen auf dem Auslaufen von drei Altersteilzeit-Stellen und der Reduzierung der Tilgungsleistungen für Baukredite beruhen. LSVS-Vize Franz Josef Schumann vom Fußballverband sagt: „Wir haben viel gebaut und konnten uns leisten, mehr zu tilgen, weil wir geglaubt haben, dass es uns finanziell gut geht – bis wir diesen systematischen Fehler entdeckt haben und feststellen mussten, dass wir eigentlich über unsere Verhältnisse gelebt haben. Aber wenn es bei den Einnahmen aus dem Sportachtel bleibt, werden wir das ausgleichen können, ohne dass es richtig wehtut.“



Auch der Fehler, der zum Finanzloch führte, war Thema. Paul Hans soll einen Zuschuss von 550 000 Euro von der Sportplanungskommission als doppelte Einnahme verplant haben. „Ich bin überzeugt, dass Paul Hans den Fehler, der seit 2009 besteht, nicht erkannt hat“, sagt Meiser. „Wir haben einfach den Wirtschaftsplan der Sportschule nicht auf dem Tisch gehabt und haben auch nicht danach gefragt“, ergänzt Schumann. Eugen Roth, der Präsident der Saar-Handballer, sagt: „Es gab nicht die kleinste Andeutung, dass etwas nicht passt.“

Dass der LSVS ausweislich der Prüfungsberichte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Audittax regelmäßig ein deutliches sechsstelliges Minus eingefahren hatte und diese Prüfungsberichte dem Präsidium vorgelegen hatten, spielt für die meisten Präsidiumsmitglieder offenbar keine Rolle. Entsprechend emotional sind zum Teil die Reaktionen. „Allein aufgrund der Aktenlage war es unmöglich, den Fehler zu finden“, sagt Roth: „Ich als Präside erwarte vom Wirtschaftsprüfer einen deutlichen Hinweis, dass er sagt: ,Das und das habe ich auf Seite soviel testiert, passt da mal auf.’“ LSVS-Vizepräsident Franz Josef Kiefer vom Saarländischen Turnerbund sagt: „Ich bin doch nicht gewählt worden, um Bilanzen zu prüfen, sondern um den Sport zu organisieren und voranzubringen.“ Dabei steht in Paragraf 9 der LSVS-Satzung: „Insbesondere hat das Präsidium folgende Aufgaben zu erfüllen: die Aufstellung des Haushaltsplanentwurfes, den Vollzug des Haushaltes und die Vorprüfung des Jahresabschlusses.“

Ringer-Präsident Bernd Wegner nimmt das LSVS-Präsidium in Schutz: „Ich bin mir sicher, dass es die richtige Reaktion ist, sich jetzt nicht zurückzulegen und zu sagen: Ich trete zurück und lasse andere die Arbeit für die Zukunft machen. Ich glaube, es ist sehr verantwortungsvoll zu sagen: Da ist ein Problem aufgetreten, wir arbeiten das jetzt auf und versuchen, den Schaden im Griff zu behalten.“ Badminton-Präsident Frank Liedke sagt dazu: „Natürlich hat ein Präsidium eine moralische Verantwortung. Wenn man Dinge nicht so überprüft, wie es nötig wäre, muss man das mit sich selbst klären. Ich habe das selbst miterlebt und meine Konsequenzen gezogen.“ Liedke hatte in seiner ersten Amtszeit als Präsident des Saarländischen Badminton-Verbandes 1996 die Verantwortung für ein Finanzloch der German Open in Saarbrücken von 30 000 Mark übernommen und war bei der nächsten Wahl 1997 nicht mehr angetreten.

Mitte September wird der LSVS zu seiner Mitgliederversammlung für 2018 einladen – und turnusgemäß zu Neuwahlen des Präsidiums aufrufen. Wer dort aus dem alten Präsidium antreten wird, scheint völlig offen. „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Meiser: „Die Frage, wie es weitergeht, wird sich stellen, aber das möchte ich jetzt noch nicht thematisieren.“