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Die neue, alte WM-Hoffnung

Die neue, alte WM-Hoffnung

Paris. Vom Operations-Tisch aufs WM-Podest? Nach ihrem dritten Diamond-League-Erfolg in Serie zählt Speerwerferin Christina Obergföll zu den großen deutschen Titel-Kandidaten bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften Ende August in Südkorea. "Mein Ziel ist eine Medaille, ganz klar

Paris. Vom Operations-Tisch aufs WM-Podest? Nach ihrem dritten Diamond-League-Erfolg in Serie zählt Speerwerferin Christina Obergföll zu den großen deutschen Titel-Kandidaten bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften Ende August in Südkorea. "Mein Ziel ist eine Medaille, ganz klar. Man muss aber auch in Daegu 68 Meter werfen, um die zu holen", sagte die 29-Jährige nach ihrem Sieg in Paris, bei dem sie am Freitagabend eine Weltjahresbestleistung (68,01 Meter) aufgestellt und dazu starke Konkurrenz wie die Olympiasiegerin Barbora Spotakova (Tschechien) geschlagen hatte.Gut anderthalb Monate vor dem Saisonhöhepunkt am anderen Ende der Welt bietet sich den Verantwortlichen des Deutschen Leichtathletik- Verbandes damit ein vertrautes Bild: Werfer wie Obergföll und ihr Disziplin-Kollege Matthias de Zordo (SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken), Betty Heidler (Hammer) oder Diskus-Weltmeister Robert Harting wecken Medaillen-Hoffnungen. De Zordo, der von Obergfölls Lebensgefährte Boris Henry trainiert wird, hinterließ am Sonntag in Birmingham beim Diamond-League-Wettbewerb als Zweiter mit 83,42 Metern hinter dem Weltmeister, Olympiasieger Andreas Thorkildsen aus Norwegen (88,30) einen guten Eindruck.

Obergfölls Entwicklung in diesem Jahr beeindruckt dagegen sogar ihre größten Rivalinnen. Noch im März wurde die Offenburgerin am Knie operiert und stieg erst mit Verspätung in die WM-Saison ein. Mittlerweile führt sie die Weltjahresbestenliste und die Gesamtwertung der Diamond League an. "Im Moment läuft es sehr gut und ich habe viel Spaß. Sogar im Training werfe ich weit", sagte sie.

Was immer wie ein Handicap aussah, könnte im Nachhinein ein Glücksfall gewesen sein. "Vielleicht habe ich durch die Operation das nötige Quäntchen Lockerheit und Entspannung bekommen", erklärte Obergföll. "Ich habe nicht viel erwartet von diesem Jahr und habe mir gedacht: Ich werfe einfach mal mit."

So gelöst war sie nicht immer. Schon vor zwei Jahren startete Obergföll vielversprechend in die Saison, setzte sich dann vor der Heim-WM in Berlin zu sehr unter Druck. Ihre Enttäuschung über den fünften Platz ging im Jubel um Weltmeisterin Steffi Nerius völlig unter. Das soll in Daegu nun anders laufen. Obergföll bremst zwar die Erwartungshaltung und sagt: "Bei dieser WM muss man sich warm anziehen. Spotakova wird immer besser, auch Katharina Molitor habe ich auf dem Zettel." Doch ihre Siegesserie in der Diamond League hat sie selbstbewusst gemacht. Während diese lukrative, aber langatmige Serie von vielen Beobachtern noch immer kritisch gesehen wird, hat sie für die Badenerin nicht nur aufgrund der Prämien von 10 000 US-Dollar für einen Tages- und 40 000 US-Dollar für den Gesamtsieg einen großen Wert. "Das ist der Titel für die konstanteste Werferin der Saison", meint sie. "In der Bundesliga zählen ja auch die Ergebnisse eines ganzen Jahres." Und mit der aktuellen Form muss Obergföll beim diesjährigen Höhepunkt nicht bange sein. dpa/red